Agassiz-Streit geht weiter

Grindelwald/Bern

Die Ehrenmitgliedschaft des umstrittenen Gletscherforschers und Rassentheoretikers Louis Agassiz beschäftigt nun die Eidgenössische Rassismuskommission.

Die Kontroverse um das Agassizhorn (Bildmitte) dauert an.<p class='credit'>(Bild: Sandro Hügli)</p>

Die Kontroverse um das Agassizhorn (Bildmitte) dauert an.

(Bild: Sandro Hügli)

Nicht nur die Benennung des fast 4000 Meter hohen Berges an der Kantonsgrenze zwischen Bern und Wallis stört das Komitee «Démonter Louis Agassiz». Auch die Ehrenmitgliedschaft des schweizerisch-amerikanischen Doppelbürgers im Schweizer Alpen-Club (SAC) ist ihm ein Dorn im Auge.

Im 19. Jahrhundert gehörte Agassiz zu den renommiertesten Glaziologen, schrieb viel beachtete Studien zur Eiszeit. Er war aber auch zeitlebens ein Verfechter der Rassentrennung und betrieb auch auf dem Gebiet der Rassentheorie Studien. Diese dienten auch dem Ku-Klux-Klan als Argumentationsgrundlage.

Prüfstein für den SAC

Über 140 Jahre nach seinem Tod wird Agassiz zum Prüfstein für den SAC. 1865 wurde Agassiz ­Ehrenmitglied. «In der heutigen Zeit käme dies nicht infrage», heisst es in einem Brief des SAC-Zentralvorstandes an das Komitee «Démonter Louis Agassiz». Die Kritiker verlangen die Aufhebung der Ehrenmitgliedschaft. Das sei bereits mit dem Tod von Agassiz 1873 geschehen. Auf der Liste der ehemaligen SAC-Ehrenmitglieder bleibt Agassiz allerdings weiterhin aufgeführt.

Keine Streichung von der Liste

Eine Streichung des umstrittenen Glaziologen erachtet der Zentralvorstand als falsch: «Der SAC muss zu seinen ehemaligen Entscheiden stehen, auch wenn sie aus heutiger Sicht falsch sind», heisst es im Brief an die Agassiz-Kritiker. Die Löschung des Namens wäre «eine Fälschung der Geschichte». Zudem sei es für die Diskussion über Rassismus auch in Zukunft wichtig, dass Agassiz als Person «und sein damals übliches radikales Gedankengut» nicht vergessen gehe. Es sei daher sinnvoller, die Geschichte um Agassiz aufzuarbeiten, anstatt sie auszulöschen.

Happige Vorwürfe

Die Stellungnahme des Zentralvorstands geht dem Komitee «Démonter Louis Agassiz» nicht weit genug. Mit einem Brief gelangen die Kritiker nun an die Eidgenössische Kommission ge­gen Rassismus (EKR) sowie an die Fachstelle für Rassismusbekämpfung des Eidgenössischen Departements des Innern (EDI).

Die darin enthaltenen Vorwürfe sind happig: Der Zentralvorstand des SAC «leugne die von Louis Agassiz betriebene Rassenhetze», und die Stellungnahme sei «relativierend und verharmlosend». Das Komitee fordert nun von EKR und EDI ebenfalls eine Stellungnahme.

Berner Oberländer

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