Der Mann, der James Bond ins Oberland brachte

Fröhlich, Hubert Fröhlich, war ein deutscher Produktionsleiter. Er entdeckte das Schilthorn als Bond-Drehort – nachdem er zuvor halb Europa abgeklappert hatte.

Hubert Fröhlich schlug das Schilthorn als Piz Gloria vor und trug damit wesentlich zum Bau der Bahn und des Dreh­restaurants bei.

Hubert Fröhlich schlug das Schilthorn als Piz Gloria vor und trug damit wesentlich zum Bau der Bahn und des Dreh­restaurants bei.

(Bild: Alex Karlen)

Wenn Hubert Fröhlich auf der Terrasse des Mürrner Hotels Abendruh – er wohnte gleich daneben – von sich erzählte, zog er einen sofort in seinen Bann. Die Rede war dann von berühmten Stars, die seine Bekannten oder gar Freunde waren, und Filmen, an denen er mitgewirkt hatte.

Angesichts seiner überaus erfolgreichen Karriere bei Film und Fernsehen hatte es der deutsche Produktionsleiter nie nötig zu übertreiben. Im Gegenteil: Hubert Fröhlich blieb bescheiden. Er war, was man eine grosse Persönlichkeit nennt. Und er war der Mann, der James Bond aufs Schilthorn brachte. Gewissermassen in letzter Minute.

Am letzten Tag

Drei Wochen schon war Hubert Fröhlich in ganz Europa auf der Suche nach einem geeigneten Drehort für das geplante Bond-Spektakel «Im Geheimdienst Ihrer Majestät». Gesucht war ein Gipfel, wie ihn sich Autor Ian Fleming als Piz Gloria, die Festung von Bösewicht Blofeld, vorgestellt hatte.

Nun, die Geschichte gehört schon fast zum Allgemeinwissen: Am letzten Tag seiner limitierten Suche kam Fröhlich nach Grindelwald ins Hotel Adler, klagte dem Concierge sein Problem – und wurde erhört, denn der Concierge empfahl ihm das Schilthorn, das in der Folge seine wegen Geldmangel unterbrochenen Bauarbeiten auf dem Gipfel beenden konnte.

Damit hatte Hubert Fröhlich das Glück des Tüchtigen. Verdient hatte er es sich mit seinem aussergewöhnlichen Organisationstalent, seiner ansteckenden Kontaktfreude, seinem nie versiegenden Optimismus. Und seiner Erfahrung, denn Fröhlich war schon Jahre vor seinem Bond-Job ein gefragter Produktionsleiter in europäischen wie amerikanischen Filmen.

Blockbusters und Freunde

Hubert Fröhlichs Werkliste enthält fast nur Blockbuster. Unter anderem stand er im Einsatz für «Die glorreichen Sieben», «West Side Story», «Der längste Tag», «Gesprengte Ketten» (den er auch Jahre später noch als «meinen Lieblingsfilm» bezeichnete), «Der Adler ist gelandet», «Papillon», «Le Mans», aber auch «Tschitti Tschitti Bäng Bäng» sowie sämtliche Jerry-Cotton- und Beatles-Filme.

Ebenso zahlreich und eindrücklich sind die Freundschaften, die aus der Zusammenarbeit am Filmset entstanden. «Meinen besten Freund» nannte Fröhlich den damals grossen Hollywoodstar Steve McQueen. Engen Kontakt pflegte er beispielsweise auch mit Charles Bronson und Regisseur John Sturges («mein Mentor»).

Fröhlichkeit an der Front

«Ich bin nie ein Büromensch gewesen, sondern gehe lieber an die Front – schliesslich werden Kriege an der Front gewonnen», sagte Hubert Fröhlich. Menschliche und technische Schwierigkeiten waren ihm spannende Herausforderungen: «Je komplizierter, je faszinierender für mich.»

Dabei machte er seinem Nachnamen immer alle Ehre. Wer das Glück hatte, ihn kennen zu lernen, schwärmte von seiner Fröhlichkeit, seiner Freundlichkeit, seiner Eloquenz, seiner Weltgewandtheit.

76-jährig, am 22. Juli 2005, starb Hubert Fröhlich. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Lauterbrunnen. In der Gemeinde, die ihm so viel zu ­verdanken hat.

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