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Beflügelnder Barock

Barock und staubig? Aber nein! Nicht, wenn man die Geschwister Sol und Andrés Gabetta mit ihrer gleichnamigen Cappella darauf ansetzt. Und schon gar nicht, wenn Cecilia Bartoli mitmischt und mit sämtlichen Vorurteilen rigoros aufräumt.

Zwei, die sich bestens verstanden und den Barock zum Sprühen brachten: Sopranistin Cecilia Bartoli und Cellistin Sol Gabetta mit Mitgliedern der Cappella Gabetta in der Kirche Saanen.
Zwei, die sich bestens verstanden und den Barock zum Sprühen brachten: Sopranistin Cecilia Bartoli und Cellistin Sol Gabetta mit Mitgliedern der Cappella Gabetta in der Kirche Saanen.
zvg/Raphaël Faux

Noch bevor man «La Bartoli» zu Gesicht bekam, sorgte am Donnerstagabend eine perlende Lachsalve vom Hauptportal her in der Kirche Saanen für Heiterkeit. Und genau das macht die ­begnadete Mezzosopranistin mit römischen Wurzeln aus: Sie nimmt unmittelbar für sich ein, sie berührt mit ihrer Lebhaftigkeit, ihrem Humor, ihrer Kommunikativität, ihrer haltlosen Begeisterung für das, was sie tut, – und sie kann singen.

Mit einer Stimme, die kein Wagner-Volumen besitzt, jedoch an Biegsamkeit, Koloratursicherheit, Umfang und Farbenreichtum ihresgleichen sucht. Genau richtig also für ein barockes Galakonzert im Rahmen des Menuhin Festival Gstaad.

Blind und blendend

Die Grande Dame des Belcanto tat sich zu diesem Zweck mit einer guten Bekannten zusammen: Sol Gabetta, Meisterin auf dem Violoncello, das mit seinem sinn­lichen Klang oftmals mit der menschlichen Stimme verglichen wird. Die beiden Frauen verstanden sich blind und blendend, was schon der Partnerlook verdeutlichte. Welches Einverständnis sie jedoch in den verschiedenen Ba­rockarien an den Tag legten – ein Spezialgebiet Bartolis übrigens –, das grenzte schier ans Unmögliche. Ob rasante Koloraturen oder völlig freie Kantilenen, es klang wie aus einer Lunge geatmet.

Cecilia Bartoli kolorierte ihre Stimme bis in die zartesten Pianissimi in allen Varianten, kokettierte in Albinonis «Aure andate e baciate» mit unwiderstehlicher Mimik und präzisester Artikulation, bewegte in Händels «Lascia la spina» mit inniger Wärme und amüsierte in ebendessen Arie «M’adora l’idol mio» zusammen mit dem Solo-Oboisten mit einer kleinen Theatereinlage. Sol Gabetta offenbarte in dieser alten Musik eine an ihr neuere, sehr zarte und doch kraftvolle Seite. Wunderschön, wie sich ihre Celloklänge um die Singstimme schmiegten.

Glutäugige Primadonna

Nicht zu vergessen die Cappella Gabetta unter der Leitung von Konzertmeister und Sologeiger Andrés! Sie liess den Zeitgeist des Barocks in einer beflügelnden Form aufleben, mit viel Illustrierfreude und lebhafter Dynamik. Boccherinis entsprechend begleitetes Cellokonzert mit Sol Gabetta hätte gemäss Programm den Anlass abrunden sollen. Doch das nahmen weder das unersättliche Publikum noch die gut gelaunten Künstler ernst. Stattdessen schwang die glutäugige Primadonna das Schellentambourin und machte mit Rossinis Tarantella «La Danza» den Abend perfekt.

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