Grindelwald

Bald per Ski vom Bodmi in den Grund?

GrindelwaldDer Weg für die Talabfahrt vom Bodmi in den Grund ist frei, die Gemeindeversammlung ge­nehmigte die Änderung der Überbauungsordnung. Weiter stimmte sie Verpflichtungskrediten von knapp 3,1 Millionen Franken zu.

Kunsthistoriker Manuel Kehrli zeigte vor der Versammlung Fundstücke aus dem Archiv – hier das doppelt versiegelte Satzigebuch von 1605.

Kunsthistoriker Manuel Kehrli zeigte vor der Versammlung Fundstücke aus dem Archiv – hier das doppelt versiegelte Satzigebuch von 1605. Bild: Nathalie Günter

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Die Änderung der Überbauungsordnung (ÜO) «Beschneiungs­anlagen und Pistenkorrekturen Skigebiet Grindelwald-First» aus dem Jahr 1998 gab am Freitag an der Gemeindeversammlung Grindelwald als einziges Traktandum zu reden. Die ÜO wurde 2013 durch den Teil Sesselbahn Isch–Schonegg ergänzt.

Ziel der Änderung ist es, «die Talfahrt vom Bodmi in den Grund sicherzustellen», sagte Gemeinderat Thomas Ruoff. Dabei ist auch eine Querung der Dorfstrasse ­nötig (wir berichteten). Weiter könnte eine Sesselbahn Isch–Schonegg gebaut werden, die die Wintersportler zurück zur Firstbahn bringt. Mitwirkung und Auflage sind abgeschlossen.

14 Einsprachen eingegangen

«Wir haben vierzehn Einsprachen erhalten», sagte Ruoff. Mit dem Detailplan und der Anpassung der Zapfstellen für die Beschneiung sei man zwei Einsprachen entgegengekommen. Die übrigen zwölf seien aus Sicht des Gemeinderates öffentlich-rechtlich unbegründet.

«Ist das wirklich eine Attraktivitätssteigerung, wenn alles verbunden ist?», fragte ein Anwohner. Er möge sich erinnern, dass in den letzten zwei Jahre alles grün gewesen sei. «Dass die Skifahrer bis in den Grund fahren können, ist wichtig», sagte Gemeindepräsident Christian Anderegg.

«Wenn die Beschneiung zu teuer wird, weil es zu grün ist, besteht dann die Möglichkeit, die Bahn wieder abzureissen?» Anwohner

«Wir haben die Klima­veränderung vor dem Haus – man sehe sich nur mal die Gletscher an», meinte der Bürger weiter. Er mache sich Sorgen, dass er einen «Betonklotz» – die Bergstation der Seilbahn Isch–Schonegg – vor dem Haus haben werde. «Wenn die Beschneiung zu teuer wird, weil es zu grün ist, besteht dann die Möglichkeit, die Bahn wieder abzureissen?»

Gemeinderat Ruoff verwies auf die Möglichkeit einer Einsprache. «Wir wissen auch noch nicht, ob es überhaupt so realisiert wird», sagte Anderegg. Der Änderung der ÜO wurde mit 74 Ja- zu 13-Nein-Stimmen zugestimmt.

Die sieben Verpflichtungskredite von knapp 3,1 Millionen Franken nahmen die Bürger mehrheitlich einstimmig an. Einzig beim Beitrag an die Sportzentrum Grindelwald AG – 120'000 Franken pro Jahr über fünf Jahre – ­waren acht Bürger dagegen. Der Kredit wird unter anderem dafür benötigt, «die Gebäudehülle isolationstechnisch zu verbessern und so die Energiekosten zu senken», sagte Gemeinderat Peter Baumann.

Auch gebe es eine Holzverkleidung an der Nord- und der Westfassade, die sich dem Eiger+ angleicht. 953'000 Franken bewilligten die Grindelwalder für den Neubau des Doppelkanals und den Ersatz der Kanalisation beim Weidli-Sandigenstutz.

Satzigebuch von 1605

Die Stimmbürger genehmigten auch den Nachkredit von 35 000 Franken für die Archivreorganisation der Verwaltung. Vor der Versammlung hatte Kunsthistoriker Manuel Kehrli Einblick in die Arbeiten gegeben. Insgesamt hätten er und sein Team gefühlte fünfhundert Laufmeter Papier aus fünfhundert Jahren durchgeschaut. «Wir sind tief in die Geschichte von Grindelwald eingedrungen», sagte Kehrli.

«Wir sind tief in die Geschichte von Grindelwald eingedrungen.»Kunsthistoriker Manuel Kehrli

Sie stiessen auf ein Rechnungsbuch aus dem Jahr 1786 oder ein Dokument über die Weidstreitigkeit – wem gehört wo was – aus dem Jahr 1736. Das Hauptfundstück sei ein Satzigebuch (Regelsprechung) von 1605 gewesen – das Landrecht von Interlaken in der Ausführung Talschaft Grindelwald.

«Wegen des Schimmelbefalls im Sportzentrum mussten wir zwei bis drei Laufmeter evakuieren und das Ganze in den neuen Standort Magazin Hellbach zügeln», erklärte Kehrli den Mehraufwand von 35'000 Franken. In der Verwaltung selbst seien zudem mehr «Laufmeter» als bei der Offerte erwartet zum Vorschein gekommen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 04.12.2016, 19:47 Uhr

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Das 25-Millionen-Budget von Grindelwald sieht einen Aufwandüberschuss von 613 000 Franken vor. Die Bruttoinvestitionen betragen 11,44 Millionen Franken. «Das könnten wir nicht finanzieren», sagte Christoph Anderegg zum Investitionsbetrag. Man werde nicht so viel ausgeben. Die Steuern bleiben 2017 gleich bei 1,79 Einheiten. Die Gemeindeversammlung nahm das Budget einstimmig an. (ngg)

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