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«Das Schilthorn ist und bleibt ein Bond-Berg»

Schilthorn-Direktor Christoph Egger hofft, im Frühling einen konkreten Zeitplan für das Projekt Schilthornbahn 20XX vorzulegen. Weiter erklärt er, weshalb man nicht weiter ums Förderband auf Birg streiten will.

Das 2970 Meter hohe Schilthorn mit dem Drehrestaurant Piz Gloria.
Das 2970 Meter hohe Schilthorn mit dem Drehrestaurant Piz Gloria.
Markus Zimmermann

Das Projekt Schilthornbahn 20XX enthält mehr oder minder den Neubau der Bahnen. Wann ersetzten Sie die beiden X durch eine konkrete Jahreszahl?

Wenn alles nach Plan läuft diesen Frühling, wenn das Plangenehmigungsverfahren so weit fortgeschritten ist, dass ein konkreter Zeitplan aufgestellt werden kann.

Erwarten Sie Widerstand?

Wir sind recht zuversichtlich, was das Verfahren angeht. Schon als wir das Projekt im September 2018 vorstellten, gab es kaum negative Rückmeldungen. Und dass die Überbauungsordnung an der letzten Lauterbrunner Gemeindeversammlung ohne Diskussion einstimmig angenommen wurde, ist ein starkes Zeichen. Auch las ich bis jetzt keinen negativen Leserbrief zum Projekt.

Also gibt es keine negativen Stimmen?

Doch vereinzelt.

Wo?

In Mürren, bei Stammgästen, welche den Ort so bewahren möchten, wie sie ihn in den 60er-Jahren kennen gelernt haben.

Andernorts tat man sich mit Grossprojekten schwerer.

Das stimmt. Aber man muss auch sehen, dass es sich hier ja nicht um eine neue Bahn mit neuer Linienführung handelt. Wir operieren in den gleichen Parametern wie die bisherige Schilthornbahn.

James Bond und die Schilthornbahn gehören auch weiterhin zusammen, ist Direktor Christoph Egger überzeugt. Foto: Bruno Petroni
James Bond und die Schilthornbahn gehören auch weiterhin zusammen, ist Direktor Christoph Egger überzeugt. Foto: Bruno Petroni

Was war der Auslöser für das Projekt 20XX?

Wir stellen jeweils auf zehn Jahre einen Finanzplan auf. Dieser zeigte, dass Ende 2024 grössere Investitionen an der Luftseilbahn fällig gewesen wären. Die Stationen Birg und Schilthorn und die Stützen und Tragseile dazwischen hätten saniert respektive ersetzt werden müssen und auch die Kabinen wären am Ende ihrer Lebensdauer gewesen. Es war also der richtige Zeitpunkt, um das heutige Bahnsystem zu hinterfragen. Um sicherzustellen, dass die Schilthornbahn auch für die nächsten fünfzig Jahre gut aufgestellt ist. Gemeinsam mit dem Verwaltungsrat erarbeiteten wir 2016 einen Anforderungskatalog. Diesen nutzten dann externe Planer als Grundlage für das Projekt.

«Das Förderband Birg hat für uns im Moment nicht oberste Priorität. Entsprechend verzichteten wir darauf, weiter um das Förderband zu streiten.»

Christoph Egger Direktor Schilthornbahn AG

Wie sah dieser Anforderungskatalog aus?

Wir wollten eine moderate Kapazitätserhöhung von heute 600 Personen pro Stunde auf 800 bis 900. Zum Vergleich: die alte Männlichenbahn hatte eine Kapazität von 900 Personen pro Stunde

Weshalb nicht mehr?

Das wäre zu viel. Man muss die Platzverhältnisse etwa auf dem Schilthorn bedenken: Wenn wir mehr Personen auf den Berg befördern, überläuft dieser.

Was waren die weiteren Anforderungen? Zeitersparnis?

Eine verkürzte Reisezeit stand weniger im Zentrum. Wichtiger ist uns der Gästekomfort – also mehr Platz pro Gast, aber auch weniger Umsteigen. Auch der Gepäcktransport soll verbessert werden, sodass das Gepäck gleichzeitig mit dem Gast ankommt.

Zurzeit sind viele Bahnprojekte aktuell – die V-Bahn, aber auch am Titlis, am Pilatus und an der Rigi. Zufall?

Jein. Die Projekte stehen in keinem Zusammenhang, aber viele Bahnen wurden zeitgleich in der Pionierphase Ende der 60er-Jahre erbaut, dann stehen auch im gleichen Zeitraum Erneuerungen an.

Zahlreiche Touristen reisen wegen James Bond aufs Schilthorn. Foto: Christoph Buchs.
Zahlreiche Touristen reisen wegen James Bond aufs Schilthorn. Foto: Christoph Buchs.

Kommt es da nicht zu Problemen mit den Zulieferern – Garaventa kann ja schliesslich nicht x-beliebig viele Gondeln bauen?

Das ist kein Problem. Die Projekte nehmen ja jeweils eine sehr lange Planungszeit in Anspruch. Entsprechend lang ist der Vorlauf für Zulieferer.

Zuletzt hatten Sie mit Bauprojekten nicht immer Glück. Das Förderband auf Birg mussten sie wieder abreissen. Ist das Projekt nun beerdigt?

