Adelboden

Vom Däpp-Einstieg und von Grössenwahn

Adelboden Hansruedi Däpp wird nach 38 Jahren Arbeit fürs Adelbodner Skigebiet pensioniert. Er erzählt vom wegweisenden Bau der Sillerenbahn, vom Däpp-Einstieg und davon, was ihm als Chef wichtig war.

Hansruedi Däpp bei der Talstation Oey von «seiner» Sillerenbahn.

Hansruedi Däpp bei der Talstation Oey von «seiner» Sillerenbahn. Bild: Nathalie Günter

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Jetzt ist fertig: Nach 38 Jahren Tätigkeit im Adelbodner Skigebiet nimmt Hansruedi Däpp den Hut. Aufgewachsen in Adelboden und Münsingen, habe er schon als kleiner Bub das Ziel gehabt, später bei den Bergbahnen zu arbeiten. Nach der Ausbildung zum Maschinenschlosser bei der Seilbahnfirma Von Roll und 8 Jahren bei Habegger in Thun wechselte er 1978 als Betriebsleiter im Tschentengebiet zurück in die Heimat.

Dann folgte «die markanteste Zeit in meinem Leben», sagt Däpp. Der Bau der Sillerenbahn stand an, und Hansruedi Däpp als neu ernannter Betriebsleiter war mittendrin. «Mit dieser Bahn haben wir Adelboden total verändert», hält er fest. Bereits im Winter 1989/1990 hätten sie damals an der Gondelbahn gearbeitet, die Baustelle sei riesengross gewesen. Däpp: «Wir hatten fast nur einheimische Lieferanten und sogar die ‹Stifte› haben Aktien gezeichnet.»

Viele Adelbodner haben das Projekt mitgezogen, rigorose Disziplin – auch bei den Investitionen – sei das oberste Gebot gewesen. Die neue Bahn habe nicht allen gepasst, «damals sind die Emotionen hochgegangen», erzählt Däpp. Der Erfolg habe den Initianten aber recht gegeben.

Die erste Schneemaschine

Die Sillerenbahn war gebaut, schon wartete das nächste «Problem»: «Wir hatten vom ersten Tag an Schneemangel», sagt Däpp. Ständig hätten zusätzliche Arbeiter eingemietet werden müssen, um Schnee zu schaufeln. 1993 kauften die Bergbahnen die erste Schneemaschine. «Wir haben das Wasser, das früher Strom fürs Aebi erzeugte, verwenden können», erklärt Däpp.

Ende Januar 1995 dann der Entscheid für eine neue 6er-Sesselbahn (die erste im Berner Oberland) und eine Beschneiungsanlage beim Aebi: «Wir haben uns noch am Nachmittag – nachdem die Staublawine vom Albristhorn heruntergegangen war – dazu entschlossen.» – «‹Jetzt spinnts denen total, das ist Grössenwahn›, hat es im Dorf getönt», erzählt Hansruedi Däpp. Rückblickend sei es der einzige richtige Entscheid – vor allem für eine lawinensichere Bahn – gewesen.

Seitwärts statt Schranken

Aus dieser Zeit stamme auch ein Begriff, der ihm noch heute anhafte: der Däpp-Einstieg. Däpp erzählt, wie er damals die Idee hatte, die Leute nicht über die üblichen Schranken, sondern seitwärts zum Sessel einsteigen zu lassen. «Die Schranken verhinderten, dass wir die 6er-Sessel ganz füllen konnten», sagt Däpp. Die Lieferanten wollten die Standardversion liefern – «wir wollten aber, was wir wollten», sagt Däpp schlicht. So könnten nun drei Sessel gleichzeitig gefüllt werden, «wir haben in Adelboden-Lenk die Sessel voll».

Ob als Bauleiter bei den Bergbahnen oder in seiner 25-jährigen Tätigkeit im Rettungsdienst während der Weltcuprennen: Für den Chef Hansruedi Däpp war immer das Menschliche entscheidend. «Einander in die Augen schauen, darüber reden, erklären, vorzeigen» – das sei sein Führungsstil. Deshalb könne er auch nicht allzu viel mit der ­E-Mail-Flut und den Daten­erhebungssystemen anfangen. «Manchmal lassen wir uns fast zu oft beraten», meint Däpp.

Action, aber nicht zu viel

Eine Sache vorzeigen und vorangehen ist da mehr sein Ding. «Wir müssen immer ‹früsch bliebe›, Neues wagen», sagt der bald 65-Jährige. So zum Beispiel mit dem Trottinett fahren oder dem Höi-Turm auf Sillerenbühl. Eine Art moderner Seilpark – einfach ohne Bäume. Oder den Nachtshows am Chuenisbärgli. «Der heutige Gast will Action, aber es darf nicht zu streng sein», sagt Däpp.

Die Vorwürfe der Umweltorganisationen, solche Angebote entblössten auch das letzte Stückchen Natur, kann er nicht verstehen. «Es gibt so viele Berge, die nicht mit einer Bahn erreichbar sind, man muss nur hingehen.» Adelboden brauche den Tourismus. «Damit wir hier bleiben, hier leben können», sagt Däpp. Als Beispiel nennt er die Bauern, die an den Liften arbeiten, damit sie am Morgen früh die Stallarbeit erledigen können. «Die Arbeiten sind so abgestimmt, dass sie beides können.»

Er selbst geht in der Natur gerne dorthin, wo es etwas ruhiger ist. «Ich und meine Frau gehen sehr viel wandern, selten die gleiche Route.» Ausser im Frühling, sozusagen als Einstimmung auf die Wandersaison, gehe er mehr als einmal auf den dann schon schneefreien Interlakner Hausberg Harder. Dafür wird er ab morgen viel Zeit haben.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 31.03.2016, 10:14 Uhr

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