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Der Star war das Orchester

Am vorletzten Abend der Sommets Musicaux de Gstaad (SMG) zeigte das Londoner Aurora Orchestra, dass nicht nur einzelne Künstler Starpotenzial haben.

Orith Tempelman
In der Mozart-Interpretation von Pianist Nicholas Angelich in der Kirche Saanen konnte man die Romantik, die Klassik und den Barock fühlen. Rechts Dirigent Nicholas Collon mit dem Aurora Orchestra im Hintergrund.
In der Mozart-Interpretation von Pianist Nicholas Angelich in der Kirche Saanen konnte man die Romantik, die Klassik und den Barock fühlen. Rechts Dirigent Nicholas Collon mit dem Aurora Orchestra im Hintergrund.
Miguel Bueno (PD)

Steht ein grosser Name auf dem Konzertprogramm, fokussieren sich alle Erwartungen auf den Künstler, auf die Musikerin – ein Orchester rückt in den Hintergrund, ausserhalb des Scheinwerferlichts.

Auch in Gstaad war es nicht anders – jedenfalls zu Beginn des Abends. Die «Freunde der SMG» erwarteten mit grosser Vorfreude den Auftritt des diesjährigen Mentors Nicholas Angelich und seine Interpretation von Mozarts dramatischem 24. Klavierkonzert in c-Moll, KV 491. Und sie wurden nicht enttäuscht.

Das 24. Klavierkonzert steht in einer Moll-Tonart – selten bei Mozart – und ist ein sehr komplexes Werk. Schon im ersten Satz spürt man, wie der Komponist musikalisch in die Zukunft des 19. Jahrhunderts blickt.

Im zweiten Satz hört man, dass Mozart doch noch fest in der Klassik verankert ist und im dritten Satz wirft er einen Blick auf Bach, zurück in die Vergangenheit. Auch in der Interpretation Nicholas Angelichs konnte man die Romantik, die Klassik und den Barock fühlen.

Was sein Spiel und sein Dialog mit dem Aurora Orchestra unter der Leitung von Nicholas Collon an geballter Seelenenergie, an rigoroser Deutlichkeit, an permanenter musikalischer Hochspannung verströmte, war beeindruckend.

Ganz anders

Denkt man an Klavierwerke Mozarts erwartet man unweigerlich perlende Läufe, eine gewisse Leichtigkeit, manchmal leider auch fast spieldosenhaftes Geklimper. Angelichs Interpretation war jedoch ganz anders und vielleicht deswegen überraschend, ja gewöhnungsbedürftig.

Sein Spiel betonte die Ähnlichkeit von Mozarts 24. mit Beethovens 1. Klavierkonzert, und auch die vergleichbare sinfonische Besetzung des Orchesters in beiden Werken trug dazu bei, dass man sich zeitweilig in einem reinen Beethoven-Abend wähnte.

Beethovens Sinfonie Nr. 1 in C-Dur op. 21 im zweiten Teil des Konzertprogramms wurde zum eigentlichen Aha-Erlebnis. Die ungewöhnliche Aufstellung der Instrumente im Aurora Orchestra – die Kontrabässe hinter der 1. Violine, die Violinen beidseitig verteilt, die Celli links und die Bratschen in der Mitte – und vor allem der Umstand, dass die Musiker wie in einem kleinen Kammerensemble im Stehen und zum Teil sogar auswendig musizierten, sorgte für anfängliches Staunen, das sich aber schon nach wenigen Takten in helle Begeisterung wandelte.

Unter der Leitung von Nicholas Collon versprühten die jungen Musikerinnen und Musiker – die allermeisten, inklusive Dirigent, sind noch nicht 40-jährig – Lebensfreude pur. Ihre Musikbegeisterung und ihr leidenschaftliches Spiel machten aus ihnen den eigentlichen Star des Abends.

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