«Bestmögliches Busangebot für Leissigen erwirkt»

Leissigen

Die Gemeinde hat für das geplante Busangebot Verbesserungen erreicht. Für die IG Leissigen Futura ein Zeichen, dass der Gemeinderat nicht mehr für den Bahnanschluss kämpfen will.

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Nathalie Günter@nathalieguenter

Gerade erst kommunizierte der Verein IG Leissigen Futura, dass er weiter für den Bahnanschluss in Leissigen kämpfen wird. Geprüft würden politische und rechtliche Mittel. Nun meldete sich am Freitag auch die Gemeinde Leissigen, die mit einem öffentlichen Schreiben des Gemeinderats in die Haushalte des Dorfs am Thunersee informierte: «Unser vorrangiges Ziel war stets, darauf hinzuwirken, dass der Umstellungsentscheid des Grossen Rates vom März 2017 rückgängig gemacht wird, sodass Leissigen auch weiterhin mit der Bahn erschlossen bleibt», steht in der Einleitung.

Parallel dazu habe auch eine Delegation des Gemeinderats Einsitz in der Mitwirkungsgruppe Angebotsplanung Bus genommen. Dies mit dem Ziel, dass das Busangebot mindestens gleichwertig sein muss wie das heutige Bahnangebot. «Eine für Leissigen gute Buslösung war uns wichtig, falls unser Anliegen, den Bahn/Bus-Entscheid nochmals zu überdenken, bei der Politik kein Gehör finden würde», schreibt die Gemeinde. 

Mehr Fahrten eingefordert

Sie hat diesbezüglich Forderungen gestellt: gleiche oder grössere Fahrplandichte, hohe Fahrplanstabilität, gleichwertiger Anschluss an den Fernverkehr in Spiez in Richtung Thun/Bern sowie ein gleichwertiger Anschluss an die Oberstufe in Interlaken, sodass die Schüler weiterhin über Mittag nach Hause reisen können.

Erreicht habe die Delegation in der Mitwirkungsgruppe, dass der Bus in den Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt (heute: Stundentakt) verkehren wird. Die Mittagszeit der Schüler in Leissigen verlängert sich durch den Bus ebenfalls: Einerseits ist die Aufenthaltszeit durch den neuen Fahrplan eine Minute länger, zusätzlich sind die Fusswege durch drei Bushaltestellen im Dorfkürzer.

Die Forderung nach Fahrplanstabilität hat dazu geführt, dass das Einbiegen auf die A8 in Därligen-Ost auf Stauanfälligkeit und Sicherheit gemessen werden soll – während der Hochsaison. Eine Messung des Bundesamts für Strassen habe ergeben, dass dies «auch bei hohem Verkehrsaufkommen innert nützlicher Zeit möglich ist».

Die Kantonspolizei Bern habe bestätigt, dass für das Einbiegen auf die A8 mit dem Bus kein Sicherheitsrisiko bestehe. Trotzdem hat die Gemeinde Leissigen noch eine zusätzliche fachliche Einschätzung der Beratungsstelle für Unfallverhütung eingefordert. Deren Antwort ist noch ausstehend. 

«Es war wichtig, dass wir die Bedürfnisse der Bevölkerung von Leissigen für das zukünftige ÖV-Angebot von Anfang an einbringen konnten.»Gemeinde Leissigen

«Der schlechteren Angebotsstabilität aufgrund der Verkehrssituation auf der A8 steht der verdichtete Halbstundentakt in den Hauptverkehrszeiten gegenüber», lautet das Fazit der Gemeinde zur Mitwirkung. «Es war wichtig, dass wir die Bedürfnisse der Bevölkerung von Leissigen für das zukünftige ÖV-Angebot von Anfang an einbringen konnten.» Es sei gelungen, «ein bestmögliches Busangebot für Leissigen zu erwirken».

Drei Kompromisse erreicht

Im zweiten Teil der Botschaft geht es um die geplanten BLS-Projekte in Leissigen. Die Gemeinde sowie die IG Leissigen Futura hätten in Gesprächen mit der BLS drei Kompromisse erreicht, die gestern auch von der BLS bestätigt wurden. Die Stromleitung entlang der geplanten 230-Meter-Verlängerung der Kreuzungsstelle wird in die Erde verlegt.

Weiter wird in der sogenannten Steinerkurve keine Streckenbegradigung vorgenommen. Die BLS verzichtet somit auf eine Erhöhung der Geschwindigkeit von 75 auf 90 km/h. Der dritte Kompromiss betrifft die Rangieranlage in Leissigbad: Hier sei statt zwei nur ein weiteres Abstellgleis geplant. Dies wurde gemäss BLS möglich, weil in der Nähe des Bahnhofs Interlaken-West bestehende Abstellgleise frei wurden. 

«Wir schätzen das Projekt mit diesen Anpassungen aus Sicht der Gemeinde als bewilligungsfähig ein», schreibt die Gemeinde. Die Chancen, dass die BLS gegenüber der Gemeinde noch weitere Konzessionen eingesteht, seien äusserst klein. Die Gemeinde empfiehlt den betroffenen Einwohnern und Grundeigentümern, «unter der Voraussetzung, dass die oben beschriebenen Projektverbesserungen von der BLS AG so projektiert und aufgelegt werden, auf eine prinzipielle Einsprache zu verzichten».

Die BLS plant, die Pläne im Frühsommer 2019 aufzulegen. Die Bauarbeiten sollen dann 2021 beginnen. Die Inbetriebnahme der Kreuzungsstelle wird sich «voraussichtlich um ein Jahr auf Ende 2023 verschieben», so das Bahnunternehmen. Die Investitionen belaufen sich auf rund 62 Millionen Franken.

«Äusserst konfrontativ»

Die Interessensgemeinschaft (IG) Leissigen Futura – die 302 Mitglieder, 92 Gönner und 960 Sympathisanten zählt – empfindet die Meldungen der Gemeinde Leissigen wie auch der BLS AG teils als «äusserst konfrontativ», wie Präsident Beat Steuri auf Anfrage sagt.

«Es zeigt, dass der Gemeinderat seit Jahren an einem Busangebot arbeitet, statt den Bahnhof zu erhalten und so den Wünschen der Bevölkerung nachzukommen.»Beat Steuri, Präsident IG Leissigen Futura

«Es zeigt, dass der Gemeinderat seit Jahren an einem Busangebot arbeitet, statt den Bahnhof zu erhalten und so den Wünschen der Bevölkerung nachzukommen.» Das Ziel der IG selbst bleibe, den totalen Verlust des Bahnanschlusses zu verhindern. Der Attraktivitätsverlust von Leissigen wäre fatal.

Auch mit der Kommunikation der BLS ist Steuri nicht einverstanden: «Beim Punkt der Rangieranlage im Leissigbad haben wir den Anpassungen gar nicht zugestimmt.» Der Ausbau im Leissigbad sei auch im reduzierten Rahmen nicht in dieser Grössenordnung nötig. «Wir werden dies aber in den nächsten Wochen noch mit Bahnspezialisten anschauen», so Steuri.

Berner Oberländer

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