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Aus Liebe wurde Hass

Das Regionalgericht Oberland hat einen Polen vom Vorwurf der Verletzung des Berufsgeheimnisses freigesprochen. Der Mann war in einem Spital tätig.

Das Regionalgericht Oberland hat einen Polen vom Vorwurf der Verletzung des Berufsgeheimnisses freigesprochen.
Das Regionalgericht Oberland hat einen Polen vom Vorwurf der Verletzung des Berufsgeheimnisses freigesprochen.

Der 33-jährige polnische Staatsangehörige, der in einem Spital im Oberland als medizinische Hilfsperson tätig ist, übermittelte im Herbst 2017 einer Drittperson über ein Chatportal vertrauliche Daten über den Gesundheitszustand eines Patienten. So gab er bekannt, dass dieser unter schweren Depressionen, Anpassungsstörungen, Schlafstörungen und Panikattacken leide. Daraufhin erstattete dieser Anzeige.

Mit seinem Vorgehen hat der Beschuldigte das Berufsgeheimnis verletzt. Ausserdem soll er eine Ampulle Pethidin unbefugt bei sich zu Hause aufbewahrt haben, wobei diese Droge nicht für den Eigenkonsum bestimmt war. Pethidin ist ein Stoff, der gemäss Verordnung des EDI über die Verzeichnisse der Betäubungsmittel (psychotrope Stoffe, Vorläuferstoffe und Hilfschemikalien) der Betäubungsmittelgesetzgebung unterstellt ist.

Ein Beziehungsdrama

Damit machte sich der Beschuldigte der Widerhandlung gegen dieses Gesetz schuldig. Die beiden Delikte bescherten ihm einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern, Region Oberland. Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 130 Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu einer Verbindungsbusse von 650 Franken und Gebühren von 500 Franken verurteilt. Weil er Einsprache erhob, kam es gestern zur Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Oberland in Thun.

Die einstündigen Vergleichsverhandlungen brachten keine Einigung. Das verwunderte eigentlich nicht, steckte doch hinter der ganzen Sache ein Beziehungsdrama. Der Beschuldigte und der Privatkläger waren nämlich seinerzeit ein Paar gewesen.

Die Beziehung ging dann in die Brüche. So wurde ein Racheakt des Beschuldigten vermutet. Dieser wies bei der Einvernahme durch Gerichtspräsidentin Franziska Friederich Hörr jede Schuld von sich. Zu den Fragen der Anwältin des Privatklägers verweigerte er die Aussagen.

Verstoss gegen Betäubungsmittelgesetz

In Bezug auf die Ampulle mit der Droge konnte oder wollte er sich nicht mehr so recht erinnern. Er liess sogar die Vermutung aufkommen, dass ihm diese vom Privatkläger oder von einem Dritten «untergejubelt» worden sei. Der besagte Helfer – als Zeuge einvernommen – brachte kein Licht ins Dunkel.

«Aus Liebe und Zuweisung sind Hass und Rache geworden», begann die Anwältin des Privatklägers ihr Plädoyer. Die Verletzung des Berufsgeheimnisses erachtete sie aufgrund der Chats als erwiesen. Sie forderte Schuldsprüche in beiden Anklagepunkten sowie eine angemessene Genugtuung für ihren Mandanten.

«Aufgrund der Sachlage» kam die Einzelrichterin zu einem Freispruch in Bezug auf die Verletzung des Berufsgeheimnisses. Hingegen erklärte sie den Angeklagten der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig. Sie sprach eine bedingte Geldstrafe von 8 Tagessätzen zu je 130 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren und eine Busse von 260 Franken aus. Zudem hat der Mann 990 Franken Verfahrenskosten zu bezahlen. Die Zivilklage ist abgewiesen worden.

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