Sommer 2015 lässt die BLS-Verantwortlichen hoffen

Berner Oberland

Mit einem Prozent mehr Passagieren im Supersommer 2015 ist die Bilanz der BLS-Schifffahrt im Vergleich mit anderen Seen mager. Die Verantwortlichen sind zufrieden und blicken hoffnungsvoll in die Zukunft.

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Marco Zysset@zyssetli

«Ein Prozent Zuwachs auf Thuner- und Brienzersee: Das sieht auf den ersten Blick nach wenig aus», sagte Andreas Willich, Leiter Personenverkehr der BLS, am Mittwoch vor den Medien, «vor allem nach so einem Supersommer.» Der detaillierte Vergleich mit der Saison 2014 zeigt indes, dass die Schifffahrt auf den Berner Oberländer Seen im Vorjahr stark vom Prachtwetter in Frühling und Herbst profitieren konnte.

«Zudem machten wir gegenüber 2013 entscheidend Boden gut, weil wir die Winterschifffahrt ausbauten.» Dieser Effekt fehle nun bei den Zahlen für 2015. Konkret wurden auf Thuner- und Brienzersee bis am 25. Oktober total 973'067 Personen befördert.

1 Million Passagiere

Trotzdem ist Willich zufrieden mit der auslaufenden Saison. «Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende Jahr die Millionenmarke wieder knacken werden.» Finanzzahlen könne er noch keine nennen, betont er jedoch und verweist auf die Bilanzmedienkonferenz der BLS im Frühjahr 2016.

Willich weist aber darauf hin, dass kurz nach seinem Amtsantritt eine «grundlegende Standortbestimmung» für die Schifffahrt gemacht worden sei. «In diesem Rahmen zeigten wir dem Verwaltungsrat auf, dass wir 2015 schwarze Zahlen erreichen können – und ich habe die Hoffnung, dass das nun Realität wird.» In der Tat zeigt ein Blick in die detaillierten Zahlen der Schifffahrt seit dem Jahr 2000, dass sich die Ergebnisse in den letzten Jahren stabilisiert haben.

Brienzersee legt deutlich zu

«Bemerkenswert» ist laut Willich die Tatsache, dass der Thunersee für die laufende Saison mit einem Passagierminus von einem Prozent rechnen muss, während der Brienzersee um satte vier Prozent zulegt. «Das zeigt, dass der Brienzersee viel weniger stark abhängig ist von Gästen aus der Eurozone», sagt Willich. «Er profitiert vielmehr von der starken Positionierung Interlakens in Asien und insbesondere im arabischen Raum.»

Gerade für Gäste aus Nahost sei eine Fahrt «auf Millionen von Litern von Trinkwassern» etwas, «das sie unbedingt erleben wollen». Dabei spielen Preis und Wetter eine untergeordnete Rolle –im Gegenteil «Wenn es noch regnet, sind diese Menschen, die sonst fast nur Sonne, Sand und blauen Himmel haben, umso glücklicher.»

Schwieriger Winter

Weil Ostern 2016 früh wie selten sind, und weil der Brienzersee offensichtlich Wachstumspotenzial birgt, startet die Schifffahrtssaison dort deshalb bereits am 25. März wieder. Auf dem Thunersee gilt es bis dahin, die Winterschifffahrt trotz ausserordentlicher Seeabsenkung bis Ende März mit möglichst wenig Passagierrückgang zu bewältigen.

Bis am 3. Januar 2016 fahren die Schiffe nach normalem Winterfahrplan, inklusive Winterdampf in der Altjahrswoche. Vom 4. Januar bis 24. März fährt die Schifffahrt einen reduzierten Betrieb zwischen Hünibach und Neuhaus, weil die Schifffahrtskanäle in Thun und Interlaken nicht genügend Wasser führen.

Werfthalle: Bau ab Herbst 16

Vorwärts gehts indes bei der Planung der neuen Werfthalle in Thun. 10 Monate nach dem Ja des Kantonsparlaments für den 12,8-Millionen-Kredit schickt die BLS das Bauprojekt nächste Woche in die öffentliche Auflage. «An den Informationsanlässen für Anwohner und Verbände wurden wir erfreulicherweise mit wenig Kritik konfrontiert», sagte Claude Merlach, Leiter der BLS-Schifffahrt. «Am meisten zu reden gab verständlicherweise der zu erwartende Lärm vor allem beim Abbruch der Betonfundamente der alten Halle sowie beim Rammen der Spundwände für den Neubau.»

