Beelers Ärger über das ständige Aber

Grindelwald

Die Berner-Oberland-Bahnen AG erwirtschaftete einen neuen Rekordumsatz. An der GV macht sich der Verwaltungsratspräsident Gedanken zu stillen Schaffern, stillen Zahlern und lauten Touristen.

Verwaltungsratspräsident David-André Beeler führte durch die Generalversammlung der Berner-Oberland-Bahnen AG.

Verwaltungsratspräsident David-André Beeler führte durch die Generalversammlung der Berner-Oberland-Bahnen AG.

(Bild: Samuel Günter)

Samuel Günter@samuel_guenter

Stille Schaffer, stille Zahler und laute Touristen – so lässt sich der Jahresbericht von David-André Beeler, Verwaltungsratspräsident der Berner-Oberland-Bahnen (BOB), salopp zusammenfassen. Mit Schaffer meine er die, die «bauen, umbauen, ausbauen». «Ich spreche von der Berner-Oberland-Bahn.» Ohne grosses Aufheben baue diese «ganz tüchtig» auf dem ganzen Netz, vergebe Aufträge, sorge ab und zu für Baulärm, für Verkehrsbehinderungen sogar.

Beeler zählte die zahlreichen kleineren und grösseren Baustellen und -projekte auf. In Interlaken, Wilderswil, Zweilütschinen, Burglauenen oder Schwendi. Und die grösste Baustelle klammerte er da vorerst noch aus: In Grindelwald-Rothenegg entsteht der Grindelwald-Terminal, ein Teil des Projekts V-Bahn.

«Grindelwald-Terminal – irgendwie tönt Rothenegg viel mehr nach BOB, aber schliesslich sind wir auch nicht mehr das braun-beige Bähnli mit den Holzbänken von einst», hielt Beeler vor 93 Aktionären im Grindelwalder Kongresssaal fest. «Vielmehr sind die BOB ein moderner, zeitgemässer Anbieter des öffentlichen Verkehrs geworden.»

«Warum diese Auflistung von Baustellen?», fragte der BOB-Verwaltungsratspräsident, um anzufügen: «Die stillen Bauer sollen und dürfen bauen, je stiller, desto angenehmer.» Er wolle in Erinnerung rufen, dass jede Baustelle auch ein Preisschild habe. «Dass somit auch stille Zahler nötig sind.» Das seien Bund und Kanton und damit die Steuerzahler. «Also eigentlich wir alle.»

Immer ein Aber

Von den stillen Schaffern und stillen Zahlern kam Beeler dann auf die lauten Touristen. «Es gehört in breiten Kreisen heute zum guten Ton, dass man die Erfolgsmeldungen aus dem Tourismus mit einem Aber verknüpft», kritisiert Beeler. «Statt dass wir zufrieden sind, dass so viele Gäste zu uns kommen wollen, jammern wir, suchen Argumente, warum uns Besuche in homöopathischen Dosen eventuell mehr bringen würden.» Natürlich brauche es eine differenzierte Diskussion, meint Beeler, auch er habe sich schon über Autos mit Appenzeller Nummer geärgert. «Aber uns sind volle, moderne Züge lieber als leere Fahrten.»

Rekorde und Störungen

Und tatsächlich waren die Züge der BOB im letzten Jahr gut besucht. Dies ging aus den von Direktor Urs Kessler präsentierten Zahlen hervor. Auch wenn dieser bewusst auf die Frequenzen verzichtete. Allzu viele Bahnunternehmen würden die Zahl über alles stellen. «Dabei ist doch viel wichtiger, was am Ende erwirtschaftet wird.» Die BOB stellten beim Verkehrsertrag mit knapp 15 Millionen Franken einen neuen Rekord auf (wir berichteten). Und auch die Schynige-Platte-Bahn erzielte mit 4,1 Millionen Franken einen neuen Höchstwert. Der Gesamtumsatz lag mit 42,7 Millionen 6,8 Prozent über dem Vorjahr. Da wegen der hohen Investitionen höhere Abschreibungen getätigt wurden, fiel der Gewinn mit 2,1 Millionen Franken tiefer aus als 2017.

Kessler beleuchtete in seinem Bericht auch Probleme. So haben viele Störungen der BOB-Flotte zu schaffen gemacht. «Insbesondere die Altjahreswoche 2017, Anfang Juli 2018 und Februar und März 2019 waren Phasen, während deren sich viele Störungen kumulierten.» Hauptursache seien die elektrischen Verbindungen in den vollautomatischen Kupplungen gewesen. «Die Störungen waren dabei aber nicht sicherheitsrelevant», hielt Kessler fest. Das Problem sei erkannt und entsprechende Massnahmen getroffen worden. «Seit drei, vier Wochen verkehren die Fahrzeuge ohne nennenswerte Störungen.»

Verlorene Einnahmen

Auch auf die Preispolitik kam Kessler zu sprechen, obwohl die BOB als Transportunternehmung im öffentlichen Verkehr «einen sehr beschränkten oder ehrlich gesagt überhaupt keinen Einfluss» auf die Preispolitik hätten. Als «krasses» Beispiel nannte Kessler den Swiss Travel Pass. Damit könnten Touristen für 232 Franken während dreier Tage vom Flughafen oder von der Grenze in ihren Ferienort fahren und auch noch gleich gratis auf die Berge, die sich dem Pass angeschlossen haben.

Die BOB seien gezwungen, diesen Mehrverkehr von geschätzten 100'000 Mehrfrequenzen ohne Anpassung des Verteilers zu transportieren. «Wir gehen hier von einem Einnahmenverlust von rund 600'000 Franken aus.»

Zukunft der Schynige

«Vor einem Jahr haben wir einige Wellen produziert, als der Verwaltungsrat die Zukunft der Schynige-Platte-Bahn anzweifelte», sagte Beeler. «Heute kann ich sagen: Wir wollen sie in der jetzigen Form über einen Zeitraum von rund 25 Jahren weiterführen.» Aussagen über diese Zeitdauer hinaus wären unseriös. Aber Beeler hält fest: «Die nötigen Massnahmen für die Zukunftssicherung übersteigen die eigenen finanziellen Mittel der BOB.»

Berner Oberländer

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