Avari weiht Erweiterungsbau ein

Wilderswil

Für sechs Millionen Franken wurde die Avari, die auf dem Bödeli Fernwärme aus Oberländer Holz liefert, auf eine Leistung von 15,4 Megawatt erweitert. Am Wochenende wurde die Anlage eingeweiht.

An der Führung für Behördenmitglieder erläutert Geschäftsführer Martin Heim den Betrieb des erweiterten Holzschnitzellagers.

An der Führung für Behördenmitglieder erläutert Geschäftsführer Martin Heim den Betrieb des erweiterten Holzschnitzellagers.

(Bild: Sibylle Hunziker)

Ein vierter Holzkessel mit einer Leistung von 4 Megawatt, ein vergrössertes Holzschnitzellager, das neu 2600 Kubikmeter Schnitzel fasst, zwei zusätzliche Heisswasserspeicher, die eine bessere Auslastung der Anlage erlauben, und ein riesiger neuer Elektrofilter: Die neueste Erweiterung des Holzwärmewerks Avari in Wilderswil ist eindrücklich. Zugleich ist damit nach nunmehr 19 Jahren der Endausbau des Werks vollendet.

Ein grosses Werk

«Heute gehört die Anlage selbst im gesamtschweizerischen Vergleich zu den grossen Werken», sagte Projektleiter Michael Cuen bei der Präsentation des Neubaus. Mit einer Leistung von 15,4 Megawatt kann das Werk so viel Wärme produzieren, wie 5000 Einfamilienhäuser verbrauchen – rund dreimal mehr als in den Anfangszeiten.

«Diese Entwicklung war dank den weitsichtigen Gründern möglich», sagte Peter Aeschimann, Verwaltungsratspräsident der Wärme Bödeli AG, die zur Hälfte den Bödeligemeinden gehört und in der Avari und ­Beotherm zusammengeschlossen sind.

«Dass wir mit der Nutzung der einheimischen, CO2-neutralen Energie auf dem richtigen Weg sind, zeigen die Probleme rund um den Klimawandel deutlicher denn je.»

Denn zum einen wird mit der Holzenergie viel Öl ersetzt und so der CO2 reduziert; und zum andern trägt der Absatz von Energieholz zur Finanzierung der Schutzwaldpflege bei, die angesichts der Verschärfung von Naturgefahren durch den Klimawandel immer wichtiger wird.

Holz aus der Region

«Das Holz, das von der Beo Wald und Holz GmbH eingekauft wird, stammt nach wie vor aus dem Oberland-Ost», erläuterte Geschäftsführer Martin Heim an der Führung für Behördenmitglieder, zu der sich am Freitag die Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten vom Bödeli, Gemeinde- und Grossräte sowie der Regierungsstatthalter eingefunden hatten.

«Eine Ausnahme sind Sägereiabfälle vom grossen Sägewerk Reinhardt in Erlenbach, das aber auch viel Holz aus dem öst­lichen Oberland verarbeitet», sagte Heim.

Vom Volumen her fast so imposant wie das Schnitzellager ist der Elektrofilter für Feinstaub, der über drei Stockwerke reicht. Zusammen mit einer Anlage, die Harnstoff in die Abluft einspritzt und damit die Stickoxide bindet, sorgt er für die Einhaltung der Vorschriften zur Luftreinhaltung.

Und bevor die Luft das System verlässt, wird ihr ganz zuoberst unter dem Dach noch die letzte Wärme entzogen und der Nutzung zugeführt. Bei der Verbrennung und der Abgasreinigung fallen im Jahr etwa 90 Tonnen Asche und Staub an, die in einer speziellen Deponie entsorgt werden.

Damit die Wärmeproduktion jederzeit ohne Unterbruch funktioniert, ist die Anlage mehrfach abgesichert. So gibt es für die ­Belieferung der Holzöfen einen zweiten Kran.

Und wenn einmal wirklich alle Stricke reissen, kann auf Heizöl umgestellt werden. Dieser Tank wurde aber nicht vergrössert; er reicht an einem kalten Tag gerade mal für 20 Stunden und wird erfahrungs­gemäss für weniger als ein Prozent der Wärmeproduktion gebraucht.

Technik aus der Region

Marianna Lehmann, Präsidentin der Standortgemeinde Wilderswil, gratulierte zum erfolgreichen Projekt und freute sich besonders über die guten Aufträge fürs Gewerbe – rund die Hälfte der sechs Millionen Franken, die in den letzten Ausbauschritt investiert wurden, blieben in der Region.

Gestärkt vom feinen ­Apéro, den das Hotel Bären vorbereitet hatte, fachsimpelten die Behördenvertreter noch lange über die Nutzung einheimischer erneuerbarer Energien. Und am Samstag öffnete die Avari ihre Türen für die interessierte Be­völkerung.

Berner Oberländer

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