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«Eng mit Kindheitserinnerungen verbunden»

Matthias Hüppi kommentiert mit Bernhard Russi in Adelboden die Skirennen am Fernsehen. Er erklärt, was früher besser war, sinniert über die Leistungen des Schweizer Teams und ob das Kommentatoren-Duo bald durch Jüngere ersetzt werden könnte

Matthias Hüppi an seinem Arbeitsplatz in der Moderatorenbox.
Matthias Hüppi an seinem Arbeitsplatz in der Moderatorenbox.
Fritz Lehmann

Sie sind seit etlichen Jahren in Adelboden mit dabei; was hat sich verändert?

Matthias Hüppi: Ich kommentiere seit 1986 in Adelboden. Damals war alles noch etwa überschaubarer, beschaulicher. Der Anlass hat sich mehr auf den Sport konzentriert. Heute steht Adelboden auch für eine grosse Partyveranstaltung.

Was war früher besser?

Ich erinnere mich an die grossartigen Auftritte der Schweizer und die vermisst man natürlich heute schmerzlich...

Gab es für Sie prägende Erlebnisse in Adelboden?

Unvergessen ist natürlich Ingemar Stenmark mit seinen fünf Siegen in Adelboden. Danach kam die Ära Pirmin Zurbriggen, später Hermann Maier und Benjamin Raich. Nicht vergessen darf man natürlich auch nicht den Sieg von Mike von Grünigen 1996, den Erfolg von Didier Cuche 2002 aber auch die Siege von Marc Berthod 2007 und 2008.

Heute ist man in Adelboden von Schweizer Weltcupsiegen weit entfernt…

Wenn man es realistisch betrachtet, fehlt aus Schweizer Sicht sehr viel, man hat es heute Samstag wieder gesehen. Da wird gejubelt, wenn jemand als 23. ins Ziel fährt. Früher hätten solche Rangierungen Unmut auf der Zuschauertribüne hervorgerufen. Das ist die signifikante Veränderung, die man feststellen kann.

Dennoch wurde am Samstag ein Zuschauerrekord vermeldet…

Die Frage lautet, wie entscheidend ist für das Publikum noch das Abschneiden der eigenen Mannschaft, damit man am Schluss sagen kann, es ist eine erfolgreiche Veranstaltung gewesen? Da habe ich das Gefühl, dass sich die Relationen verschoben haben.

«Früher hätten solche Rangierungen Unmut auf der Zuschauertribüne hervorgerufen.»

Adelboden, was bedeutet das für Sie persönlich?

Es ist eine der wichtigsten Stationen im Winter. Und sehr eng verbunden mit Kindheitserinnerungen: Schon damals habe ich die Rennen in Adelboden mitverfolgt; Radio gehört oder dann am vor dem Fernsehen mitgefiebert.

Erinnern Sie sich noch an die erste Zeit in Adelboden?

Als ich begonnen habe, war der Fred Rubi noch die prägende. Er hat mich wie Viktor Gertsch in Wengen unter seine Fittiche genommen. Als ich als junger Fernsehreporter erstmals hier oben war, hat er mich quasi an der Hand genommen und herumgeführt und betreut. Ich habe mich von Anfang an sehr gut aufgehoben gefühlt.

Was war dabei ein Schlüsselerlebnis?

Früher hat man als Zuschauer und Fan vom Anlass geschwärmt, plötzlich stand man selber mitten im Geschehen, das war schon etwas sehr Spezielles.

Fernsehen war früher sehr dominant, heute gibt es viele andere Kanäle, Kurznachrichtendienste, Social Media, wie beeinflussen solche Formate Ihre Arbeit?

In erster Linie konzentriere ich mich auf den Job, das Rennen zu kommentieren. Das ist die Kernaufgabe, das interessiert die Leute am meisten. Aber man nützt andere Kommunikationskanäle auch, etwa um einen Tweet während dem Rennen oder ein Foto während der Streckenbesichtigung zu posten. So versuche ich zusätzliche Information zu liefern. Grundsätzlich hat sich in Bezug auf meine Kernaufgabe nicht viel verändert.

«Die Party ist in Wengen meiner Meinung nach weniger wichtig als in Adelboden, der Anlass ist noch mehr auf den Sport fokussiert.»

Adelboden ist vorüber, bald sind Sie in Wengen, wie gross ist für Sie die Umstellung?

Wengen ist ein anderes Projekt, das fängt schon bei der Anreise an, mit der Bahn anstatt dem Auto. Wenn du oben angekommen bist, merkst du, dass du in der sehr speziellen Wengener Skiwelt angekommen bist, mit der längsten Abfahrt weltweit. Das ist und bleibt speziell.

Welche Emotionen verbinden Sie mit Wengen?

Ich bin jedes Mal gerührt, wenn ich am Start stehe, demütig und komme mir ziemlich klein vor angesichts der Berge. Die Partyveranstaltung ist meiner Meinung nach weniger wichtig als in Adelboden, der Anlass ist noch mehr auf den Sport fokussiert. Ich glaube, direkt vergleichen kann man es nicht: Jeder Anlass hat seine grossen Pluspunkte und seine Ausnahmeposition. Super Stimmung herrscht bei beiden Anlässen.

Kurz zurück zum Schweizer Team, es gibt Nachwuchs, ich denke dabei etwa an Loïc Meillard. Haben Sie die Hoffnung, dass es die nächsten Jahre einen Exploit gibt?

Wenn ich Hirscher und Pinturault anschaue, muss ich sagen: Das Niveau ist extrem hoch. Da fahren die Schweizer momentan weit weg von der Musik. Das ist aber keine Neuerscheinung, sondern war schon die vergangenen Jahre so. Marc Berthods Erfolge liegen bald 10 Jahre zurück. Da merkt man, dass die Schweizer den Anschluss an die Spitze verloren haben.

Ganz am Schluss: Der erwähnte Didier Cuche soll als Kommentator bei Eurosport ja durch Tina Maze ersetzt werden. Ausschlaggebend für diesen Entscheid sei das Alter gewesen, wird gemunkelt. Wann wird das bewährte Kommentatoren-Duo Matthias Hüppi, Bernhard Russi durch Jüngere ersetzt?

Wir überlegen uns unser Engagement jedes Jahr neu. Seit über 30 Jahren kommentiere ich zusammen mit Bernhard, das ist Weltrekord und ein grosses Geschenk. Das gibt es, soviel ich weiss, nirgendwo sonst. Entscheidend ist aber, dass die Leute noch Freude daran haben und wir noch das Feuer spüren.

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