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Das bröckelnde rechte Thunerseeufer

Kaum eine Hauptstrasse in unserem Land ist dermassen in den Berg gebaut wie die Anfang des 20. Jahrhunderts erstellte Staatsstrasse zwischen Merligen und Unterseen. Ein Blick zurück in die Geschichte.

Sanierung im Bereich der Wolhusenfluh vor elf Jahren. Foto: bpm
Sanierung im Bereich der Wolhusenfluh vor elf Jahren. Foto: bpm

In der historischen Schrift «Via Storia Beatenberg» steht geschrieben: «Bei der Strasse entlang des rechten Thunerseeufers, dessen Kurorte bisher nur mit dem Raddampfer ­erreicht werden konnten, rechtfertigte man die wegen der zahlreichen Kunstbauten hohen Baukosten als Investition in den Tourismus. Diese wildromantische Strecke wird gleich den kühnsten Alpenstrassen einen ganz bedeutenden Anziehungspunkt für Touristen bilden.»

Ab dem 19. Dezember 1905 verkehrte auf dieser Strecke erstmals eine Autobuslinie, später auch eine Strassenbahn und der Privatverkehr.

Absturz auf das Baugerüst

Der Fels rund um diese auf Bea­tenberger Hoheitsgebiet liegende Strasse wird seit der Jahrtausendwende vom Geologieunternehmen Geotest in Zollikofen im Auftrag des Kantons laufend beobachtet und beurteilt. Schon ein paar Jahre zuvor wurden zwischen Beatenbucht und Sundlauenen für mehrere Millionen Franken Steinschlagschutznetze installiert. Diese hängen weit oberhalb der Fahrbahn und sind für den Verkehr nicht sichtbar.

Am bröckelnden rechten Ufer gab es auch ein Tram: Die Strassenbahn im Bereich des Nastel im Jahr 1914. Foto: PD/Eisenbahn-Verlag Villigen AG
Am bröckelnden rechten Ufer gab es auch ein Tram: Die Strassenbahn im Bereich des Nastel im Jahr 1914. Foto: PD/Eisenbahn-Verlag Villigen AG

Im Wolhusenfluhtunnel wurden vor 15 Jahren Messgeräte zur Überwachung der Felsstabilität installiert. Ein Jahr später bedrohte zwei Kilometer östlich davon unterhalb der Gsteiglefluh ein 10 Kubikmeter grosser Felsbrocken die Fahrbahn. Mit 7 Kubikmeter Spritzbeton konnte der 20 Meter neben dem Ostportal des Balmfluhtunnels hängende, labile Fels gesichert werden.

Zurück zur Wolhusenfluh, wo 2008 mitten in den Arbeiten eines 900000-Franken-Sicherungsprojekts 25 Kubikmeter Fels die gesperrte Fahrbahn und ein massives Baugerüst zertrümmerten, was eine Woche Bauverzögerung zur Folge hatte. Diese Gesamtsanierung der Wolhusenfluh dauerte ein halbes Jahr und erforderte die tageweise Sperrung der Kantonsstrasse.

Von Wasser destabilisiert

Im November 2009 erforderte ein Flächenbrand über dem Zwölfichrachen (Gsteiglefluh) eine Helikopterlöschaktion. Die eingesetzten 40000 Liter Löschwasser drangen in den Fels ein und destabilisierten diesen. Entsprechende Massnahmen waren nötig, so auch zur Sicherung einer drei Meter hohen Felsnase.

Der damalige Strasseninspektor Bruno Burkhard folgerte: «Der Unterhalt der Infrastruktur stellt für unsere Mitarbeiter an der Front eine neue Herausforderung dar und wird auch in Zukunft während der Wintermonate vereinzelt und vermehrt zu Verkehrsbehinderungen führen.» 2010 holten die Felsräumungsspezialisten nach zwei Steinschlägen 50 Kubikmeter loses Gestein aus der Wolhusenfluh.

2012 musste ein 40 Kubikmeter grosser Felsbrocken im Sundgraben gesprengt werden – er bedrohte den Wasserfluss unter der Staatsstrasse hindurch. Im Frühling 2018 wurde die Gsteiglefluh saniert und ausgeholzt, 750 Kubikmeter Holz entfernt. Die Strasse blieb während knapp zweier Wochen gesperrt (Ausnahme Buslinie STI).

Schliesslich wurden im Juni letzten Jahres anlässlich der ersten regulären Felsreinigung seit zehn Jahren eine 20 Kubikmeter grosse Felsnase aus dem Breittschingelwald gesprengt und kontrolliert zum Absturz gebracht.

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