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Ausschaffung – jetzt begutachtet der Psychiater

Das Staatssekretariat für Migration will weitere Abklärungen: Es verlangt im Fall der syrischen Familie, der die Ausschaffung droht, psychiatrische Gutachten.

Im Gegenlicht: Die syrische Mutter und ihre beiden Kinder sollen nicht erkennbar sein – zu ihrem eigenen Schutz.
Im Gegenlicht: Die syrische Mutter und ihre beiden Kinder sollen nicht erkennbar sein – zu ihrem eigenen Schutz.
Jürg Spielmann

Das akut Drohende konnte abgewendet werden: In Hondrich war befürchtet worden, dass die Wegweisung einer syrischen Mutter und deren Kinder während der Frühlingsferien vollzogen wird. Dann, wenn die zwölfjährige B.* und ihr neunjähriger Bruder N.* nicht aus ihren Schulklassen gerissen werden müssten. Die Asyl suchende Kleinfamilie lebt in der Kollektivunterkunft Bärgsunne.

Die Ferien sind am Freitag zu Ende – und Jürg Walker, Anwalt von R. O.* und deren Kindern, sagt: «Ich gehe davon aus, dass vorerst nichts passiert.» Ganz bestimmt nicht bis zum 26. April. Nächsten Donnerstag läuft die Frist aus, die ihm das Staatssekretariat für Migration (SEM) jüngst gesetzt hat. Per Express und eingeschrieben.

Letzten Freitag wurde Walker darüber informiert, dass das Migrationsamt weitere Abklärungen im Rahmen des Wiedererwägungsgesuches verlangt. Bekanntlich hatte der Jurist dieses ans SEM gerichtet, damit die vom Bundesver­waltungsgericht am 9. Februar beschlossene Wegweisung in einen Drittstaat bis auf weiteres ausgesetzt wird. Im nordeuropäischen Ersteinreiseland, aus dem Mutter und Kinder vor dem mutmasslich gewalttätigen Ex-Mann und Vater in die Schweiz geflüchtet waren, drohten Misshandlung und häusliche Gewalt. Oder sogar mehr: Die Sippe des Ex-Mannes, die keine Scheidung akzeptiere, trachte ihr nach dem Leben. Das erzählte die Syrerin dieser Zeitung.

Anwalt: «Frist ist illusorisch»

Die finale Chance, eine Ausschaffung ins drohende Verderben abzuwenden, sieht Jürg Walker darin, die Verletzlichkeit der Mandanten zu beweisen. R. O. – wie ihre Kinder – leidet unter akuten psychischen Problemen. So ist es in einem Brief von Psychologin Margrit Gerber ans SEM zu lesen. Letzteres fordert nun den Anwalt auf, in der genannten Frist psychiatrische Gutachten einzureichen. Um die Sachlage abschliessend zu beurteilen, wie es heisst.

«In Bezug auf das Gutachten, das ich für R. O. beibringen muss, habe ich um eine Fristerstreckung bis Ende Juni ersucht. Vorher ist der von mir gefundene Gutachter nicht in der Lage, das Gutachten zu erstellen.» Auch gelte es zu klären, wie sich ein solches finanzieren lasse. Bis zu 10'000 Franken koste ein Gutachten. Die Frist des SEM nennt Jürg Walker «illusorisch».

Das Gleiche habe er seitens der Kesb Oberland-West gehört. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde in Frutigen soll, so will es das SEM, die kinderpsychiatrischen Gutachten ausstellen. Offenbar wird jemand gesucht, der diese erstellen kann, da die Kesb nach dem Anwalt selber keine Gutachten macht. Von der Kesb war am Mittwoch keine Stellungnahme zu erhalten. Das SEM hatte bereits letzte Woche wissen lassen, dass wegen des laufenden Verfahrens keine weiteren Fragen dieser Zeitung beantwortet würden.

Die Geschichte der Familie, die von der Schule Hondrich angestossen und von dieser Zeitung publik gemacht wurde, schlägt hohe Wellen. Die Bäuert, Elternvertreter, die Gemeinde wie die Kirche engagieren sich mit Wort und Tat für einen Verbleib in der Schweiz.

* Namen der Redaktion bekannt.

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