Am Berg war Hürzeler eine Klasse für sich

Der Wilderswiler Neo-Profi Samuel Hürzeler sicherte sich mit grossem Vorsprung seinen 5. Sieg an der infernalischen Herausforderung von Thun aufs Schilthorn.

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Das Thunerseewasser hatte eine Temperatur von 21 Grad und war damit 6 Grad wärmer als die Luft, als die Inferno-Triathlon-Athletinnen und -Athleten am Samstagmorgen um halb sieben Uhr ihre abwechslungsreiche «Reise» aufs Schilthorn in Angriff nahmen.

Es galt, 3,1 Kilometer nach Oberhofen zu schwimmen, dann 97 Kilometer auf dem Rennrad über die Grosse Scheidegg nach Grindelwald zurückzulegen, aufs Mountainbike umzusteigen und über die Kleine Scheidegg nach Stechelberg zu fahren und als Dessert 25 Kilometer weit aufs Schilthorn zu (berg-)laufen. Insgesamt: 155,1 Kilometer, 5500 Steigungsmeter.

Samuel Hürzeler stieg nach 44 Minuten und 29 Sekunden als erster der Favoriten in Oberhofen an Land. Roman Krebs, der letztjährige Zweite, lag schon über 7 Minuten zurück. Aber Hürzeler wurde vom Deutschen Thomas Kaiser herausgefordert, den eigentlich niemand auf dem Radar hatte.

Bereits in Beatenberg hatte dieser die 3 Minuten, die er nach dem Schwimmen hinter Hürzeler zurücklag, aufgeholt und übernahm die Spitze, die er kontinuierlich ausbaute. Er war auf der Rennradstrecke gut 8 Minuten schneller als der Titelverteidiger. Und auch schneller als der starke Rennradfahrer Ramon Krebs, der im Schwimmen viel Zeit verloren hatte.

Auf dem Mountainbike machte sich Hürzeler ans Auf­holen, Kaiser kam auf der Kleinen Scheidegg in Sichtweite des Titelverteidigers, und in Stechelberg waren die beiden Spitzenleute auf die Sekunde genau gleichauf.

Das Rennen konnte neu beginnen. Und Hürzeler legte los, als sei der Teufel hinter ihm her. Bereits in Mürren hatte er seinen Verfolger um eine Viertelstunde distanziert. Als Samuel Hürzeler als viel bejubelter – nun fünffacher – Inferno-Sieger nach 8 Stunden 35 Minuten und 55 Sekunden den in Wolken gehüllten Piz Gloria erreichte, war von seinen Mitkonkurrenten noch weit und breit nichts zu sehen.

Der Beste von ihnen, Thomas Kaiser, traf 27 Minuten nach dem Oberländer ein. Hürzeler war nun Kaiser, Kaiser (nur) noch König. Mit einem ­fulminanten Berglauf (zweitbeste Abschnittszeit nach Hürzeler) erkämpfte sich der Berner Micha Güdel überraschend den dritten Podestplatz.

Ramon Krebs (Münsingen) wurde ­Vierter.«Si hei mi gjagt», sagte Hürzeler am Ziel über seine Gegner. Und beinahe hätten sie ihn zu einem neuen Streckenrekord gejagt, den seit 18 Jahren der Rüschegger Stefan Riesen mit 8:34:27 innehat. Wobei zu beachten ist, dass die Streckenführung im Jahr 2000 mit der heutigen nicht ganz identisch war. Mit seinem Rennen zeigte sich Hürzeler natürlich sehr zufrieden.

Der Routinier liess sich von der fulminanten Rennvelofahrt Kaisers nicht aus der Ruhe bringen. «Ich fuhr über die Grosse Scheidegg mein Tempo», erzählt er. Bereits über die Kleine Scheidegg war er dann über 5 Minuten schneller als der Deutsche. Hat der souveräne Sieger auch an den Streckenrekord gedacht? «Zwischendurch schon ein wenig», gibt er zu, «aber ich habe die Bergstrecke noch nie unter 2:50 geschafft.»

Das hat er nun: In 2 Stunden, 49 Minuten und 43 Sekunden lief er von Stechelberg über Lauterbrunnen und Mürren auf den Schilthorngipfel.

