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Bundesrat, Efta-Vater und Ehrenbürger

Vor 50 Jahren wurde dem Bundesrat Dr. Hans Schaffner das Ehrenbürgerrecht verliehen. Als Direktor der Handelsabteilung legte er den Grundstein zur Entstehung der Europäischen Freihandelszone (Efta).

Hans Schaffner als Unterhändler an einer Efta-Sitzung.
Hans Schaffner als Unterhändler an einer Efta-Sitzung.
PD/Bundesratslexikon Urs Altermatt

Hans Schaffner kam 1908 in Interlaken zur Welt und wuchs in Unterseen auf. Von seinem Vater erbte er das Aargauer Bürgerrecht und die Vorliebe für den Kanton Aargau, seinen späteren Wohnkanton. Nach der Schulzeit in Unterseen und Interlaken studierte der Jüngling am Gymnasium Burgdorf. Als Jurist wechselte er in die Direktion des Bundesamtes für Industrie, Gewerbe und Arbeit und wurde zu den Vorbereitungsarbeiten für die Kriegswirtschaft eingesetzt.

Zusammen mit Friedrich Traugott Wahlen war er verantwortlich dafür, dass die Bevölkerung mit genügend Lebensmitteln und Heizmaterial versorgt wurde. 1954 wählte der Bundesrat Schaffner zum Direktor der Handelsabteilung. Schaffner schuf den längst fälligen neuen Zolltarif und sah dies später als die grösste Herausforderung seines Lebens.

Dieser war äusserst wichtig für die Verhandlungen mit der EWG, denn die Freihandelszone war gescheitert, und der Schweiz drohte die handelspolitische Diskriminierung. Doch nun kam Schaffners staatsmännischer Weitblick zur Geltung. Er lud seine Kollegen aus den Nicht-EWG-Staaten zu einem Treffen nach Genf ein, welches dank seiner Initiative als Grundstein für die Kleine Freihandelszone (Efta) gilt.

Seine Nominierung galt als ungewöhnlich

1961 setzte die FDP Schaffnerals offiziellen Bundesratskandidaten auf. Mit dieser ungewöhnlichen Nomination eines Spitzenbeamten aus der Zentralverwaltung wollte man in aussenwirtschaftlich schwierigen Zeiten einen fähigen Fachmann an der Spitze des Volkswirtschaftsdepartements. Die Kandidatur war erfolgreich, und wegen seines Heimatortes Gränichen galt er als Vertreter des Kantons Aargau.

War er auch auf internationalem Politparkett zu Hause, blieb Hans Schaffner mit dem Stedtli doch immer eng verbunden.

1963 wurde er in seinem Amt bestätigt, zwei Jahre später erfolgte die Wahl zum Bundespräsidenten und nochmals zwei Jahre darauf die Wiederwahl als Bundesrat. In seiner achtjährigen Amtszeit als Bundesrat legte sein Departement dem Parlament über 50 ausgearbeitete Bundesgesetze und Bundesbeschlüsse vor. Keine seiner vors Volk gebrachten Abstimmungsvorlagen scheiterte.

Wichtige Schritte für die Schweizer Wirtschaftspolitik erbrachte Schaffner auf dem internationalen Parkett. In der Efta verteidigte der Politiker seine Positionen und brillierte mit Sach- und Fachkenntnissen sowie mit seiner hervorragenden Rhetorik. Seine Wirksamkeit als Unterhändler wurde noch verstärkt durch eine die Verhandlungspartner immer wieder verblüffende Allgemeinbildung.

Konnte «weder Orgel spielen noch malen»

War er auch auf internationalem Politparkett zu Hause, blieb er mit dem Stedtli doch immer eng verbunden. An der Gemeindeversammlung heute vor 50 Jahren in Unterseen folgten die rund 130 anwesenden Männer und Frauen dem Antrag des Gemeinderats, Hans Schaffner das Ehrenbürgerrecht zu erteilen.

Als sich 1969, nach 31 Jahren im Dienst der Eidgenossenschaft, sein Gesundheitszustand verschlechterte, erklärte er für viele überraschend seinen Rücktritt. Da er, nach eigener Aussage, «weder Orgel spielen noch malen» könne, nahm er in der Folge verschiedene Verwaltungsmandate an.

Ende der Siebzigerjahre verzichtete Schaffner auf weitere Ämter und Funktionen. Ein ehemaliger Staatssekretär des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten bezeichnete Schaffner, der 2004 in Bern verstarb, als den ersten in der ganzen Welt wirklich bekannten Staatsmann.

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