Das Förderband Birg hat für uns im Moment nicht oberste Priorität. Wir konzentrieren uns ganz auf Schilthornbahn 20XX. Entsprechend verzichteten wir darauf, weiter um das Förderband zu streiten.

Es ist also vom Tisch?

Ein touristisches Erlebnis ist nie fertig gebaut. Die Bedürfnisse der Gäste ändern sich. Wenn also Schilthornbahn 20XX realisiert ist, wenden wir uns neuen Projekten zu. Dann werden wir die Lage und die Bedürfnisse neu analysieren. Es ist klar, auf dem Schilthorngipfel gibt es kaum Platz für einen Ausbau. Auf Birg schon. Ob aber dann ein Förderband noch Sinn macht oder etwas ganz anderes, kann ich heute nicht sagen.

Auch gegen das Projekt eines Schneedepots im Engital gab es Widerstand. Wie ist der Stand?

Hier war die rechtliche Grundlage nicht ganz klar. Nun hat es sich gezeigt, dass es für dieses Vorhaben eine Überbauungsordnung braucht. Diesen Weg gehen wir nun.

Wie sinnvoll sind Investitionen in den Wintersport noch? Rentiert sich dieser überhaupt noch?

Es ist sicher richtig, dass der Wintersportmarkt eher schrumpft und ein Verdrängungskampf im Gang ist. Aber die Jungfrauregion wird dabei sicher nicht als Erstes unter die Räder kommen. Und das Schilthorn als höchstes Skigebiet im Berner Oberland ist grundsätzlich gut aufgestellt. Aber wir dürfen uns nicht ausruhen.

Was für Rezepte sehen Sie?

Das Erlebnis am Berg zum Beispiel ist nicht nur im Sommer wichtig. Auch ein Skifahrer kann die Bond World oder den Thrill Walk besuchen. So können wir einen Mehrwert bieten.

Aber wäre es nicht wirtschaftlicher, sich den aufwendigen Wintersport mit der teuren Beschneiung zu schenken und die Bahn nur im Sommer zu betreiben?

Nein, das ginge nicht auf. So könnten wir etwa unseren Mitarbeitern keine Ganzjahresanstellung bieten, das heisst die Personalsuche würde noch schwieriger. Und auch die ungenutzte Infrastruktur würde Kosten verursachen. Die Schilthornbahn ist ja nicht einfach ein reiner Bahnbetrieb.

Sondern?

Die vollständige Servicekette war schon immer Teil der Schilthornbahn. Wir betreiben die Gastronomie auf Schilthorn und Birg selbst, da diese für das Erlebnis sehr wichtig ist. Wir betreiben in allen Stationen eigene Souvenirshops. Weiter führen wir auch das Hotel Alpenruh, und kürzlich haben wir das Hotel Blumenthal übernommen.

Weshalb?

Für uns ist es wichtig, dass es Mürren gut geht. Entsprechend sind wir bereit zu investieren. Natürlich ist es uns lieber, wenn Private die Initiative übernehmen.

Wie etwas beim Palace?

Genau. Das ist ein gutes Beispiel, wo Leute, denen Mürren ebenfalls am Herzen liegt, sich engagieren. Das ist der Idealfall.

Wie ist eigentlich das Verhältnis Mürren?-?Schilthornbahn?

Mürren ist eine Perle in den Alpen und für uns sehr wichtig. Der Ort und auch Gimmelwald werden aufgrund ihrer Authentizität von unseren Gästen als Ausflugsziele hoch geschätzt.

Als es um die Schliessung der Schule in Mürren ging, hat sich auch die Schilthornbahn zu Wort gemeldet.

Wir nehmen normalerweise nicht zu lokalpolitischen Fragen Stellung. Das war und muss eine Ausnahme sein. Aber für uns als Arbeitgeber ist es wichtig, dass unsere Angestellten gute Lebensbedingungen vorfinden. Dass es sich für sie lohnt, mit der Familie hierherzuziehen. Aber es wird sicher nicht alltäglich, dass wir uns in die Politik einmischen.

Die Schilthornbahn verdankt James Bond viel. Aber zuletzt wurden Skiszenen in Österreich und nicht mehr der Schweiz gedreht. Das liege auch an der mangelnden Förderung durch die öffentliche Hand. Stimmt das?

Konkret kann ich das nicht beurteilen, weil wir uns schon länger nicht mehr um einen Dreh bemüht haben. Aber der Fall Sölden zeigt klar, dass ohne Unterstützung der öffentlichen Hand ein solcher Dreh nicht durchführbar ist. Da muss viel Geld in die Hand genommen werden.

Was wäre Ihnen lieber: Das ein neuer James Bond am Schilthorn gedreht würde oder ein anderer Film?

So viele Filmreihen gibt es nicht, die mit James Bond zu vergleichen wären. Am ehesten «Star Wars» mit seiner weltweiten Fanbasis. Aber das würde wohl nicht zu uns passen. Wenn wir die Leute befragen, was sie mit dem Schilthorn verbinden, nennen 95 Prozent James Bond und 85 Prozent das Panorama. Das Schilthorn ist und bleibt also ein Bond-Berg.

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