Interlaken

Ättis verabschieden sich in Rente

Interlaken Die älteste Jazzformation im Berner Oberland geht in Rente: Ättis Jazzband tritt in einer Woche zum letzten Mal auf und löst sich danach auf.

<b>An ihrer letzten Hauptprobe</b> vom vergangenen Montag (v. l.): Ruedi von Gunten, Heinz Zoss, Martin Thomann, Ueli Kuhn, Harry Balmer, Paul Starkl und Roland Sidler.

An ihrer letzten Hauptprobe vom vergangenen Montag (v. l.): Ruedi von Gunten, Heinz Zoss, Martin Thomann, Ueli Kuhn, Harry Balmer, Paul Starkl und Roland Sidler. Bild: Bruno Petroni

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«Wir sollten wieder etwas machen», sagte Ruedi von Gunten (Kornett) eines Tages im Jahr 1981 zu seinen Freunden Harry Balmer (Banjo) und Hansueli ­Buri (Klarinette). Was er damit meinte: 2 Jahre zuvor hatte sich die Broadway Dixieland Jazzband, der sie angehört hatten, aufgelöst, nun litt man unter Entzugserscheinungen.

Und so «machte man etwas» – man suchte und fand neue Mitspieler: Christian Brunner (Schlagzeug), Hasy Meyer (Klavier), Ueli Kuhn (Posaune) und Paul Starkl (Bass).Rasch traf man sich regelmässig im Restaurant Shalimar in Bern zu Proben, und schon im Oktober desselben Jahres trat die Truppe erstmals an einem öffentlichen Anlass auf. Na ja, ganz so öffentlich wars noch nicht: Die Premiere fand am Geburtstagsfest von Ruedi von Guntens Cousine in St. Moritz statt.

Taufe an Geburtstagsfest

Das war die Geburt – die Taufe folgte allerdings erst ein Jahr später, ebenfalls an einem Geburtstagsfest. Dieses Mal hatte Ruedi von Gunten eingeladen, zu seinem Vierzigsten. «Plötzlich merkten wir, wie uns alle anwesenden Kinder einfach nur Ättis nannten – womit der Name der Band gefunden war», erinnert er sich mit einem Schmunzeln.

Damals dachte wohl noch niemand daran, dass man fortan volle 22 Jahre in unveränderter Besetzung spielen würde. Erst als 2003 Christian Brunner verstarb, stiess mit Heinz Zoss ein neues Mitglied dazu. 2004 folgte Kurt Peter und 2007 Martin Thomann auf die ebenfalls verstorbenen Hasy Meyer beziehungsweise Hansueli «Bürüs» Buri.

Immer gut auf- gelegt: Die Ättis freuten sich nicht nur über die vielen Auftritte, sondern auch über gemeinsame Ferien wie hier vor 17 Jahren auf Sardinien. Foto: PD

Demokratische Auswahl

So wie die personelle Besetzung, so wechselte auch der musikalische Stil der Ättis über all die Jahre nur wenig bis überhaupt nicht. Das Repertoire umfasst rund 160 Titel, viele Standards, aber auch einige Raritäten etwa von Fats Waller.

«Wir fühlten uns immer den klaren Harmonien des traditionellen New-Orleans-Jazz verpflichtet, mit einem starken Hang zu Duke Ellington», erklärt Ruedi von Gunten. Harry Balmer ergänzt: «Mich haben schon seit meiner Jugend spannende Harmonien fasziniert, auch der Swing, auch die Lebensfreude eines Fats Waller.»

«Plötzlich merkten wir, wie uns alle anwesenden Kinder einfach nur Ättis nannten – womit der Name der Band gefunden war.»Ruedi von Gunten

Von Gunten ist eine Art musikalisches Wissen und Gewissen der Band, die aber bewusst demokratisch funktioniert. Dazu Balmer: «Ruedi hatte den grössten Fundus an LPs und Kassetten, wovon er uns immer ein paar Beispiele mitbrachte, über die wir dann diskutierten und entschieden.»

In von Guntens Archiv stehen heute rund 3000 Platten, und sein immenses Wissen stellt er seit vielen Jahren jeden Montagabend auch der Hörerschaft von Radio BeO zur Verfügung.

Treues Stammpublikum

Fragt man von Gunten und Balmer nach Höhepunkten in der 37-jährigen Geschichte der Ättis, so erwähnen beide tolle Konzerte zum Beispiel auf dem Inseli in Iseltwald oder im Kursaal Interlaken.

Und sie erinnern sich an viele schöne Reisen. 1996 flog man zusammen in die USA, später nach Budapest, nach Sardinien oder auch nur ins Tessin, oft mit einem Porter-Flugzeug, denn gleich mehrere Ättis waren Piloten. Als Fliegerfans spielten sie an vielen Anlässen der militärischen und der zivilen Luftfahrt.

Doch damit ist nun Schluss. Am nächsten Samstag, 20. Oktober, treten die sieben Ättis zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne auf. Das Konzert ist bereits restlos ausverkauft. «Wir haben ein sehr treues Stammpublikum, das mit uns alt geworden ist», sagt Harry Balmer. Trotzdem: «Man soll aufhören, wenns noch schön ist», meint Ruedi von Gunten.

Den Entscheid stark beeinflusst hatte eine personelle Änderung: Klarinettist Martin Thomann war vorletztes Jahr aus der Band ausgestiegen, ein vollwertiger Ersatz konnte nie gefunden werden. «Dadurch ging die Lust am Spielen etwas verloren», sagt von Gunten. «Dann sind wir zusammengesessen und haben Vor- und Nachteile einer Auflösung dis­kutiert.»

Und nun, nach 37 Jahren, gehen die Ättis also endgültig in Rente. Es sei ihnen gegönnt – und gedankt für ihr grosses Engagement im Dienste der Jazzmusik, für viele frohe Stunden, für immer gute Unterhaltung auf hohem Niveau. (Berner Oberländer)

Erstellt: 12.10.2018, 06:19 Uhr

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