Kenner der Szene trauten Petra Eggenschwiler aus Langendorf schon zu, die siebenfache In­ferno-Siegerin Nina Brenn (Flims Waldhaus) zu entthronen. Wenn sie denn im Schwimmen weniger Zeit als bisher auf die Seriensiegerin verlieren würde.

Das tat sie. Und sie war auch schneller als Brenn auf dem Schilthorn. Und doch reichte es wiederum nur zu Platz zwei. Die Deutsche Lena Berlinger verwies nämlich die beiden Schweizerinnen auf die Plätze zwei und drei. Und dies überlegen mit 20 Minuten Vorsprung.

Berlingers Siegesrezept: «Ich habe einfach mein Tempo durchgezogen.» Und sie sei dann schon überrascht gewesen, «als von hinten niemand aufholte», meinte sie. Siegerzeit: 9:31:04. Neuer Streckenrekord.OK-Präsident Heinz Zurbrügg zog ein positives Fazit: «Es war ein von A bis Z gelungenes 21. Inferno-Rennen.

Mit einem grossartigen Sieger, einem neuen Streckenrekord bei den Frauen und über 500 Teilnehmern am Halbmarathon. Und keinen nennenswerten Un- oder Zwischenfällen.» Und noch etwas: Der Emmentaler Beat «Bidu» Baumgartner startete am 21. Inferno zum 21. Mal und finishte zum 21. Mal.

Resultate Inferno-Triathlon
Männer overall:
1. Samuel Hürzeler (Wilderswil) 8:35:55,6. 2. Thomas Kaiser (D) 27:02,7 zurück. 3. Micha Güdel (Bern) 37:06,0. 4. Ramon Krebs (Münsingen) 41:16,4. 5. Mathias Nüesch (Widnau) 42:18,6. 6. Rafael Wyss (Thalwil) 46:08,9. 7. Christian Rutschmann (Herzogenbuchsee) 53:30,0. 8. Patrick Wallimann (Jonen) 54:38,1. 9. Peter Ströhle (D) 56:27,1. 10. Manuel Schreiber (Ö) 58:13,7. 11. Patrick Zürcher (Oey) 1:00:48,2 (klassiert 183, gestartet 242).

Frauen overall: 1. Lena Berlinger (D) 9:31:04,6. 2. Petra Eggenschwiler (Langendorf) 20:08,6 zurück. 3. Nina Brenn (Flims Waldhaus) 22:34,2. 4. Maya Chollet (Genève) 56:09,1. 5. Renata Bucher (Luzern) 1:09:33,2. 6. Alexandra Lehmann (Oey) 1:12:19,5. 7. Alexandra Hagspiel (D) 1:30:58,3. 8. Daniela Stump (Schönholzerswiler) 1:41:27,9. 9. Tabea Ruegge (Uettlingen) 1:44:29.8. 10. Barbara Lehmann (Hofstetten SO) 2:00:20,4. 11. Judith Hadorn (Fahrni b. Thun) 2:11:47,6 (klassiert 29, gestartet 38).

Team Trophy open: 1. Hulftegg-Stafette 6:50:03,7. 2. Imboden Bike Lauterbrunnen (Isa Manzoni, Florian Thie, Daniel Eymann, Tim Dülfer) 6:56:29,3. 3. Karl Baur Treuhand 7:07:55,9 (klassiert 99).Inferno-HalbmarathonMänner overall: 1. Werner Marti (Grindelwald) 2:02:11,1. 2. Mekonen Tefera (Herrenschwanden) 2:43,3 zurück. 3. Jonas Lehmann (D) 6:44,0. Ferner: 8. Philipp Feuz (Ringgenberg) 13:06,1 (klassiert 375).

Frauen overall: 1. Holly Page (GB) 2:29:01,7. 2. Martina Krähenbühl (Belp) 0:42,8 zurück. 3. Michèle Mittelholzer (Grindelwald) 1:04,1. 4. Karin Jaun (Unterseen) 16:17,5. 5. Corinne Zeller (Weisenburg) 17:24,0 (klassiert 111).

Die komplette Rangliste ist hier einsehbar. (Berner Oberländer)

Erstellt: 19.08.2018, 20:45 Uhr

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