Weltmeister tritt einmal mehr zurück

Sigriswil

Eigentlich wollte er schon vor 23 Jahren mit dem Spitzensport aufhören. Jetzt holte sich Thomas Saurer an der Paraski-WM den Weltmeistertitel in der Masterkategorie und den dritten Gesamtrang.

Alter schützt vor Erfolgen nicht: Thomas Saurer macht den Jungen noch etwas vor.

Alter schützt vor Erfolgen nicht: Thomas Saurer macht den Jungen noch etwas vor.

(Bild: zvg)

Mit einem Kategorien-Weltmeistertitel und einer Bronzemedaille kehrte er vorletztes Wochenende von den Weltmeisterschaften in Tschechien zurück: Thomas Saurer, mit 57 Jahren längst der Oldie in der Szene, hat es den Jungen einmal mehr gezeigt. Er stand zum zehnten Mal in seiner langen Karriere auf dem WM-Podest beim Paraski.

Paraski – das ist eine Kombination zwischen alpinem Riesenslalom und Fallschirm-Zielspringen. Eine Sportart, die in den Nachkriegsjahren aus Berg- und Lawinenrettungseinsätzen heraus entstanden ist. In einer Zeit, da Helikopter noch nicht über die nötige Leistung für Rettungsflüge verfügten.

Keine Chance gegen Kernen

Angefangen hatte bei Saurer alles 1978: Als 16-Jähriger hatte er beim Versuch, ins nationale alpine Skikader zu kommen, gegen Mitstreiter wie Bruno Kernen, Gusti Oehrli oder Hans Pieren das Nachsehen. Gleichzeitig spürte der damalige Fallschirmgrenadier und heutige SVP-Nationalrat Adrian Amstutz intuitiv, dass der junge Saurer das Talent zum Fallschirmspringen hat; entsprechend drängte er ihn dazu, sich zur fliegerischen Vorschulung der Armee einzuschreiben.

Die Folge war eine erfolgreich beendete Rekrutenschule als Fallschirmspringer, was jeweils nur ein halbes Dutzend von anfangs 300 Kandidaten schafften. Später trat Saurer auch in die Fussstapfen seines Mentors Adrian Amstutz als Disziplinenchef für das Stil- und Zielspringen.

1987 fand in Sarajevo die erste Paraski-Weltmeisterschaft statt. Und Saurer gewann mit dem Schweizer Team unter dem Coaching von Adrian Amstutz die Goldmedaille. Sechs Jahre später folgte der erste Weltmeistertitel als Einzelsportler. «Mein persönlich wertvollster Erfolg.» Nachdem Saurer sich 1996 eines späten Abends im Ausgang einen Schädelbruch zugezogen hatte, dachte er: Das wars. «Und doch hat es mich ein Jahr später wieder gepackt. Ich wollte wissen, obs noch funktioniert.»

Es funktionierte, und so erntete der gelernte Metallbauschlosser weitere nationale und internationale Titel. Um die Jahrtausendwende entschloss sich der erfolgreiche Sportler abermals zum Rücktritt – um ihn bald wieder rückgängig zu machen. «Ich wurde halt von den Kaderverantwortlichen immer wieder angefragt, ob ich nicht noch einmal mitmachen könnte. Und Nein zu sagen, wäre mir zu schwer gefallen.»

Rücktritt auf Zeit?

Jetzt soll also nach über 7000 Fallschirmsprüngen Schluss sein. Wirklich? «Ja, ich denke schon», sagt Saurer, «denn der Altersunterschied zu den Jungen wird immer grösser, da verliert man halt ein bisschen den Draht zu ihnen. Mit meiner Erfahrung konnte ich zwar bisher das Handicap beim Riesen­slalom kompensieren, aber ich spüre schon, dass ich nicht mehr ganz so viel Pfupf habe wie ­früher.»

Saurer will künftig mehr Zeit für das Privatleben und seinen Beruf als Versicherungsagent haben, sich aber als Gründungsmitglied des Förderungsvereins Pro Sport Sigriswil weiterhin dafür engagieren (vgl. Kasten unten). Doch wer weiss, vielleicht erhält Thomas Saurer bald wieder einen Telefonanruf der Paraski-Kaderverantwortlichen.

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