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Das Räucherstäbchen muss es gewesen sein

Der Brand, der im Mai 2017 in einem Brienzersee-Dorf ein Haus zerstört hat, war die Folge einer Fahrlässigkeit. Das Gericht hat am Donnerstag den Verursacher verurteilt.

Waren es die Räucherstäbchen? (Symbolbild)
Waren es die Räucherstäbchen? (Symbolbild)
Keystone

Höflich, leise, nachdenklich: Der gut dreissigjährige Mann, der am Donnerstag vor Gericht stand, war alles andere als ein Rowdy. Er findet sich, auch Wegen einer unglücklichen Kindheit und psychischer Probleme, im Leben noch nicht ganz zurecht und lebt von Sozialhilfe.

2017 wohnte er allein. In einem älteren Oberländer Haus an der Hauptstrasse eines Brienzersee-Dorfes. «Ein Umfeld mit vielen möglichen Brandquellen», sagte Stefan Schmutz, sein amtlicher Verteidiger, am Donnerstag vor Gericht. Er erwähnte, dass es Nagetiere in den Wänden und Böden gegeben habe und eine selbst gebastelte Lampe, einen Pelletofen, eine Gasheizung fürs Warmwasser und elektronische Geräte.

Im Mai 2017 brannte das Mehrfamilienhaus lichterloh. Die Brandquelle, das teilte die Kantonspolizei bereits im August 2017 mit, war ein «unvorsichtiger Umgang mit Räucherstäbchen».

«Alles war kalt»

Damals hat die Staatsanwaltschaft Berner Oberland den Angeklagten wegen fahrlässigen Verursachens einer Feuersbrunst zu einer Geldstrafe von 48 Tagessätzen und einer Verbindungsbusse von 600 Franken verurteilt. Er hat dagegen Einsprache erhoben. Er hat nach dem Brand bei der Polizei von sich aus ausgesagt, dass er am Unglückstag auf seinem kleinen «Schrein» eine Kerze in einem Plastikbehälter und ein Räuberstäbchen angezündet hat.

Am Donnerstag vor Gericht bestätigte er grundsätzlich den Sachverhalt. Das Räucherstäbchen und seine Asche habe er berührt, und sie seien kalt gewesen, als er sie in eine Holzschachtel gelegt habe. Diese habe er zuerst auf einen Tisch gestellt, und erst später beim Aufräumen auf sein Matratzenbett.

Die Kerze sei ebenfalls kalt gewesen, das Wachs vollständig aufgebraucht. «Ich habe viel nachgedacht, Kerze und Räuberstäbchen waren vollständig erloschen und kalt», sagte er. Sicher ist, dass alles auf dem Bett liegen geblieben ist, als er das Haus verliess.

Alles verbrannt

Spuren der betreffenden Gegenstände gab es nach dem Brand keine mehr. Klar steht gemäss dem Bericht des Branddezernats fest, dass die Brandkernzone im Boden unter der Matratze lokalisiert werden konnte. Des Weiteren ist der Bericht eher vorsichtig formuliert: Kerze und vor allem das Räucherstäbchen stünden als Brandursache im Vordergrund.

Gerichtspräsidentin Eveline Salzmann hat noch einen Zusatzbericht eingeholt. Als Möglichkeit ist danach auch denkbar, dass ein Stückchen Räucherstäbchenglut sich in Spänen der nicht ganz so sorgfältig geschnitzten Holzschachtel eingenistet hat.

Der Verteidiger schloss, dass der Bericht keinen eindeutigen Beweis beinhalte, und dies bedeute, dass der Mann nach dem Grundsatz «im Zweifelsfall für den Angeklagten» freigesprochen werden müsse.

Die Gerichtspräsidentin hingegen entschied, dass es wohl einen theoretischen Zweifel am Sachverhalt gebe, dieser genüge aber nicht. «Ich habe keinen erheblichen Zweifel», sagte sie. Der ursprüngliche Brandherd unter der Matratze stehe fest, und im Ausschlussverfahren kämen andere Brandursachen wie Fremdeinwirkung, Tiere, elektrische und elektronische Geräte nicht infrage.

Das Strafmass setzte sie leicht herab, weil der Mann während der Untersuchung von sich aus von Kerze und Räucherstäbchen erzählt hat. Er hat beim Brand all seinen Besitz verloren. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen, aber der Sachschaden ist gross.

Das Strafmass ist eine Geldbusse von 55 Tagen. 44 Tage davon sind bedingt ausgesprochen, 11 als Verbindungs­busse unbedingt. Dazu kommen noch 100 Franken Busse wegen Besitz von Haschisch und die Verfahrenskosten. Das Urteil wird auch der Gebäudeversicherung eröffnet.

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