Beeindruckt von der Jodel-Jury

Einer Jury über die Schulter blicken, wenn diese einen Jodlervortrag bewertet. Das «Forum» hat den Wunsch von Ruth Zimmermann aus Aeschi bei Spiez am Expertisenkonzert in Bannwil erfüllt.

Blick über die Schulter der Fachjury: Interessiert beobachtet «Forum»-Leserin Ruth Zimmermann (hinten) das Geschehen.

Blick über die Schulter der Fachjury: Interessiert beobachtet «Forum»-Leserin Ruth Zimmermann (hinten) das Geschehen.

(Bild: Walter Pfäffli)

Die Parkplätze vor dem Mehrzweckgebäude in Bannwil füllen sich, der Andrang ist gross. Viele Jodlerinnen und Jodler wollen sich noch den letzten Feinschliff holen, stehen doch in Kürze wichtige Feste an. Etwa das Bernisch-Kantonale in Steffisburg (3. bis 5. Juni) oder das Nordwestschweizerische Jodlerfest (10. bis 12. Juni) in Rothrist. Und was würde sich da besser eignen als ein Expertisenkonzert.

«Analog zu einem richtigen Fest werden an diesem die Vorträge von einer Jury bewertet», erzählt Kathrin Henkel, in Bannwil Mitglied ebendieser Jury. Der kleine, aber feine Unterschied: Unmittelbar nach ihrem Auftritt erhalten die Protagonisten von einem Jurymitglied eine persönliche Kritik. Womit wir beim Wunsch von Ruth Zimmermann wären.

Inmitten der Jury

Die 53-Jährige aus Aeschi bei Spiez hat einen Brief an die «Forum»-Redaktion verfasst. «Ich würde gerne bei einem Jodlerfest der Jury während eines Vortrags über die Schulter schauen», schreibt sie in diesem.

Wir kontaktieren Stefan Haldemann, Präsident des Bernisch-Kantonalen Jodlerverbands. In Steffisburg sei der Wunsch nur schwierig zu realisieren, meint dieser – und verweist uns an seinen Lebenspartner Jürg Wenger, der beim Expertisensingen in Bannwil der Jury angehört. «Dort könnten wir uns dann auch viel mehr Zeit für die Leserin nehmen», so der Pfarrer aus Signau.

Und so kommt es, dass Ruth Zimmermann nur Tage nach ihrer Anfrage bei dieser Zeitung bereits inmitten einer Jury – oben auf dem Podest – Platz nehmen darf. Eröffnet wird das Konzert vom Gastgeber, dem Jodlerklub Aaregruess aus Bannwil. «Unglaublich, wie schnell die Jurymitglieder beim Bewerten sind, ja sein müssen», staunt Ruth Zimmermann. Bewertet werden von der 3er-Jury Tongebung und Aussprache, Rhythmus und Dynamik sowie harmonische Reinheit.

Nach dem Vortrag von Andreas Ackermann aus Mümliswil darf die «Forum»-Leserin zusammen mit Kathrin Henkel der Nachbesprechung beiwohnen. Diese findet einen Stock tiefer in der Schulhausgarderobe statt. Das Jurymitglied lobt – und gibt Tipps im Hinblick auf den Saisonhöhepunkt.

Insgesamt 34 Vorträge

Kurze Zeit später ist Ruth Zimmermann zurück auf dem Jurypodest. Auf der Bühne gibt gerade Peter Bader-Woltersom aus Mümliswil «Im Gitzibode» zum Besten. Kurze Zeit später ist Pause. «Ja, ich bin bis jetzt voll auf meine Kosten gekommen. Die Arbeit der Jury ist spannend – und schwierig. Ich könnte das nicht, obwohl ich selber seit über zwanzig Jahren jodle.»

Während die Mutter von zwei erwachsenen Kindern vom Jodlerklub Aaregruess verköstigt wird, steht Jürg Wenger Rede und Antwort. Und dann geht es auch schon wieder weiter. Bis tief in die Nacht. Insgesamt 34 Vorträge bekommen Zuschauer, Jury und mit ihr Ruth Zimmermann zu hören. «Ich habe den Abend sehr genossen», so die Oberländerin. Apropos genossen. Der Jodlerklub Guldentalerjodler aus Mümliswil beendet das Expertisensingen kurz vor 23 Uhr passend mit dem Lied «Lueget, loset, gniesset».

Berner Zeitung

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