Ringgenberg

«Zahl der Gesuche ist rückläufig»

RinggenbergDie Heils­armee schliesst ihre Asyl­kollektivunterkunft in Ringgenberg Ende dieses Monats auf temporärer Basis. Grund ist die rück­läufige Zahl der Asylgesuche.

Blick auf eines der beiden Gebäude der Heilsarmee-Kollektivunterkunft an der Hauptstrasse in Ringgenberg.

Blick auf eines der beiden Gebäude der Heilsarmee-Kollektivunterkunft an der Hauptstrasse in Ringgenberg. Bild: Hans Urfer

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«Die Kollektivunterkunft Ringgenberg wird per Ende dieses Monats temporär geschlossen», bestätigt Marcel Lüthi Recherchen dieser Zeitung. Die Asylsuchendenzahlen in der Schweiz seien seit mehreren Monaten rückläufig und es würden nicht mehr alle Unterkünfte gebraucht, fügt der Bereichsleiter Kollektivunterkünfte der Heilsarmee an.

Da die Liegenschaft der Heilsarmee gehöre, sagt Lüthi weiter, könne die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe die Unterkunft noch kurzfristig in Reserve halten, sollten sich in den nächsten Monaten wieder deutlich mehr Asylsuchende in der Schweiz aufhalten.

«Sehr gute Zusammenarbeit»

Die Kollektivunterkunft in Ringgenberg sei mit der Betriebsbewilligung von 80 Plätzen eine kleine bis mittlere Unterkunft und wirtschaftlich schwieriger zu betreiben als eine grosse, so Lüthi.

«Ausschlaggebend für die temporäre Schliessung ist allein die wirtschaftliche Situation», hält Lüthi fest und bezeichnet den Betrieb und die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den Behörden in Ringgenberg jetzt und in der Vergangenheit als «sehr gut».

Wie alles begann

Ende Juli 2015 – während der grossen Flüchtlingsströme – nahm die Heilsarmee in Ringgenberg ihr ehemaliges Ferienheim in Betrieb. «Sämtliche 80 Plätze waren in Kürze belegt», sagt Lüthi. Ab 2017 nahmen die Belegungszahlen stetig ab, und bis vor kurzem waren rund 50 bis 65 Asylsuchende untergebracht.

Ab 2017 nahmen die Belegungszahlen stetig ab, und bis vor kurzem waren rund 50 bis 65 Asylsuchende untergebracht.

Bereits in der vergangenen Woche waren die meisten Personen an ihren neuen Wohnort trans­feriert worden. Sei dies nun in eine Wohngemeinschaft oder Mietwohnung oder dann in eine andere Kollektivunterkunft der Heilsarmee.

«Wir können nicht bis zum letzten Tag mit den Transfers warten und benötigen genügend Zeit für die Schliessungsarbeiten», sagte Lüthi.

Zimmer werden geräumt

Die noch verbleibenden Be­wohner werden laut Lüthi ent­weder im Oberland in die zweite Phase (selbstverantwortliches Wohnen in einer Wohngemeinschaft in einer gemieteten Wohnung) übertreten oder aber in eine andere Kollektivunterkunft der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe wechseln.

«Gleich nach dem phasenweisen Wegzug müssen die Zimmer geräumt und gereinigt werden», skizziert Lüthi die folgenden Arbeiten. Durch die intensive Nutzung der Liegenschaft gebe es, nebst der Ausführung administrativer Arbeiten, etliche kleinere Renovationen an die Hand zu nehmen.

«Ausschlaggebend für die temporäre Schliessung ist allein die wirtschaftliche Situation.»Marcel Lüthi, Leiter Kollektivunterkünfte Heilsarmee Schweiz

Wenn sich die Möglichkeit ergebe, werde dem Personal – in Ringgenberg sind im 24-Stunden-Betrieb insgesamt neun Personen im Einsatz gestanden – eine andere Stelle in einer Institution der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe angeboten. «Leider ist dies gerade in der aktuellen Phase sehr beschränkt möglich», sagt Lüthi.

Hatte die Heilsarmee vor Jahren noch von einem Verkauf ihres ehemaligen Ferienheims gesprochen, sagt Bereichsleiter Lüthi heute: «Ob ein Verkauf längerfristig erneut geplant wird, wird die Heilsarmee im Verlauf des Jahres entscheiden.»

Von den 21 Anfang 2017 von der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe betriebenen Kollektivunterkünften im Kanton Bern sind heute noch 13 in Betrieb. Nach der Schliessung in Ringgenberg und Schüpbach (Emmental) im Sommer werden es noch 11 Unterkünfte sein.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 28.05.2018, 15:58 Uhr

Das sagt die Gemeinde

Ringgenbergs Gemeinde­präsident Samuel Zurbuchen macht keinen Hehl daraus, dass er «nicht unglücklich ist» über die Schliessung der Unterkunft. «Ich bin nicht traurig über die Schliessung, sondern eher erleichtert», beschreibt Zurbuchen seinen Gemütszustand, als er über den Entscheid der Heils­armee orientiert worden ist. «Allerdings möchte ich gleichzeitig festhalten, dass die Bewohner der Unterkunft sich stets ‹anständig› verhielten und wir keine Probleme hatten», sagt der Gemeindepräsident. Seitens der Einwohnergemeinde und vor allem der Kirchgemeinde mit Pfarrer Andreas Schiltknecht seien Beschäftigungs­angebote realisiert worden, «nicht zuletzt deshalb, weil wir diese Menschen nicht einfach ausgrenzen wollten».
Dennoch kann sich Zurbuchen gut vorstellen, dass die direkten Anwohner «froh» sind, nicht mehr Nachbarn einer Asyl­unterkunft zu sein.hau

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