Der Zauberer mit Leder und Leisten

Brienz

Es ist wie Magie: Aus Leder und recht brachialen Werkzeugen macht Weltmeister Patrick Frei feinste Schuhe.

Patrick Frei zeigt, wie die Kappe ausgerichtet wird, sodass linker und rechter Schuh genau gleich aussehen. Foto: agg

Patrick Frei zeigt, wie die Kappe ausgerichtet wird, sodass linker und rechter Schuh genau gleich aussehen. Foto: agg

Haute Couture für die Füsse: An einem zweitägigen Kurs in der «Zwickmühle» in Brienz zeigte Patrick Frei aus dem deutschen Freiburg, wie er Schuhe macht. 2018 wurde er in London zum Weltmeister gekürt.

Weltmeisterliche Schuhe? Patrick Frei erzählt, wie es dazu kam. An den grossen Weltausstellungen der Belle Epoche in Paris und London gabs länderübergreifende Berufswettbewerbe, auch für die Meister der Schuhmacher. 2018 wurde die Tradition wiederbelebt: Frei ist somit der erste Weltmeister des 21. Jahrhunderts.

Die Wettbewerbsaufgabe: ein linker Captoe Oxford aus Boxcalf, Sohle naturfarben. 30 Schuhe aus vielen Ländern wurden eingereicht, Freis Schuh war der schönste. Er ist so glänzend, und er ist auf Formschönheit ausgerichtet, dass ihn nur ein Elfenmann tragen könnte. Der Griff des Spanners ist, passend zum feinen Steg an der Sohle, eine Violinschnecke. Feinste Paspelnähte und Nähte in Bogenform, alles von Hand genäht, schmücken aussen und innen den Schuh.

Auf Wolken gehen

In seinem Berufsleben macht Frei Schuhe, die man tragen kann und in denen man wie auf Wolken geht. Er fertigt Massschuhe. Das beginnt mit dem Leisten, gewissermassen einer Holzskulptur des Kundenfusses, auf dem dann der Schuh «aufgebaut» wird. 100 Stunden brauchts für ein Paar, die Wartezeit beträgt fast ein Jahr. Das günstigste Frei-Schuhpaar kostet 3900 Franken.

Wie aber baut man einen Schuh? In Brienz zeigte Frei 19 Kursteilnehmern, wies geht. Es war ein Meisterkurs; die Teilnehmenden hatten sichtlich Erfahrung im Schuhemachen. Unter anderem auch dank Franz Kälin.

Der vielseitig ausgebildete Schuhmachermeister – sein Vater hatte eine Schuhmacherwerkstatt in Interlaken – organisiert in den hellen Räumen seiner «Zwickmühle» am Brienzersee eigene Kurse und ist auch im Kurszentrum Ballenberg tätig.

Werkzeuge und Muskeln

Und wieder einmal wundert man sich, was unsere Vorfahren an handwerklichem Wissen und Präzision so alles draufhatten. Traditionelle Werkzeuge, wie Schuhmacherhammer, Nagelort, Glasscherben, Beisszange, Zwickzange oder Fummelholz kommen zum Einsatz.

Es braucht Hanf, Nägel, Flachs, Baumharz, Öl, Teer, Bienenhonig und Wildschweinborsten, um einen Schuh zu machen. Das Endprodukt sieht so vollendet aus, als ob nie geklopft, gezwickt und gefummelt worden wäre.

Schuhe machen ist Schwerarbeit. Frei erzählt, dass die Arbeiter, die die Sohlen an die ersten Skischuhe, die aus Leder waren, genäht haben, eine Zulage für Schwerstarbeit bekamen und Oberarme wie Bodybuilder hatten.

Der japanische Schuhmachermeister Kazuya Kimura, der ein Praktikum bei Frei macht, zeigte, wie der Draht zum Annähen der Sohle in Japan gemacht wird. Auch wenn Frei sehr schöne Damenschuhe im Repertoire hat: Es scheint, dass Massschuhe doch eher Männersache sind.

Schuhmacher ist in der Schweiz ein Beruf, der mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis abgeschlossen wird. Die Berufsfachschule ist in Zofingen. Ein Schwerpunkt der Berufstätigkeit sind Reparaturen und kleinorthopädische Korrekturen.

Weitere Infos zu Patrick Frei: www.freischuhe.de.

Berner Oberländer

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