«Ä Cervelat zum Frühstück für Rodi»

Meiringen

Hansruedi Zumbrunn und sein legendärer Adler-Saal in Meiringen gehen in die Hotelgeschichte ein.

Vor dem Ende des Adler-Saals (v. l.): Der ehemalige Besitzer Hansruedi Zumbrunn, Marlise Dettmar, einst Hotel Brünig, Annelise Klein-Glarner und Fritz Michel.

Vor dem Ende des Adler-Saals (v. l.): Der ehemalige Besitzer Hansruedi Zumbrunn, Marlise Dettmar, einst Hotel Brünig, Annelise Klein-Glarner und Fritz Michel.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Treffpunkt Adler Central Meiringen, in der Gaststube mit dem Grill. Hansruedi Zumbrunn, sein Freund Fritz Michel mit seiner Tante Annelise Klein sind da. Später kommt Marlise Dettmar dazu. Viel Meiringer Hotelgeschichte sitzt mit am Tisch: Marlise Dettmar wuchs im einstigen Hotel Brünig auf, Hansruedi Zumbrunn kaufte 1965 als junger Mann das Hotel Adler Central, das seine Eltern ab 1954 gepachtet hatten. In Grindelwald lernte er Koch. Eine Option wäre die Musik gewesen: Als Junge durfte er Klavier spielen lernen, und als er im Stadttheater Bern Carl Zellers Operette «Der Vogelhändler» sah, war es wie eine Offenbarung für ihn.

Zum Adler gehört der Saal. Mit einer Empore, die als Bühne benutzt wurde. Später gab es vis-à-vis der Empore eine echte Bühne, mit Vorhang und Technik, und dort fand jahrelang Meiringer Kulturleben statt. Trachtengruppe, Turnverein, Sängerbund, Musikgesellschaft, Jodlerklub: Alle traten auf, oft mit einem Theaterstück. Oder sammelten an Lottomatches Geld. Schulkinder tanzten am Examen oder bewunderten den Kasperli, und Balletteleven lernten erste Schritte. Saalmiete musste niemand zahlen.

Kultur kam auch von aussen: Dank Zumbrunns guten Kontakten zur Kabarettszene kamen Stefanie Glaser, Margrit Rainer und Ruedi Walter, «Mustergatte» Walter Roderer, Cés Kaiser und Margrit Läubli in den Adler, und auch freie Theatergruppen. «Walter Roderer war ein Freund, der die Saal-Atmosphäre hoch schätzte. Er mochte zum Frühstück eine Cervelat. Nur Emil hatte ich nie», sagt Hansruedi Zumbrunn. Er sagt nicht viel. Zu nahe geht ihm der Abschied vom Adler, in dem er nicht nur gearbeitet, sondern auch gewohnt hat. 30 Jahre lang hat ihm Mara Pandurovic geholfen, und auch Marlise Dettmar hat mitgearbeitet. Legendär waren Zumbrunns Grilladen.

«Es ist still geworden, zu still am süssen Winkel», sagt Marlise Dettmar. So heisst die Region bei der Kreuzung von Kreuz- und Schulhausgasse. Seit Anfang April ist der Adler unabänderlich Geschichte. Hansruedi Zumbrunn zog Ende April vorläufig in eine kleine Wohnung auf der gegenüberliegenden Strassenseite, die ihm Fritz Michel, Freund und Finanzberater, zur Verfügung stellt.

Berner Oberländer

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