Armee räumt Wrackteile von Gauligletscher

Innertkirchen

Ein Trümmerfeld wird aufgeräumt: Die Armee birgt seit Montag die Überreste der 1946 auf dem Gauligletscher abgestürzten Dakota.

Unter der Leitung von Fritz Teuscher räumen Gebirgsspezialisten der Schweizer Luftwaffe das Trümmerfeld auf dem Gauligletscher. Video: Martin Bürki

Die einzelnen Zylinder des Sternmotors sind noch gut sichtbar, Benzinleitungen hängen runter, die Propeller sind verbogen. Unter dem Motorblock ein hellbrauner Brei, womöglich letzte Resten von Öl. In die rote Lackierung der Propellernase haben ­Besucher aus der Neuzeit Buchstaben eingeritzt.

Rundherum liegen Schrauben, Teile von irgendwelchen Textilien, ein Stück einer Flasche liegt da, gleich daneben der Deckel. Es sind Stücke einer unglaublichen Geschichte, die nun je länger, je mehr aus dem Eis auftauchen. Reste eines Flugzeugs, das durch den Gletscher «gewandert» ist.

Im November ist es 72 Jahre her, dass die DC-3 vom Typ Dakota bei schlechter Sicht auf dem Gauligletscher aufschlug – und liegen blieb. Die Insassen über­lebten. Die Rettung der Passagiere schrieb Geschichte, kein Romanautor hätte sich die Handlung wohl kühner ausdenken können.

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Zwei Tage Arbeit

Zurück im hier und jetzt: Das ­Gebirgsdetachement der Armee räumt nun die Überreste des im November 1946 abgestürzten Dakota-Flugzeugs weg. «Zwei Tage lang räumen wir auf, danach wird das Material ins Tal geflogen», sagt Jürg Nussbaum, Sprecher der Luftwaffe. Rund zehn Per­sonen und ein Fotograf unter der Führung von Fritz Teuscher, Leiter Gebirgsdetachement, stehen im Einsatz. Schätzungsweise 1500 bis 2000 Kilogramm Material sollen ins Tal geflogen werden. Allein der Motor wiegt rund 900 Kilogramm.

Fritz Teuscher weiss Interessantes zu erzählen: «Das Flugzeug stürzte vier Kilometer weiter oben ab und verschwand danach im Eis.» Die letzten Jahre tauchten immer wieder Trümmer auf, jetzt sogar einer der zwei Motoren der Passagiermaschine. «Ich hoffe, dass bis zu meiner Pensionierung auch noch das Cockpit auftaucht», sagt Fritz Teuscher. Das wäre dann in drei Jahren so weit. Bis am Dienstag will die Armee den Einsatz auf rund 2500 Metern über Meer beendet haben.

In Zukunft werden weitere Einsätze nicht aus­geschlossen. «Wir arbeiten hier auf Geheiss des Bundesrates», sagt Nussbaum. Dieser hatte angeordnet, dass der Gletscher gereinigt werden müsse. «Zuerst wird das Material ins Urbachtal geflogen , danach auf einen Lastwagen verladen.» Bestimmungsort ist der Flugplatz Meiringen. Die Geschichte um die abge­stürzte Dakota erhielt 2012 ­wieder Nahrung, als junge Bergsteiger auf der Gletscherober­fläche einen frei liegenden Propeller fanden. Die Armee transportierte diesen später ins Tal.

BO-Reporter Fritz Lehmann bei den Aufräumarbeiten auf dem Gauligletscher. Video: Fritz Lehmann.

Arbeit mit der Trennscheibe

Im September 2015 entdeckte ein Reporter dieser Zeitung erstmals ganze Wrackteile des Flugzeugs. Für allzu viel Nostalgie haben die Männer auf dem Gletscher keine Zeit: Walter Otth und Gideon Schranz zerlegen mit einem grossen Trennschneider Metallteile, um diese anschliessend auf Netzen aufzuschichten.

Diese werden dann auf dem Luftweg ins Tal geflogen. Andernorts wiederum steht regelrechte Sisyphusarbeit an: In gebückter Haltung und manchmal auf den Knien klauben andere Helfer Kleinteile auf und füllen damit Säcke ab. Für spezielle Situationen habe man Ölbinder dabei oder ein saugfähiges Vlies, sagt Teuscher.

Zu möglichen Umweltgefährdungen sagt Jürg Nussbaum: «Es gibt kleinräumige, lokale Verschmutzungen durch Motor- und Getriebeöle, welche im Bereich des Motorblocks sichtbar sind.»

Diese sollten im Rahmen der Bergung der Flugzeugteile mit ein­fachen Mitteln (Schaufeln, Pickel, Big Bag) gesäubert und anschliessend ebenfalls abtransportiert werden. «Seitens Ge­wässerschutz sehen wir keinen weiteren Handlungsbedarf. Die Flugzeugteile sind relativ grossflächig verteilt, stellen aber überhaupt keine Wassergefährdung dar.»

Material wird entsorgt

Laut Nussbaum wird das Material, nachdem es ins Tal geflogen wurde, zu einem späteren Zeitpunkt in Meiringen gesichtet. «Anschliessend wird man entscheiden, was einen historischen Wert hat, den Rest wird man entsorgen.» Dann geht für einige Teile des geschichtsträchtigen Flugzeugs eine lange Reise zu Ende. Die mit einem Flug begann und mit einem Flug ins Tal endete.

Berner Oberländer

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