Der letzte Berufsfischer am Brienzersee

Iseltwald

Seit letztem Jahr setzt Berufsfischer Beat Abegglen seine Netze wieder im Brienzersee. Nicht nur die Felchenerträge, auch die Schäden an den Netzen durch Angelhaken haben zugenommen.

Um andere Seenutzer in der Dämmerung frühzeitig auf die Netze aufmerksam zu machen, markiert sie der Berufsfischer zusätzlich mit einer Fahne.

Um andere Seenutzer in der Dämmerung frühzeitig auf die Netze aufmerksam zu machen, markiert sie der Berufsfischer zusätzlich mit einer Fahne.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Kurz vor 5 Uhr früh wirft Beat Abegglen seinen Aussenbordmotor an und fährt los. Es ist noch stockdunkel, aber feine Lichterketten zeigen den Verlauf von Strassen und Ortschaften am gegenüberliegenden, dichter besiedelten Ufer.

«Und dort vor Ebligen sind meine Netze», sagt der Berufsfischer und zeigt auf das einzelne Licht, das quer über den halben See bis Iseltwald zu sehen ist: die Laterne, die als Markierung auf der 900 Meter langen Reihe von Schwebnetzen angebracht ist.

Bald ist die «Pinte», die das erste Netz tragen hilft, erreicht. Der Fischer schaltet den Scheinwerfer ein und zieht ein Netz nach dem anderen aus dem Wasser. Alle paar Meter holt er einen Fisch aus dem Wasser, betäubt ihn vorschriftsgemäss und löst ihn dann aus den Maschen.

Er arbeitet ruhig, aber zügig, jeder Griff sitzt. Als die Sonne aufgeht, liegen alle Netze ordentlich zusammengelegt links im Boot, dahinter sauber verpackt die rot-weissen «Körk» – die Schwimmer –, die Laterne und die Fahne, welche die Position der Netze bei Nacht und bei Tag gut sichtbar markierten.

Solche Haken hat Beat Abegglen vor kurzem in einem seiner Netze ­gefunden – nicht der erste «Fang» dieser Art. (Foto: Sibylle Hunziker)

Rechts im Boot stehen drei Kisten, in denen zwischen Eislagen drei Seeforellen und vor allem viele grosse Felchen silbern glänzen. Beat Abegglen nimmt Kurs auf Iseltwald, wo seine Frau Elsbeth schon alles vorbereitet hat, damit sie den Fang unverzüglich verarbeiten können.

Haken im Netz

Schäden an den Netzen gibt es diesmal nicht – anders als Anfang Woche, als sich wieder einmal eine Reihe Angelhaken samt Schnur in den Maschen verhedderten. Abegglen zeigt die Haken vor seinem Bootshaus zwei Angelfischern, die Fisch für eine Festwirtschaft einkaufen.

«Das ist ein System dazu, mit toten Köderfischen zu angeln», erklären sie. Die brauche man, um vom Boot aus grössere Fische – im Brienzersee vor allem Seeforellen – zu fangen. Mit einem Schleppmast und einer «Seehund»-Schnur können etliche Köder mit solchen Angeln Dutzende Meter vom Boot weggespannt werden, sodass die Fische nicht vom Lärm und Schatten des Schiffs verscheucht werden.

«Es hilft alles nichts, man muss einfach schauen, was auf dem See geht.»Beat Abegglen

Das entspricht auch der Beobachtung des Berufsfischers. «Die Angelfischer, die solche Geräte brauchen, werden wohl stark von den Angeln in Anspruch genommen, die sie hinter ihrem Boot herschleppen, und sehen deshalb manchmal nicht, wohin sie fahren», vermutet er.

Jedenfalls sei es seit letztem Sommer öfter vorgekommen, dass seine teuren Netze überfahren und von Angeln zerrissen worden seien – und bisweilen auch seine Hände. Denn beim Licht des Scheinwerfers sind die Haken im Netz oft nur schlecht zu erkennen.

Überraschte Angelfischer

Einzelne Vorfälle konnte Abegglen direkt beobachten und suchte dann das Gespräch mit den Angelfischern. «Einer sagte, er habe gedacht, es gebe keine Berufs­fischer mehr am Brienzersee.»

Tatsächlich hat Beat Abegglen in den Jahren, in denen er im Brienzersee kaum mehr Felchen fangen konnte, vermehrt auf dem Thunersee gefischt, für den er ebenfalls ein Patent besitzt. Aber nun fische er schon wieder längere Zeit auf dem Brienzersee – mit ordentlich markierten Netzen.

«Tatsächlich scheint es sich in letzter Zeit zumindest bei den einheimischen Angelfischern herumgesprochen zu haben.» Manche riefen nun an, um zu fragen, wo seine Netze seien. Aber nur die rot-weiss, weiss und blau markierten Grundnetze bleiben stationär.

Mit denen werden vor allem in der kälteren Jahreszeit Felchen, Saiblingen und Egli im ufernahen Bereich gefischt. Schwebnetze werden abends ausgelegt und können über Nacht mit der Strömung weit treiben. Abegglen: «Es hilft alles nichts, man muss einfach schauen, was auf dem See geht.»

Doch das werde durch eine ganz neue Entwicklung erschwert. «Seit einiger Zeit fangen die Angelfischer offenbar weniger Seeforellen am Brienzersee; nun ­haben einige mit der Schleppfischerei bei Nacht begonnen.»

Tatsächlich erlaubt die Verordnung über die Fischerei auf den Berner Seen während der Sommerzeit die Angelfischerei von 5 bis 24 Uhr. «Doch diese Bestimmung ist wohl auf das Fangen von Welsen und ähnlichen Fischen ausgerichtet, für die man stationär bleibt», meint Abegglen.

«Und im Bielersee, wo die Netze fest verankert sind, oder im Thunersee, wo es viel mehr Netze gibt, kommt es den Angelfischern wohl auch gar nicht in den Sinn, bei Nacht Schleppfischerei zu betreiben.»

Aufeinander schauen

Abegglen findet es sinnvoll, den See vor der Haustür zu nutzen. «Fisch ist ein wertvolles Lebensmittel; und hier haben wir es in der Hand, die Gewässer nachhaltig zu nutzen und die Fische nicht unnötig leiden zu lassen.»

Berufs- und Angelfischer müssen sich dabei nicht in die Quere kommen. «Aber wenn ich auf dem See bin, muss ich auf all die anderen Seebenutzer achtgeben, die mit oder ohne Boot auf und im Wasser unterwegs sind. Und das erwarte ich auch von jedem anderen Bootsführer und Fischer.»

Berner Zeitung

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