Das Gelände am Doldenstock rutscht einen Zentimeter pro Tag

Kandersteg

Kommt es am Doldenstock bald zu einem Felssturz oder Erdrutsch? Der Naturgefahrenberater Fritz Loretan stellt fest, dass ein ­grosser Teil der Bergflanke im Rutschen begriffen ist.

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«Da ist etwas im Gang; bei jedem Regen kommen ein paar hundert Kubik runter»: Fritz Loretan, Bergführer und ehemaliger Hüttenwart der SAC-Fründenhütte, bestätigt auf Anfrage, dass das eineinhalb Quadratkilometer grosse Rutschgebiet rund um den markanten sogenannten Spitze Stei unter dem Gipfel des 3222 Meter hohen Doldenstocks jeden Tag um gut einen Zentimeter talwärts rutscht.

Dies ergab die dritte Nachmessung innerhalb der letzten sechs Tage. In den letzten Wochen haben sich dort vermehrt Felsabbrüche und kleinere Murgänge ereignet.

Rutschfreudiger Boden

Auf Empfehlung der Abteilung Naturgefahren des Kantons Bern hin hat die Gemeinde jetzt eine Überwachung installieren lassen. Deren Ziel ist es, einen möglichen grösseren Abbruch rechtzeitig zu erkennen, sodass Sicherheitsmassnahmen ergriffen werden können.

Die Überwachung erfolgt mit 14 installierten Messspiegeln, die sich auf der instabilen Masse im Bereich des Spitze Stei befinden und periodisch vermessen werden. «Wie labil das ganze Gelände ist, haben wir vor Ort erleben können, als wir die Messspiegel montieren gingen. Kaum kann man dort oben einen Schritt machen, ohne gleich den Schutt ins Rutschen zu bringen», sagt Fritz Loretan.

Im Falle eines grösseren Abbruchs würden sich die Rutschmassen in Richtung Oeschibach unterhalb des Oeschinensees ausbreiten. Bei sehr grossen Abbrüchen könnte das Geschiebe laut Loretan möglicherweise gar bis zur Zufahrtsstrasse des Oeschinensees und zum daneben liegenden Wanderweg vorstossen. Solch grosse Abbrüche werden aufgrund der aktuellen Messungen momentan aber nicht erwartet.

Das Siedlungsgebiet ist durch die direkte Prozesseinwirkung nicht betroffen.

Oeschinensee bleibt offen

Die Gemeinde Kandersteg hat laut ihrer gestrigen Medienmitteilung ein Sicherheitskonzept erarbeitet, das die vorsorglichen Massnahmen festlegt und das Vorgehen beim bevorstehenden Eintritt eines Felsabbruchs regelt.

Es werde alles unternommen, damit Personen, Tiere und Sachwerte nicht unnötig Gefahren ausgesetzt würden. Das Gebiet rund um den Oeschinensee ist weiterhin uneingeschränkt begehbar. Die Gemeinde Kandersteg wird mit den Spezialisten die Situation laufend überwachen und auf ihrer Website aktuelle Informationen über die Situation veröffentlichen. Naturgefahrenberater Fritz Loretan abschliessend: «Wir wissen nicht, wie tief in den Boden hinein die Erdmassen am Rutschen sind.

Entsprechend ist es schwierig, eine Prognose zu machen.» Dass es sich aber zweifellos um viele Tausend Kubikmeter handeln dürfte, ist unschwer abzuschätzen.

Die Gemeinde hat ein Sicherheitskonzept erarbeitet und überwacht die Lage mit Spezialisten laufend, wie sie weiter schreibt. Aktuelle Informationen finden sich auf der Internetseite der Gemeinde: www.gemeindekandersteg.ch/aktuell

Nördlich des Doldenstocks (roter Punkt) droht ein Hang abzurutschen. Bild: Google Maps

Berner Oberländer

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