Ärztenetzwerk hebt Boykott auf

Interlaken

Entspannung rund um die Auseinandersetzungen nach der Absetzung des Chirurgie-Chefarztes am fmi-Spital: Strategische Fragen sollen künftig zwischen den zuweisenden Ärzten und der Spitalführung gemeinsam besprochen werden.

Die Spielleitung hatte Chirurgie-Chefarzt Arnold Kohler abgesetzt, woraufhin das Ärztenetzwerk Beodocs seinen seinen Mitgliedern einen Zuweisungsstopp empfohl. Dieser ist jetzt aufgehoben.<p class='credit'>(Bild: Bruno Petroni)</p>

Die Spielleitung hatte Chirurgie-Chefarzt Arnold Kohler abgesetzt, woraufhin das Ärztenetzwerk Beodocs seinen seinen Mitgliedern einen Zuweisungsstopp empfohl. Dieser ist jetzt aufgehoben.

(Bild: Bruno Petroni)

«Wir wollen dem Spital Inter­laken ja nicht schaden», sagte am Freitag auf Anfrage der Präsident des Ärztenetzwerks Beo­docs, Martin Isler. Mit dieser Aussage sprach Isler die sofortige Aufhebung des Zuweisungsboykotts von Patienten ans fmi-Spital Interlaken an.

Den Zuweisungsstopp hatte das Netzwerk seinen Mitgliedern empfohlen, nachdem die Spitalgruppe den Chirurgie-Chefarzt Arnold Kohler abgesetzt hatte.

«Ein erster Schritt»

Warum jetzt diese Kehrtwende? «Das Resultat der Zusammenkunft vom Donnerstagabend ist ein erster Schritt, damit zuweisende Ärzte und die Spitalführung wieder näher zusammenrücken», kommentierte Isler eine gemeinsame Medienmitteilung des ärztlichen Bezirksvereins engeres Oberland, Beodocs und der Spitäler fmi AG.

Die Spitalführung und die beiden Ärztevereinigungen haben demnach «in einer Aussprache ihre Standpunkte zur Kündigung des Chefarztes der Chirurgie am Spital Interlaken dargelegt und diskutiert».

Gemeinsamer Ausschuss

Weiter halten die drei Parteien fest, dass «als Resultat dieser ­Zusammenkunft nun ein Arbeitsausschuss mit angemessener Vertretung aller Beteiligten gebildet wird».

Damit werde sichergestellt, «dass strategische Fragen in Zukunft in enger Zusammenarbeit zwischen den Zuweisern und der Spitalführung besprochen werden können».

Forderung zurückgenommen

Nach der Absetzung des Chefarztes Chirurgie am Spital Inter­laken hatte Beodocs-Präsident Martin Isler fmi-Spitaldirektor Urs Gehrig persönlich zum ­Rücktritt aufgefordert .

Isler sah in Gehrig den Hauptverantwortlichen für «die zunehmende Entfremdung des Spitals von seinen Zuweisern». In seiner ersten Reaktion hatte dieser von «massivem Druck» gesprochen, der auf ihn ausgeübt werde.

Zur damaligen Empfehlung des Netzwerks, dem Spital Interlaken keine Patienten zuzuweisen, bis dessen Strategie, die zur Entlassung des Chefarztes geführt hat, transparent werde und diskutiert werden könne, hatte Gehrig unter anderem erklärt: «Man nimmt eine ganze Gesellschaft in Geiselhaft und gefährdet Spital und Arbeitsplätze.» Nach dem Treffen ist die Rücktrittsaufforderung kein Thema mehr, wie Isler gestern sagte.

FDP reagierte

Die öffentlich ausgetragenen Querelen zwischen Ärztekreisen und Spital hatten in der Folge auch den Interlakner und Unterseener Freisinn auf den Plan gerufen. Die beiden Parteisektionen riefen gemeinsam in einem offenen Brief zur Klärung der Angelegenheit auf – im Interesse des Spitalstandortes und der Patienten (wir berichteten).

Herrscht nach dem Treffen vom Donnerstagabend nun beim Ärztenetzwerk Beodocs Klarheit über die Spitalstrategie? «Es besteht noch viel Gesprächsbedarf. Aber das Wichtigste ist im Moment, dass wir uns an einen Tisch setzen und uns über die Strategie austauschen und mitbestimmen können», sagt Isler.

VR-Präsident: «Konstruktiv»

Und was sagt die fmi-Führung zur Aussprache? «Das Wichtigste für uns und sicher auch für die Patienten ist, dass Beodocs seinen Mitgliedern wieder empfiehlt, deren Patienten dem fmi-Spital Interlaken zuzuweisen», sagte am Freitag Robert Zaugg, VR-Präsident der Spitäler fmi AG, auf Anfrage.

Die Aussprache unter den Beteiligten hat Zaugg nach eigenen Angaben als «konstruktiven, lösungsorientierten Dialog» erlebt. Dies sei eine gute und wichtige Voraussetzung dafür, die anstehenden Arbeiten gemeinsam an die Hand zu nehmen, so der VR-Präsident weiter.

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