Vorerst zusätzliche 50er-Tafeln statt einer Sanierung

Die bauliche Anpassung der Dorfdurchfahrt in Reidenbach mit verkehrsberuhigenden Massnahmen wurde vom Kanton sistiert. Der Gemeinderat lehnte das Projekt ab.

Neue Tempolimit-Tafeln sollen in Reidenbach Raser bremsen.

Neue Tempolimit-Tafeln sollen in Reidenbach Raser bremsen.

(Bild: Kerem S. Maurer)

Hirnrissige Überholmanöver verantwortungsloser Raser seien auf der Simmentalstrasse an der Tagesordnung, auch in den Dörfern werde oft viel zu schnell gefahren. Dies berichten Einheimische und Anwohner. Einer von ihnen ist Hans Matti aus Reidenbach, der während dreier Jahre vor seinem Haus auf der Simmentalstrasse talauswärts in Richtung Boltigen Radarkontrollen auf eigene Faust durchführte. Er bestätigt: «45 bis 60 Prozent von 5500 bis 10'000 Motorfahrzeugen pro Tag fahren an dieser Stelle zu schnell».

Eine eigens dafür gebildete Begleit- und Arbeitsgruppe sollte diesem gefährlichen Missstand entgegenwirken. «Es ist seit langem die Absicht des Kantons, die Schwachstellen der Ortsdurchfahrt zu beheben und geschwindigkeitsmindernde Massnahmen zu realisieren», sagt Kreisoberingenieur Markus Wyss auf Anfrage. Und weiter: «Erste Massnahmen wie die Korrektur der Karlen-Kurve und das Anbringen der sandfarbenen Bänder am Fahrbahnrand haben wir bereits umgesetzt.»

Es hagelte Einsprachen

Schon vor eineinhalb Jahren waren laut Markus Wyss der Kanton, der damalige Boltiger Gemeinderat und die Begleitgruppe der Meinung gewesen, ein «gutes Projekt mit den nötigen baulichen Massnahmen erarbeitet zu haben, welches so rasch wie möglich realisiert werden sollte». Auf die öffentliche Auflage des Projektes im vergangenen Juli hagelte es allerdings ­Einsprachen.

Fred Stocker (SVP), Gemeinderatspräsident von Boltigen: «Der Gemeinderat hat gegen das Projekt Einsprache erhoben.» Man wolle einen Fussgängerstreifen auf der Höhe des Dorfladens in Reidenbach. Ausserdem wären die betroffenen Eigentümer nicht bereit, das nötige Terrain für die geplanten Massnahmen zur Verfügung zu stellen.

Die Einsprachen richteten sich laut Markus Wyss gegen «praktisch alle Elemente des Projektes», insbesondere auch gegen die verkehrsberuhigenden Massnahmen. «Gegen den Willen des Gemeinderates können wir das Projekt nicht vorantreiben», bedauert Wyss und ergänzt, die Haltung, die der Gemeinderat im letzten November bestätigte, erfordere ein völlig neues, anderes Projekt. Deshalb habe man das aufgelegte Projekt sistiert.

Hans Matti nennt es «eine Verantwortungslosigkeit vom Gemeinderat und von allen Einsprechern, die so lange gespielt haben, bis Herr Wyss die Sistierung erlassen hat». Für Matti sind die «SVP-Ortspolitiker mitverantwortlich, und er spricht sogar von einer «Verschwörung gegen die Dorfsanierung in Reidenbach».

Kooperation wäre wichtig

Am 22. November 2018 wurde laut Gemeinde Boltigen beschlossen, kurzfristig umsetzbare Massnahmen zur Temporeduktion einzuleiten, darunter eine zweimalige Wiederholung der Tempo-50-Tafeln innerhalb des Dorfes. Kanton, Gemeinderat und Hans Matti seien übereingekommen, dass im Dorf das Generell-50-Signal in beiden Richtungen wiederholt werden soll.

«Diese beiden Signale wurden am 8. Januar montiert», bestätigt Markus Wyss und ergänzt, dass noch in diesem Jahr zusätzlich in beiden Richtungen Anzeigetafeln mit Smileys (grünes Smiley, wenn Tempo 50 eingehalten wird, ein orangefarbenes unzufriedenes bei Tempoüberschreitung) montiert werden ­sollen.

Der Kreisoberingenieur weist den Boltiger Gemeinderat darauf hin, dass er zur Einsicht kommen sollte, weil praktisch kein Spielraum für andere als im Projekt vorgesehene Massnahmen bestehe. Wolle man die vorhandenen Defizite eliminieren und das Geschwindigkeitsniveau senken, müsse der Gemeinderat Bereitschaft zeigen, das Auflageprojekt im Wesentlichen mittragen zu wollen.

Hans Matti, der eine Verminderung der zahlreichen Tempoüberschreitungen an vorderster Front anstrebt, ist mit dem Stand der Dinge und insbesondere mit der Sistierung des Projektes nicht zufrieden.

Berner Oberländer

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