Burkaverbot: Schädlich für den Tourismus

Die Hotellerie hat keine Freude an der nun eingereichten Initiative für ein Verhüllungsverbot. Hoteliers würden alle Gäste willkommen heissen, sagt Andreas Züllig, Präsident von Hotelleriesuisse.

Arabische Touristen auf dem Bödeli in Interlaken.

Arabische Touristen auf dem Bödeli in Interlaken.

(Bild: Bruno Petroni)

Christoph Aebischer@cab1ane

Nun hat es dank einem Schlussspurt doch noch gereicht: Gestern wurde die Initiative «Ja zum Verhüllungsverbot» mit 106'600 Unterschriften eingereicht. Nicht begeistert darüber ist der oberste Hotelier der Schweiz, Andreas Züllig: «Da wird aus einer Mücke ein Elefant gemacht», sagt er.

Wenn es in der Schweiz voll verhüllte Frauen gibt, sind es Gäste aus arabischen Staaten – die in Schweizer Hotels absteigen und erst noch zahlungskräftig sind. Züllig wünscht sich die Zeiten nicht zurück, wo der Hotelier noch Kleidervorschriften machte und zu Tisch die Krawattenpflicht galt. «Wir sind Gastgeber und beurteilen unsere Gäste nicht nach deren Kleidung oder deren Neigungen», sagt er. Züllig ist dezidiert gegen ein solches Verhüllungsverbot.

Frauen in «Kleidersäcken»

Anders sieht das Monique Werro, eine Hotelière aus Brienz. Sie warb vor einem Jahr in einem Brief für die Initiative. In Medienberichten begründete sie, wieso: «Es stört mich enorm, wenn Frauen in schwarzen Kleidersäcken ohne Luft und wenig Sicht durch unsere Landschaft reisen müssen.» Sie habe sich einst vehement für das Frauenstimmrecht eingesetzt und könne jetzt nicht einfach wegsehen. In ihrem Haus gilt darum heute schon ein Burka- und Nikab-Verbot in den öffent­lichen Räumen des Hotels.

Züllig kann das akzeptieren: «Jede und jeder muss selber entscheiden, welche Gäste man bewirten will.» Allerdings sind arabische Touristen im Berner Oberland bereits zum drittwichtigsten Gästesegment aufgestiegen. Ernst Voegeli, dessen Kutschen arabische Gäste durch Interlaken führen, hält solche Statements darum für äusserst schädlich. Voegeli sitzt für die SVP im Unterseener Gemeinderat. Er wisse nichts Negatives zu berichten über seine arabischen Kunden, sagte er gegenüber der «Jungfrau-Zeitung».

Wie beim Minarettverbot

Auf der Bündner Lenzerheide, wo Hotelleriesuisse-Präsident Züllig das Hotel Schweizerhof führt, sind zwar Gäste aus dieser Weltregion selten. Aber in seiner Funktion als Verbandspräsident kann er Voegelis Einschätzung bestätigen: «99,9 Prozent aller Gäste wissen sich zu benehmen.» Zudem begegne man in der Schweiz äusserst selten einer voll verhüllten Frau.

«Ich war kürzlich in Genf, wo viele arabische Gäste absteigen. Mir ist keine einzige voll verschleierte Dame begegnet.» Das Problem sei etwa so gross wie jenes der Minarette. Deren Bau ist seit dem Jahr 2009 verboten. Damals nahm das Schweizer Stimmvolk die Anti-Minarett-Initiative an, was zu ­einiger Aufmerksamkeit im Ausland und zu diplomatischer Hektik führte.

Bei der Verschleierung erwartet Züllig etwas weniger Aufregung, da die Thematik mittlerweile auch in unseren Nachbarländern auf grosse Resonanz stosse. Er erinnert etwa an das bereits geltende Verhüllungs­verbot in Frankreich.

Und ja: Auch in einer Ecke der Schweiz gilt bereits ein solches. Der Kanton Tessin verbot per 1. Juli 2016 das Tragen einer Vollverschleierung. Führte das zu Einkommenseinbussen bei den dortigen Hotels? «Wie ich höre, hatte das Verbot keine grossen Auswirkungen», muss Züllig eingestehen. Aber für den Tourismus in der Schweiz, da besteht er darauf, wäre ein solches Verbot gewiss nicht förderlich.

Unvereinbar mit der Freiheit

Das Initiativkomitee, das schon der Anti-Minarett-Initiative zum Durchbruch verhalf, denkt in anderen Kategorien: Zur Freiheit gehöre, dass man einander ins Gesicht blicken könne. Sogar der Europäische Gerichtshof sehe die aufgezwungene oder freiwillige religiöse Gesichtsverhüllung im öffentlichen Raum als Widerspruch zum Zusammenleben in einer freien Gesellschaft. Züllig will nicht in diesen Diskurs einsteigen.

Als Verband führe man keine Kulturdiskussion. Er bleibt dabei: «Wegen ein paar Einzelfällen ein Gesetz zu machen, ist einfach übertrieben. Uns geht es um die Gäste, und diese sind herzlich willkommen.»

Berner Oberländer

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