Von der «Glungge» zum Poolrace

Wengen

Eine «Glungge» und eine Laweine inspirierten Karl Näpflin zum Poolrace. Auch bei der 20. Ausgabe galt für Teilnehmer wie Zuschauer: Dabeisein ist alles.

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Schöner, sonniger könnte der Tag nicht sein. Wer nicht auf die Pisten wollte, traf sich am 30-Meter-Pool am Figeler, mitten im Skischulgelände. Kurz nach 12Uhr wagten sich die ersten Racer auf die 100-Meter-Anlaufpiste. Noch galt es nicht ernst, und doch, das Wasser im Pool war nicht wärmer als beim heissen Wettkampf, wenn es um den Sieg am Nachmittag geht.

Wer hats erfunden?

«Als Schulbuben versuchten wir, wenn sich im Frühling bei der Schneeschmelze erst ‹Glunggen› bildeten, über das Schmelzwasser zu gleiten. Die Tümpel wurden immer grösser und wir immer nasser. Ein Plausch, ein Gaudi», erinnert sich Karl Näpflin, Veranstalter des Poolrace.

Im Lawinenwinter 1999 wälzte sich eine gewaltige Lawine vom Männlichen her bis ins Skischulgelände. Meterhoch türmten sich hier die Schneemassen auf. «Ich war der Meinung, jetzt sollten wir etwas auf die Beine stellen, das Spass macht und nach dem trübseligen Winter Lebensfreude schafft.

Eine Party, wie sie Wengen noch nie erlebt hat», war Karl Näpflin überzeugt. Zusammen mit seiner Familie und dem Team der Schneebar Figeler im Skischulgelände mitten in Wengen lancierten sie das erste Poolrace. Aus den bescheidenen Anfängen hat sich ein Event entwickelt, der im Winterangebot von Wengen nicht mehr wegzudenken ist. Der Erfolg hat sich in andern Skigebieten schnell herumgesprochen und viele Nachahmer gefunden.

Wie vor zwanzig Jahren engagiert sich die Familie Näpflin voll für ihr Projekt: Karl steht als Verantwortlicher am Bassin. Nichts entgeht ihm. Er hat alles im Auge, alles im Griff. Und wenn die beiden Schwimmer mit ihren Rettungsringen bereit sind, gibt er mit der Schweizer Fahne in der Hand den Start frei.

Mit seiner Tochter Lia ist er online verbunden. Sie hat es sich mit dem Mikrofon in der Hand auf einem Sofa hoch über dem Pool bequem gemacht. Als witzige, aufgestellte Speakerin kennt sie die tollkühnen Athleten und ihre Stärken und weiss sich gegen den aufgedrehten DJ durchzusetzen. Beide heizen sie dem Publikum richtig ein. Im Laufe des Nachmittags haben sich rund 1000 Personen um den Pool versammelt, die Party steigt.

Ruhig und konzentriert verfolgt Sabine Näpflin mit dem Erste-Hilfe-Köfferli in der Hand das Geschehen. Sie ist zusammen mit ihrem Gatten Karl seit der Geburt des Events dabei. Und als «Mutter Courage» stand sie viele Jahre selber am Start. Heute fiebert sie mit, wenn ihr Sohn Timm um den Sieg kämpft. Im letzten Jahr gewann er das Poolrace, in diesem Jahr wurde er Vierter.

Spass am Nervenkitzel

Das gilt für die Zuschauer, besonders aber für die tollkühnen Athleten. Diese juckt es, den eigenen Schweinehund zu überlisten, sich in die Anlaufspur zu schwingen und in vollem Tempo dem Pool entgegenzurasen.

Das Gefühl muss einzigartig sein, in vollem Tempo durch das Wasser zu preschen und immer langsamer werdend dem rettenden Ufer entgegenzufiebern. Gelingt es nicht, wird das Bad im sechs Grad kalten Wasser unausweichlich. Als Trost erhalten sie einen heissen Applaus und ein trockenes Badetuch...

Beim Wengener Poolrace geht es nicht wie an einem Weltcuprennen um Hundertstelsekunden oder wie beim Skispringen um Zentimeter. Dies gilt auch für die drei Ersten.

Noch nass von den Strapazen stellten sich die Gewinner in Pose: Klaus Niederhäuser, der Sieger, Tobias Näpflin als Zweiter und Leonard Bischoff als Dritter. Dabei sein ist alles, das gilt auch für die Zuschauer, hier einen vergnügten Nachmittag und eine tolle Party zu erleben. Sonnenbrand und Kater inbegriffen...

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