Das grosse Mitleiden der Lenker Hählen-Fans

Am Dienstag startete die Lenkerin Joana Hählen in St. Moritz zu ihrem ersten WM-Abenteuer, dem Super-G. In ihrem Heimatdorf trafen sich Einheimische und Skigäste aus dem Mittelland zum gemeinsamen Mitfiebern.

Angespannte Blicke Richtung TV: Walter Brunner (l.), Wirt Sämu Kappeler (r.), Oli und Gioia Bärtschi (Mitte) verfolgen den Start von Joana Hählen.

Angespannte Blicke Richtung TV: Walter Brunner (l.), Wirt Sämu Kappeler (r.), Oli und Gioia Bärtschi (Mitte) verfolgen den Start von Joana Hählen. Bild: Bruno Petroni

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Ob der Tisch dort unmittelbar vor dem Bildschirm denn frei sei, will Oli ­Bärtschi von Michael Jenni, dem Betriebsleiter des Gasthofs ­Hirschen, wissen. Pünktlich um 11 Uhr setzt er sich gemeinsam mit seiner Nichte Gioia in voller Skimontour dorthin – sich in Sicherheit wiegend, dass denn auch wirklich keiner ihnen die Sicht aufs TV-Gerät versperren wird. «Wir gehen erst nachher Ski fahren», sagen die Berner. «Lara und Joana sind jetzt wichtiger.»

Ebenfalls «bizyte» sichert sich die Kühlaggregateambulanz des Tals in Person von Walter Brunner einen aussichtsreichen TV-Platz. Der St. Stäffner gönnt sich extra eine längere Mittagspause, um die Schweizer Medaillenhoffnungen an der Ski-WM in St. Moritz keinesfalls zu verpassen.

Das Tagesmenü in Form von Schnitzel und Nudeln verdrückt er noch rechtzeitig, ehe Lara Gut mit der Startnummer 7 ins Rennen geht. Walters Anspannung ist spür- und sichtbar: Er leidet mit den Schweizerinnen, liegt auf seinem «Stüehli» mit dem Oberkörper ansatzweise in die Kurven und gibt mit der Hand unmissverständlich seine nonverbalen Kommentare ab.

Man hat fast das Gefühl, als würde der Arme am liebsten gleich in den Tisch beissen. Hirschen-Pächter Sämu Kappeler setzt sich zu ihm, was diesen nicht wirklich beruhigt. Aber jetzt kann er seine Bedenken wenigstens teilen, der Walter.

Drei hübsche Skihäsli aus Schüpfen haben inzwischen einen weiteren Tisch besetzt: Die Schwestern Nadja und Fiona Rutsch mit Freundin Cornelia Affolter wollen zwar Langlaufen gehen, blicken immer wieder auf ihre Uhren; wollen vorher aber noch rasch das Rennen sehen. «‹Dä Stress!› Wir müssen das Rennen hier schauen kommen, weil das TV-Gerät in der Ferienwohnung futsch ist.»

12.40 Uhr, die Stunde schlägt für Joana Hählen. Als sich die 25-jährige Lenkerin vom Start in die Tiefe katapultiert, hält in der Gaststube des Hirschen alles den Atem an. Neun der zwölf Tische sind besetzt. Durch die Fenster sieht man auf dem Dorfkreisel draussen ein paar Autos ihre Kurven drehen.

Alles Leute, die mit Skisport nichts anfangen können. Joanas Rückstand von nur drei Zehnteln bei der ­Zwischenzeit entlockt der Hirschenaudienz ein vernehmbares «aah, ooh, uuh und iih». Doch als Joana als 13. ins Ziel kommt, wird es an den Tischen wieder ruhiger. Niemand ist so richtig enttäuscht, aber auch keiner findet Grund zur Euphorie. Ein Resultat halt, das Joanas bisherige Leistungen im Weltcup bestätigt. Bravo Joana!

Joana Hählen (M.) und ihre Fandelegation nach dem Rennen: Rechts von ihr Gemeindepräsident Christian von Känel, links Gemeinderat Hans Walker und Gemeindeschreiber Thomas Bucher. Ganz rechts Joanas Mutter Monika. Bild: zvg

Der Bogen nach St. Moritz ist vom Lenker Hirschen aus rasch gespannt, denn Gemeindepräsident Christian von Känel liess es sich nicht nehmen, seine sportlichste Bürgerin mit einer Delegation vor Ort zu unterstützen.So wurde Joana Hählen am Dienstag von weit über einem Dutzend Lenker im Zielraum von Salastrains angefeuert.

Unter ihnen auch Joanas Eltern Beat und Monika, die beiden Schwestern, die Gemeinderäte Jürg Zjörien, René Müller und Hans Walker sowie Gemeindeschreiber Thomas Bucher. Das nächste Malist dann vielleicht auch der Walter Brunner dabei; dann muss er nicht mehr aus der Ferne mit-leiden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.02.2017, 21:34 Uhr

Nils Mani Kämpft um zwei WM-Starts: Das Diemtigtal rüstet sich für St. Moritz

Nebst Joana Hählen, die ihr erstes WM-Abenteuer mit einem respektablen 13. Rang im Super-G beendete (siehe Haupttext), griff am Dienstag ein weiterer Oberländer ins WM-Geschehen ein.

Der Diemtigtaler Nils Mani bestritt am Vormittag das erste Training zur WM-Abfahrt. Der 24-Jährige aus Schwenden landete dabei auf Rang 27.

Nils Mani muss gegen Mauro Caviezel (am Dienstag guter 8.) und Niels Hintermann (35.) um einen der beiden letzten Schweizer Startplätze stechen. Das zweite Abfahrtstraining steht am Donnerstag auf dem Programm. «Wir hoffen natürlich, dass er es schafft und am Samstag wird starten können», sagte Fanclubpräsident Jürg Mani auf Anfrage. Der Entscheid dürfte am Donnerstagabend feststehen.

So oder so ist jedoch bereits klar: Der 2012 gegründete Fanclub von Nils Mani – mit 430 Mitgliedern einer der grösseren im Weltcupzirkus – wird ins Oberengadin reisen. Das selbst bei einer Nichtnomination.

«Wir brechen am Samstag um 4 Uhr früh Richtung St. Moritz auf. Und werden gleichentags auch wieder heimreisen.» Mani betont, dass sich auch interessierte Nichtmitglieder bis am Mittwochabend für die Fanreise anmelden können (079 340 93 55 oder majuerg@bluewin.ch).

Er hofft, dass eine Gruppe von 30 bis 40 Personen die Fahrt mit dem Spring-Car in Angriff nehmen wird. Laut dem Diemtigtaler sind ausserdem «viele, 15 bis 20 Personen, bereits angereist, um die erste WM-Woche vor Ort mitzuerleben».

Und was traut Jürg Mani seinem schnellen Namensvetter zu, sollte dieser denn starten können? «Wenn ihm wie in Gröden eine fehlerfreie Fahrt gelingt, liegt ein Rang in den Top 15 drin.»

Am Montag steht die WM-Kombi auf dem Programm. Um im Zweiteiler starten zu können, muss sich Nils Mani, toller 5. in Wengen, gegen Luca Aerni aus Grosshöchstetten und Lauberhorn-Kombi-Sensationssieger Niels Hintermann durchsetzen. Auch am Montag wird der Nils-Mani-Fanclub, so oder so, per Car für einen Tag in den WM-Ort reisen. jss

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