Alle wollen das Beste fürs Tal – nur anders

Lenk

Unterschiedliche Konzepte und Ideen, gleiche Stossrichtung: Das kontrovers geführte Podiumsgespräch zur TALK ­ergab mehr Verbindendes als Trennendes. Alle Beteiligten wollen für die Zukunft der Lenk und des Tals nur das Beste.

Die TALK-Podiumsrunde in der Mehrzweckhalle Lenk (v. l.): Sarah Schmid (Projektleiterin, Firma Hanser und Partner AG), Roland Berger (Präsident Lenk-Simmental Tourismus AG und designierter Verwaltungsratspräsident TALK), Gemeinderat Hansjörg Schneider, Regierungsrat Christoph Ammann, Vizegemeindepräsident René Müller als Moderator, Walter Zeller (IG Lenk) und Franz Schürch (Alt-Hotelier und Alt-Präsident Kur- und Verkehrsverein Lenk).

Die TALK-Podiumsrunde in der Mehrzweckhalle Lenk (v. l.): Sarah Schmid (Projektleiterin, Firma Hanser und Partner AG), Roland Berger (Präsident Lenk-Simmental Tourismus AG und designierter Verwaltungsratspräsident TALK), Gemeinderat Hansjörg Schneider, Regierungsrat Christoph Ammann, Vizegemeindepräsident René Müller als Moderator, Walter Zeller (IG Lenk) und Franz Schürch (Alt-Hotelier und Alt-Präsident Kur- und Verkehrsverein Lenk).

(Bild: Markus Hubacher)

«Ich bin beeindruckt vom Herzblut in allen Voten und von der Einsicht im Wissen, wie wichtig der Tourismus für den Ort und das Tal ist.» Mit diesen Worten verabschiedete sich Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann kurz nach 21 Uhr vorzeitig von rund 200 Besucherinnen und Besuchern in der Mehrzweckhalle Lenk.

«Ihr seid gar nicht so weit voneinander weg. Die einfache Organisationsstruktur von Lenk-Simmental Tourismus ist im Projekt TALK angelegt», machte er noch Mut, «um die letzten Energien für die Überzeit in der Verlängerung zu sammeln, damit wir ab dem 1. Juli in der neuen Organisation starten können.»

Der SP-Regierungsrat aus Meiringen war einer der sechs Podiumsteilnehmer, die sich den Fragen des Lenker Vizegemeindepräsidenten René Müller und jenen aus dem Publikum stellten. Es ging an diesem zweieinhalbstündigen Abend um das Dafür und Dawider der neuen Tourismusorganisation Adelboden-Lenk-Kandersteg, kurz TALK genannt (siehe Kasten).

Geheimbund und Turbo?

Die TALK soll drei Talschaften im geeinten Auftritt werbestrategisch nach aussen stärken und die Kräfte vor Ort für die direkte Betreuung innen noch bewusster einsetzen. Was bis jetzt noch fehlte, war eine breit angelegte Information für die Bevölkerung. Diese konnte sich zu Recht fragen, warum denn die Touristiker so geheimbundartig und turbomässig ein solches Projekt angehen, das gemäss den kantonalen Vorgaben schon längst hätte aufgegleist werden müssen.

Immerhin wurde der Projektgruppe im letzten Frühling noch eine breit abgestützte Begleitgruppe zur Seite gestellt, die sich aus Gemeinderäten, Vorständen der Tourismusvereine und Vertretern der Bergbahnen, der Hotellerie und des Gewerbes im Perimeter des Vereins Berner Oberland-Mitte zusammensetzt.

«Ihr seid gar nicht so weit voneinander weg. Die einfache Organisationsstruktur von Lenk-Simmental Tourismus ist im Projekt TALK angelegt.»Regierungsrat Christoph Ammann

Der Gemeinderat Lenk ist diesem Versäumnis eines Infoanlasses nun nachgekommen – als einziger in dieser Destination. Podiumsteilnehmer Roland Berger, Präsident Lenk-Simmental Tourismus AG (LST) und designierter VR-Präsident der zu gründenden TALK, entschuldigte sich für die ungenügende Kommunikation, wies aber auf die Umstände des zeitlichen Drucks hin.

Hans Neuenschwander, früherer Präsident von Lenk Tourismus und vehementer Kritiker der TALK, stand als Vertreter eines Alleingangs der Lenk im Fokus – und somit auch als einer der Verzögerer für eine Lösungsfindung einer Destination Oberland-Mitte. «Du weisst, warum wir in der Nachspielzeit sind», warf ihm Gemeinderat Hansjörg Schneider als Podiumsteilnehmer vor. «Du hescht no nie gschuttet», gabs von ihm eine Breitseite in Basler Dialekt.

Schneider beantwortete mehrmals Fragen zu befürchteten Mehrausgaben der Gemeinde Lenk im Zusammenhang mit den Leistungsvereinbarungen. «Die Gemeinde Lenk hat die Finanzhoheit», versicherte er. Auch Christian von Känel, Grossrat und Lenker Gemeindepräsident, betonte nach der Veranstaltung, dass die Leistungsvereinbarungen durch den Gemeinderat gemacht worden seien: «Da haben wir eine gute Regelung mit der TALK.»

Durch TALK werde auch das Gewerbe auftragsmässig profitieren, ist Toni Brand, Präsident des Gewerbevereins und gebürtiger Saaner, überzeugt. Sein Tipp: «Tüet doch e chli plagiere.» Markus Ziörjen als Präsident der gut aufgestellten Lenk-Bergbahnen sah es auch so: «Wir brauchen eine starke Mar­ketingorganisation in unserem ­Rücken.»

«Du weisst, warum wir in der Nachspielzeit sind.»GR Hansjörg Schneider zu Hans Neuenschwander

Am 31. März wird LST über den Schritt in die TALK entscheiden. Franz Schürch, Alt-Hotelier und Alt-Präsident des Kur- und Verkehrsvereins Lenk, gab sich skeptisch. Er wolle schlanke Strukturen und nicht den TALK-Standort nach Frutigen vergeben, befürchtete er Nachteile für die Lenk.

Sarah Schmid, Projektleiterin der Firma Hanser und Partner, ist zuversichtlich, dass «wir eine sehr gute Lösung gefunden haben» und es an der Zeit sei, «ein Signal nach aussen zu senden. Durch die Begleitgruppe ist eine positive Dynamik entstanden». Walter Zeller als Präsentator der Alternativlösung mit der IG Lenk wollte zuerst das definitive Konzept in schriftlicher Form sehen. «Am 31. März soll dann jeder selber entscheiden.»

«Stein ins Wasser werfen»

Roland Berger «ist überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Wir haben gute Logiernächtezahlen. Kooperation und Innovation ist verlangt. Dazu braucht es gewisse Grössen. Und wie die künftige Marke aussehen wird, ist Sache der strategischen Führung.» Hansjörg Schneider ist überzeugt, dass es sich lohnt, den Stein ins Wasser zu werfen: «Die Wellen werden gut ans Ufer kommen», meinte er zum neuen Aufbruch mit TALK.

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