Zum Schluss doch eine grosse Mehrheit

Lauterbrunnen

Acht Jahre haben die Arbeiten an diesem Projekt gedauert – nun ist die Ortsplanungsrevision der Gemeinde Lauterbrunnen angenommen. Die Stimmbürger hiessen an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung das Projekt gut.

Die Stimmbürger von Lauterbrunnen haben sich zur Ortsplanungsrevision geäussert.

Die Stimmbürger von Lauterbrunnen haben sich zur Ortsplanungsrevision geäussert.

(Bild: Bruno Petroni)

Kurz vor 22 Uhr am Montagabend war es beschlossene Sache. Ein Schlussstrich unter eine Angelegenheit, die mehr als acht Jahre Zeit in Anspruch nahm, war gezogen: Lauterbrunnens Stimmbürger genehmigten im Gemeindesaal Hohsteg mit 74 Ja-Stimmen die Ortsplanungsrevision. Gekommen waren 78 Stimmberechtigte.

Fast schien es, als hätten die Bürger diesen Entscheid herbeigesehnt. Denn Diskussionen gab es an der ausserordentlichen Gemeindeversammlung praktisch keine. Emotional wurde es aber doch, als ein Bürger seinen Änderungsantrag begründete. Der lautete, im Teilzonenplan Lauterbrunnen den Ortsbildschutzperimeter auf dem Stand von 1996 zu belassen, damit bauliche Veränderungen künftig auch möglich seien, ohne stets die kantonale Denkmalpflege beiziehen zu müssen.

In der Version von 1996 umschliesst der Ortsbildschutzperimeter «nur» die nähere Umgebung der Kirche. Nun sollte er auf ein Gebiet bis zum nördlichen Ortseingang inklusive Teile des Bahnhofs ausgeweitet werden. «Es kann doch nicht sein, dass wir immer alles abnicken, was von Bern oben kommt!», polterte der Antragssteller. Er fand damit Gehör bei der Mehrheit der Anwesenden. Mit 44 Ja-Stimmen kam der Antrag durch.

Entgegen der Argumentationen des beteiligten Ortsplaners Kurt Kilchhofer, der zu bedenken gab, der Ortsbildschutzperimeter sei bereits soweit möglich reduziert worden. «Das Amt für Gemeinden und Raumordnung wird seine Vorbehalte haben», so Kilchhofer.

Hotelzone C in Wengen bleibt

Ebenfalls zu reden gab der Teilzonenplan Wengen, in dem die Schaffung einer Hotelzone C im Galliweidli (gegenüber Hotel Alpenruhe) geplant ist. Dies mit dem Hintergedanken, hier möglicherweise mal ein Resort bauen zu können. Der Hotelierverein Wengen stellte den Antrag, auf diese Hotelzone zu verzichten. «Das Gelände am Hang für ein Resort ist ungünstig», argu­mentierte Judith Graf-Engi, Vertreterin des Hoteliervereins.

Problematisch sei auch die grosse Entfernung zum Bahnhof. Somit würde zusätzlicher Verkehr im eigentlich autofreien Ort Wengen entstehen. «Investoren können gerne in bestehende Hotels in­vestieren oder Hotels erwerben, die zum Verkauf ausgeschrieben sind», so Graf-Engi. Davon gäbe es in Wengen gegenwärtig fünf.

Gemeinderat Karl Näpflin ­entgegnete, dass Investoren nicht gewillt seien, Altlasten zu sanieren. Zudem stelle die Lage am Hang nicht zwingend ein ­Problem dar. «Die Hotelzone C muss im Interesse des Tourismusortes Wengen sein», so ­Näpflin. Auch die technische Erschliessbarkeit der Zone sei nachgewiesen. «Eine Zone für ein Resort ist im regionalen Richtplan vorgesehen, und dafür kommt auf Lauterbrunner Boden nur ein Gebiet in Mürren und dieses in Wengen infrage», so Näpflin. Der Antrag des Hoteliervereins wurde schliesslich mit 16 zu 38 Stimmen abgelehnt.

Die einzelnen Abstimmungen zu den Teilzonenplänen Gimmelwald, Isenfluh, Lauterbrunnen, Mürren, Stechelberg und Wengen waren allesamt bei wenigen Gegenstimmen praktisch unbestritten, auch die Zonenpläne Naturgefahren, Landschaft und Gewässerraum sowie das revidierte Baureglement kamen grossmehrheitlich durch. Letzteres unter Vorbehalt eines angenommenen Änderungsantrags, wonach die Zone mit erweiterter Besitzstandsgarantie im Teilzonenplan Lauterbrunnen auf die Kernzone auszuweiten sei.

«Nun verfügt die Gemeinde Lauterbrunnen erstmals über eine vollständige, gesetzeskonforme und aktuelle Ortsplanung», freut sich der Gemeinderat in einer schriftlichen Botschaft. Die angepassten Planungsinstrumente werden nun nochmals während 30 Tagen öffentlich aufgelegt. Einsprachen sind aber nur noch gegen die an der Versammlung beschlossenen Änderungen möglich.

Über die unerledigten Einsprachen und die gesamte Ortsplanung entscheidet abschliessend das kantonale Amt für Gemeinden und Raumordnung.

Berner Oberländer

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