Den Sternenhimmel lesen

Wilderswil

Die Erforschung der Sterne ist eine Sache für Astronomen, Physiker und Mathematiker – aber nicht nur. In seinem kommenden Volkshochschulkurs zeigt Heinz Hofer, wie man Sternbilder auch ohne theoretische Kenntnisse verstehen kann.

Heinz Hofer im Estrich der Schule Wilderswil, wo eine Klasse von 1995 bis 2001 ein Planetarium gebaut hat.

Heinz Hofer im Estrich der Schule Wilderswil, wo eine Klasse von 1995 bis 2001 ein Planetarium gebaut hat.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Beruflich entwickelt Heinz Hofer an der Pädagogischen Hochschule Bern Konzepte für Astronomie, Naturwissenschaften und Informatik. Wenn er jetzt aber einen Volkshochschulkurs über Sternbilder und andere Phänomene des Nachthimmels gibt, muss Theorie überhaupt nicht sein.

«Viele Leute sind fasziniert vom Sternenhimmel, der im Berner Oberland an manchen Orten noch besonders schön leuchtet», sagt der Wilderswiler. «Aber oft trauen sie sich dann nicht an die Astronomie, weil sie meinen, es sei zu kompliziert.»

Mit seinem Kurs im November und im Januar will Hofer nun ­zeigen, wie sich jedermann recht schnell mit Sternbildern zurechtfindet oder wie die alten Seefahrer mit einer Sternkarte umgegangen sind.

Geschichten am Nachthimmel

Für den Einstieg ins Thema braucht Hofer Geschichten. Geschichten gibt es am Sternenhimmel überall. Etwa über das Sternbild Pegasus, das geflügelte Pferd aus der griechischen Mythologie. Oder über den Andromedanebel, der von der Erde aus als kleines Anhängsel des Pegasus erscheint.

Tatsächlich aber ist es eine andere Galaxie. «Das Licht, das wir heute sehen, war mehr als zwei Millionen Jahre unterwegs», sagt Hofer. Er mag die Vorstellung, dass Sterne eigentlich auch Zeitmaschinen sind, die den Beobachter durch die Geschichte des Universums tragen.

«Geschichten mit einem Bezug zu dem, was wir draussen in der Natur finden, helfen uns, Beobachtungen und Erfahrungen in einen Zusammenhang zu bringen. Und sie sprechen uns auch emotional an», weiss Hofer aus eigener Erfahrung.

Sternkunde fasziniert ihn, seit er in der Primarschule einen Lehrer hatte, der die Kinder für den Sternenhimmel und die Naturbeobachtung überhaupt zu begeistern vermochte. Später wurde Heinz Hofer Klimaphysiker, Lehrer und schliesslich Hochschullehrer mit der Vermittlung von Naturkunde und Technik als Spezialgebiet. Die Sterne und andere Naturphänomene am Nachthimmel haben ihn nie losgelassen.

Nordlichter und Sternbilder

Deswegen ist er mit seiner Frau immer wieder den Nordlichtern nachgereist. Und mit derselben Begeisterung hat er in den letzten Monaten auch den Sternenhimmel über dem Thunersee fotografiert. Die Fotos dokumentieren den Saturn im Schützen und den Lauf der Frühlings-, Sommer-und Herbst-Sternbilder – eine Vorbereitung auf den Volkshochschulkurs.

«Den Rest der Bewegung der Sternbilder werden wir an den Kursabenden gemeinsam verfolgen», verspricht Hofer. Der Saturn ist der wohl faszinierendste Planet, den man an schönen Novemberabenden mit freier Sicht nach Westen noch knapp über dem Horizont beobachten kann.

Für Phänomene, die vom Neuhaus aus nicht zu sehen sind, wird der Kurs in den Estrich der Schule Wilderswil verlegt. Dort hat eine Klasse, die Heinz Hofer damals im Werken unterrichtete, von 1995 bis 2001 ein Planetarium gebaut.

«Nach einem Besuch des Schweizer Astronauten Claude Nicollier in der vierten Klasse begannen die Schülerinnen und Schüler mit dem Projekt und liessen trotz allen Schwierigkeiten mit der Materialbearbeitung, der Informatik und der Elektronik nie locker, bis sie fünf Jahre später fertig wurden», erinnert sich Hofer. Was er damals über Kinder gelernt hat, lässt ihn heute noch staunen. Mindestens so, wie der Andromedanebel.

Kursdaten: 22. 11. 2017, 17.30– 19.30 Uhr, 29. 11. 2017, 19–21 Uhr, am Thunersee in Unterseen (Restaurant Neuhaus und Umgebung). 17. und 24. 1. 2018, je 19–21 Uhr, Schule Wilderswil. Weitere Infos und Anmeldung: Volkshochschule Interlaken und Umgebung, Tel. 033 826 02 90, info@vhs-interlaken.ch.

Berner Zeitung

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