Das Manndli stieg vom Harder

Die Harderpotschete in Rameli (Interlaken) und Troja (Unterseen) am «Nüüjahrsmondrischt» lockte viele Tausend Zuschauer an.

  • loading indicator

Chrisidick steht das Publikum am Strassenrand. Gemessenen Schrittes flanieren das Hardermanndli und sein Wybli mit den beiden Harderzwergen vorbei. Sie sind begleitet von Trychlern und Trommlern und der Guggemusig Bödeli-Rasselbande. Die Harderpotschen – wilde Gesellen! – brechen aus dem Zug aus, lehren die Zuschauer das Fürchten und lassen Meitscheni kreischen.

Von den Kinderpotscheni mit ihren aus Naturmaterialien selbst gebastelten Masken trauen dem Geschehen noch nicht alle. Sie sind um eine fürsorgliche Vater- oder Mutterhand ganz froh. Ganz anders die Waldhexen aus Siebnen (Schwyz). Sie sind nach zehn Jahren wieder zu Gast und jagen in «Holzböde» und Besen wild über den Asphalt. Der Landvogt dagegen fährt vornehm in der Kutsche und verteilt wohltätig das Gutjahrsbrot.

Die Harderpotschete in der jetzigen Form gibt es erst seit 62 Jahren. Vorher waren jeweils am 2. Jänner Chlummlerpotschi unterwegs. Unorganisiert. Mit «Süüplateren» wurde dreingeschlagen, mit «Knallfixern» geschossen. Dem wilden Treiben, das immer mehr ausartete, setzten dann die Chrämer und Beizer an der Marktgasse ein Ende und riefen die Harderpotscheta ins Leben.

Gustav Ritschard beschreibt das in seinem Bödelli­tüütsch-Buech so: «Die alte Brüüch vo Chlummlere u ds Hardermanndli us der Saag hei si verbundhäägled u Nüüs, quasi als Suppegrüöns für das, wa d Lüüt hüttigstags wie gse, dry verrüörd. Sie hei ds Gschpüri gchäbe, für e aalta Bruuh in die nüüi Zyt z uberfüöre, für ne, wie mmu hüt seid, attraktiv z gschalte u Nutze druus z zie.»

Der Umzug der Harderpotschen führte durch die Marktgasse Interlaken zum Stadthausplatz Unterseen, weiter zum Räuberegge und über die beiden Bahnhofstrassen zur Nobelherberge am Höheweg. Dann gings durch die Harderstrasse zurück auf den Marktplatz, wo die Holzmasken – von Meisterhand geschnitzt – vorgestellt wurden und bei Füürwehr-Bouillon und andern wärmenden Flüssigkeiten gefeiert wurde. Auf dem hohen Wagen sorgten erstmals seit Jahrzehnten nicht mehr «d Laferiga» Pedro Hubacher und Beat Has­senstein für Stimmung. Roman Imboden und Gerhard Zobrist debutierten als ihre Nachfolger.

Seit 42 Jahren erscheint am «Nüüjahrsmondrischt» der «2.-Jänner-Knacker», eine humoristisch-satirische Brattig. In ihr wird – vornehmlich in holprigen Versen – berichtet, was etwa jahraus, jahrein in Rameli, in Troja und Kuhplatten, in Oberbödelingen , Wildweschtwil, Gipsingen und andern Kommunen zu reden gab oder «lätz» herauskam oder gar nicht publik werden dürfte. Sollte etwa eine Leserin oder ein Leser der Meinung sein, dies oder das, wer mit wem was wann und so weiter, hätte auch in die Brattig gehört, müssen sie beachten, dass die Redaktion lieber in die Ferien verreist, als sich vor Gericht zu rechtfertigen. Übrigens: Die Brattig sucht einen «Scheffredaktor».

Vom Kinderfest zum Potsche-Mälti: Die Kinderpotscheni amüsierten sich ab 15 Uhr an ihrem Fest im Hotel Metropole. Gleichzeitig stieg im Restaurant OX am Marktplatz eine Potschete-Party. Trychler und Potschen starten zum Beizencher. Die Stedtli-Schillermusig spielte auf und die Rasselbande. Der glühende Wein floss in Strömen.

Die Organisatoren des Events, die Mitglieder des Harderpotschete-Vereins Interlaken, und ihre Gäste kamen am Abend im City Hotel Oberland unter dem Motto «Mier gö no lang nid hei» zum obligaten ­Potsche-Mälti zusammen. Am «Nüüjahrsmondrischt» 2019 wird man sich wieder zur Harderpotscheta treffen. «Geng wie geng.»

Berner Oberländer

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt