Spiez

War es Mord, war es Selbstmord?

SpiezZum Auftakt des Jahresprogramms las Peter Beutler in der Bibliothek Spiez aus seinem neuen Kriminalroman «Hauptwache Urania». Den Beatenberger Autor faszinieren umstrittene oder ungelöste Fälle.

<b>Autor Peter Beutler</b> zeigte sich nach der Lesung in der Bibliothek Spiez offen für Gespräche.

Autor Peter Beutler zeigte sich nach der Lesung in der Bibliothek Spiez offen für Gespräche. Bild: Margrit Kunz

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Nach einer kurzen Einführung begann Peter Beutler aus seinem Kriminalroman vorzulesen, und schon waren die rund 20 Zuhörer mittendrin in den Geschehnissen, die sich 2014 zutrugen, aber ihren Ursprung in den 1960er-Jahren hatten.

«Das Buch spielt auf zwei Ebenen, in der Gegenwart und in den 1960er-Jahren. Das macht es komplizierter als andere meiner Bücher», sagte Peter Beutler. Um die beiden Ebenen beim Lesen oder Zuhören unterscheiden zu können, wählte Peter Beutler je eine leicht andere Sprache.

Der Filz der 1960er-Jahre

Es war ihm wichtig, die Atmosphäre der jeweiligen Zeit heraufzubeschwören. Peter Beutler schildert darum fast ein wenig detailversessen Personen und Büros. Noch wichtiger ist ihm jedoch, wie ­Vorgesetzte bei der Polizei ihre Untergebenen behandelten oder wie sich Politik und Wirtschaft in die Polizeiarbeit einmischten.

Damals, vor rund fünfzig Jahren, waren in der Stadt Zürich alle miteinander verfilzt. Peter Beutler gelingt es hervorragend, diese Zeit wieder erlebbar zu machen. Es war die Zeit, als aus dem Tresor der Stadtpolizei ein grosser Betrag gestohlen wurde und wenige Jahre später die 68er-Krawalle stattfanden.

«Hauptwache Urania» heisst der neueste Kriminalroman des Autors aus Beatenberg. Bild: Margrit Kunz

In dieser Zeit voller Korruption versuchte Wachtmeister Sonderegger seine Arbeit gewissenhaft auszuführen und wurde kaltgestellt. Beutler greift den Fall des Polizisten «Meier 19» auf.

Der mit der Untersuchung des Todesfalls im Jahre 2014 betraute Kommissar hingegen hat einen ganz andern Arbeitsstil. Er arbeitet mit den Medien zusammen, er arbeitet im Team, nimmt alle Hinweise ernst, und es würde ihm nie einfallen, seine Unter­gebenen von oben herab zu behandeln.

Er ist gründlich, und als er feststellt, dass der aktuelle Fall mit Ereignissen aus den 1960er-Jahren zusammenhängen muss, stört es ihn sehr, dass Akten von damals fehlen.

Peter Beutler gab an der Lesung nicht preis, wie der Fall schliesslich gelöst wird. Lieber beantwortete er noch Fragen aus dem Publikum, das die früheren Romane von Beutler kannte. Auf die Frage, was wahr und was erfunden sei, antwortete er: «Die Briefe von Jeanmaire, die gibt es wirklich, ich konnte sie sehen. Aber fast noch interessanter war für mich, dass Jeanmaire die Anklageschrift gegen ihn nie gekannt hat.»

Weiter ­erklärte er, dass er gerade solche Kriminalromane schreibe, weil er sich zum Beispiel über die Geschichte von «Meier 19» geärgert habe. Den Vorwurf, er reisse mit seinen Büchern alte Wunden auf, lässt Beutler nicht gelten. «Diese ungelösten oder umstrittenen Fälle müssen alle noch verarbeitet werden.»

Der Kriminalroman «Hauptwache Urania» ist in allen anderen Buchhandlungen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 11.01.2018, 07:33 Uhr

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