Die neue Halle wird 87 Meter lang, 24 Meter breit und 18 Meter hoch – oder rund 20 Meter länger als die alte, 6 Meter breiter und 2 Meter höher. Für die Dimensionen der Halle sei vor allem das Dampfschiff Blümlisalp bestimmend gewesen. «Sie kann künftig in die Halle genommen werden, ohne dass wir den Kamin abmontieren müssen und ohne dass das Heck noch aus der Halle ragt.»

Laufen das Baubewilligungsverfahren und der Neubau nach Plan, wird das neue Trockendock im Dezember 2017 in Betrieb genommen. Ende dieses Monats wird mit der MS Bubenberg das letzte Schiff für ordentliche Unterhalts- und Revisionsarbeiten in die alte Halle gezogen. Im Herbst 2016 muss diese dann abgebrochen werden, weil das baufällige Gebäude die Sicherheitsanforderungen nicht mehr erfüllt.

Der richtige Kurs ist wohl gefunden

Auch wenn die Saison noch nicht zu Ende ist, ist klar: 2015 wird ein gutes Jahr für die BLS Schifffahrt Berner Oberland – wenigstens mit Blick auf die Passagierzahlen. Doch auch finanziell scheint der Betrieb nach Jahren mit Höhen und vor allem Tiefen endlich auf Kurs zu sein; zumindest machte Andreas Willich, Leiter Personenverkehr und Mitglied der BLS- Geschäftsleitung an der gestrigen Medieninformation entsprechende Andeutungen.

Grosse Schwankungen

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die BLS Schifffahrt seit der Jahrtausendwende sowohl bei den Passagierzahlen als auch bei den Erträgen massive Schwankungen verbuchen musste. So resultierte 2002 ein Minus von 2,9 Millionen Franken, weitere Millionendefizite folgten. Schien 2009 mit einem Ertragsüberschuss von gut 200'000 Franken das rettende Ufer erreicht, folgten wieder millionenschwere Ausgabenüberschüsse. Allerdings zeigen die Zahlen seit 2012 klar aufwärts; letztes Jahr betrug das Betriebsdefizit «nur» noch rund 1 Million Franken.

Gleichzeitig ist zu beachten, dass 2009 zwar ein Jahr mit ausserordentlich vielen Passagieren war, dieser Erfolg im Rahmen einer Rabattaktion mit Coop aber einen massiven Rückgang bei den Erträgen aus den Halbtax- und GA-Töpfen zur Folge hatte. Weil diese Gelder jeweils mit fünf Jahren Verzögerung ausbezahlt werden, gingen die Einnahmen dort in den letzten Jahren merklich zurück.

Stabilität seit 2012

Per 2012 riss die BLS Schifffahrt auch das Steuer bei der Ausdünnung des Fahrplans wieder herum. Die Winterschifffahrt auf dem Thunersee wurde ausgebaut, ebenso das Angebot auf dem Brienzersee; zudem wurden die Schiffsfahrpläne auf den Taktfahrplan der Bahn abgestimmt. Seither ist die Zahl der gefahrenen Kilometer auf den Seen stabil.

Von 2000 bis 2011 versuchte die BLS-Schifffahrt mit zahlreichen und immer wieder neuen Massnahmen, den Rückgang bei Passagieren und Betriebsergebnissen weitgehend erfolglos zu stoppen. Ab 2011 zeigt sich jedoch, dass die Passagierzahlen stabil oder gar geringfügig steigend sind, und die Ergebnisse einem klaren Aufwärtstrend unterliegen.

Diese Erkenntnisse dürften entscheidenden Einfluss auf die Flottenstrategie haben, welche in den vergangenen Jahren immer wieder hinausgeschoben wurde, jedoch für 2016 wieder auf der Traktandenliste steht. Diese soll aufzeigen, wie viele und welche Schiffe künftig auf Thuner- und Brienzersee verkehren sollen.

www.bls.ch/schiff

Thuner Tagblatt

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