Der Mann, der James Bond persönlich kennen lernte

Markus Hartmann vom James Bond Club hat den 007-Darsteller George Lazenby einmal getroffen. Details zu dieser Begegnung verrät er im Interview.

Markus Hartmann mit George Lazenby 2015 auf dem Piz Gloria bei der Eröffnung des Walk of Fame.

Markus Hartmann mit George Lazenby 2015 auf dem Piz Gloria bei der Eröffnung des Walk of Fame.

(Bild: PD)

Herr Hartmann, der James Bond Club wird das 50-Jahr-Jubiläum von «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» feiern – obwohl er beim Publikum als schlechtester Bond-Film gilt?
Nun, das sehe ich anders. Wenn ich mich mit anderen Bond-Clubs austausche, stellt sich jeweils heraus, dass dieser Bond-Film für viele inzwischen zu einem Lieblingsfilm wurde. Er erzählt eine sehr spezielle Geschichte und geht dabei in die Tiefe. Bond ist erstmals verliebt, verheiratet, seine Frau wird erschossen. Es sind also viele romantische und tragische Elemente dabei. Vom Stoff her ist es einer der besten Bond-Filme. Interessant wäre es, wenn Connery oder Craig mitgespielt hätte…

…George Lazenby hat den Ruf als schlechtester Bond-Darsteller…
Auch das ist relativ. Lazenby hatte zuvor keine Filmerfahrung, war Fotomodell. Mit Frechheit konnte er sich den Job trotzdem angeln.

Man hört, Lazenby sei während der Dreharbeiten alles andere als umgänglich gewesen.
Das zu beurteilen, ist schwierig. Ich hatte bei der Feier auf dem Schilthorn Gelegenheit, mit einigen der damaligen Bond-Girls zu sprechen – und sie äusserten sich eigentlich durchgehend sehr positiv über ihn. Umgekehrt lebte man damals in freizügigen Zeiten und Lazenby liess bekanntlich nichts anbrennen…

Warum hat Lazenby den Bond kein zweites Mal gespielt?
Er hat mal erklärt, ein Angebot für weitere Folgen erhalten zu haben. Aber sein Berater, eine Art Manager, habe ihm geraten, abzuspringen und sich nicht auf eine Rolle festlegen zu lassen.

Sie haben Lazenby persönlich kennen gelernt – wie verbittert oder blasiert ist er?
Von beidem ein bisschen. Als ich ihn mal fragte, ob er je auf das Schilthorn zurückkehren würde, war sein Antwort «It depends», womit die Gage gemeint war. Später informierte mich Schilthornbahn-Direktor Christoph Egger über die Bond World und seinen Wunsch, Lazenby zur Eröffnung einzuladen. Ich durfte daraufhin die Verhandlungen führen. Als Lazenby schliesslich auf dem Piz Gloria grandios aus dem Helikopter stieg und viel Applaus erntete, meinte er lediglich «I know, I know» und schlüpfte wieder in die Rolle des unwiderstehlichen Bond. Das war zuerst recht amüsant, wurde dann aber eher lästig.

Alle anderen Bond-Darsteller waren oder wurden Weltstars – warum Lazenby nicht?
Eigentlich war er ein tragischer Fall, er schlug durch seine Art selber viele Türen zu. Es hätte auch anders kommen können. Lazenby beherrschte Kampfsportarten und plante bereits Filme mit Bruce Lee, aber dieser verstarb kurz drauf.

Auch nach zwei Dutzend Filmen spricht man immer noch vom Bond-Mythos – wie kann man dieses Phänomen erklären?
Das haben schon viele versucht, es gibt mehrere Bücher darüber. Ein Grund ist, dass die Bond-Filme immer auf aktuelle Begebenheiten Bezug nehmen. Witzige Gadgets, schnelle Autos, schöne Frauen, exotische Drehorte: Diese goldene Formel bewährt sich nun schon seit über 50 Jahren.

Aber «Mission Impossible» und andere Filmserien bieten doch sogar noch mehr Action…
Ja, und diese Filme sehe ich ebenfalls sehr gerne und ich schätze die Abwechslung. Sie sind jedoch keine Konkurrenz, sondern bereichernde Ergänzung.

Eine grosse Rolle spielt wohl auch das technische Handwerk, denn Bond-Filme verzichten möglichst weitgehend auf computergenerierte Action…
Ja, das ist ein Riesenunterschied. Das Publikum wird nicht für dumm verkauft. Es gibt kurze Szenen, die monatelang vorbereitet werden. Selbstverständlich setzt das aber ein entsprechend grosses Budget voraus.

Und welches ist warum Ihre Lieblingsszene in «Im Geheimdienst Ihrer Majestät»?
Die Verfolgungsjagd auf Skiern mit John Barrys bombastischem Orchestersound – das ist Kino pur, da passt einfach alles und sorgt für Gänsehaut.

Zurück zum Bond Club Schweiz: Wer darf Mitglied werden?
Jede und jeder. Unser jüngstes Mitglied ist 16-jährig, unser ältestes 86-jährig, insgesamt sind es 225 Mitglieder aus elf Ländern. Wir sind mit Jahrgang 1996 der älteste aktive James-Bond-Club der Welt.

Infos:www.jamesbondclub.ch

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