Thun

Vermieten via Internet ja, aber ohne Airbnb und Co.

ThunAndreas Wegier und Rosette Sprecher haben ihre Ferienwohnung bisher ausschliesslich übers Internet vermietet. Auf Plattformen wie Airbnb oder Booking.com verzichten sie aber aus Prinzip.

Andreas Wegier und Rosette Sprecher auf der Terrasse  ihrer Ferienwohnung.

Andreas Wegier und Rosette Sprecher auf der Terrasse ihrer Ferienwohnung. Bild: Patric Spahni

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«Airbnb? Ohne uns!» Andreas Wegier und Rosette Sprecher haben eine klare Meinung zu solchen Buchungsplattformen. 2015 haben die beiden an der Riedeggstrasse in Thun Rosette Sprechers Elternhaus komplett umgebaut, seit knapp einem Jahr beherbergen sie Gäste in einer Ferienwohnung. «Auch meine Eltern, die Stuckis, hatten eine Ferienwohnung», erinnert sich die Lehrerin, die an der Berufsfachschule des Detailhandels in Bern arbeitet. «Für mich war es immer etwas ganz Besonderes, wenn Gäste aus verschiedensten Kulturen da waren. Auch heute gefällt es mir, diesen schönen Ort mit anderen Menschen zu teilen.»

Mühe mit «Knebelverträgen»

Die Wohnung, welche das Ehepaar vermietet, kann entweder direkt gebucht werden oder via Thun-Thunersee Tourismus beziehungsweise Interlaken oder Schweiz Tourismus. Auf Platt­formen wie Airbnb oder Booking.com verzichten die Gast­geber bewusst. «Das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesen Plattformen stimmt nicht, die Provisionen sind zu hoch, und die Klientel ist möglicherweise nicht die, die wir ansprechen wollen», sagt Andreas Wegier. Die «Knebelverträge» der Anbieter will das Ehepaar nicht eingehen. Hinzu komme, dass sie lieber die lokalen Kanäle unterstützen würden, als «irgendeinem ‹Internetheini› das Geld ‹ins Füdli z schoppe›».

Service inklusive

Ihre Ferienwohnung ist offiziell mit vier Sternen bewertet und kostet je nach Mietumfang ab 170 Franken pro Nacht. «Darüber hinaus bieten wir diverse Services an, die zum Teil auch kostenpflichtig sind», sagt Wegier und zählt unter anderem das Abholen vom Flughafen oder be­gleitete Bergwanderungen auf. Hinzu kommen Coaching-Elemente für Burn-out-Patienten oder -Kandidaten, welche der ausgebildete Gestaltungscoach und frühere Chef des Flugplatzes Grenchen gleich selber anbietet.

Gut gestartet

Das erste Jahr ist für das Ehepaar denn auch gut angelaufen. «Wir waren bis auf wenige Wochen ausgebucht», sagt Wegier und berichtet von Gästen – Geschäftsreisenden sowie Familien oder Ehepaaren – aus Australien, Indien, dem arabischen Raum oder den USA, aber auch aus Deutschland und «erstaunlich vielen» aus der Schweiz. «Das zeigt, dass wir auch ohne die besagten Buchungsplattformen unsere Kunden erreichen», sagt Wegier.

Ganz ohne Internet gehts allerdings auch für das Ehepaar aus Thun nicht: Unter Panorama-home.ch hat es eine Website aufgeschaltet, auf der sämtliche Infos zur Unterkunft und zur Region in drei Sprachen zu finden sind – inklusive einer Webcam, welche die spektakuläre Aussicht in Echtzeit wiedergibt. Ferner ist die Ferienwohnung in den On­linebuchungstools von Thunersee, Interlaken und Schweiz Tourismus zu finden – wenn auch nicht immer auf Anhieb, wie Wegier bemängelt.

Kritik an Touristikern

«Die meisten Gäste suchten sehr lange im Internet, bis sie uns gefunden haben.» Die Plattform Schweiz Tourismus sei «wenig kundenfreundlich» aufgebaut. Deshalb ist für das Ehepaar durchaus denkbar, auf andere Kanäle auszuweichen, deren Benutzeroberflächen sich «stärker an der Sicht des Kunden orientieren und nicht an jener des Touristikers», wie Wegier es formuliert. Klar ist aber: Um Kunden zu gewinnen, müssen sie im Internet präsent sein. «Wir wurden erst einmal von jemandem angerufen, der reservieren wollte», sagt Rosette Sprecher.

Hier gehts zum Hintergrundartikel über die Situation von Airbnb im Berner Oberland. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 12.07.2017, 08:53 Uhr

Airbnb: Rund 1000 Objekte im Oberland

Drei US-Amerikaner gründeten Airbnb 2008 in San Francisco. Der ursprüngliche Name lau­tete «Airbedandbreakfast», was übersetzt «Luftmatratze und Frühstück» heisst.

Airbnb stellt als Onlineplattform den Kontakt zwischen Gastgeber und Gast her und ist ausschliesslich für die Abwicklung und Buchung verantwortlich. Die Transaktion finde dabei über die Vertriebsplattform statt, wie dem Internetlexikon Wikipedia zu entnehmen ist. Der Gast bezahlt den Betrag für seine Buchung per Kreditkarte oder Ähnlichem an Airbnb.

Dem Gastgeber wird der Betrag erst 24 Stunden nach der Anreise ausgezahlt. Dies, damit sichergestellt ist, dass der Gast die Unterkunft auch in jenem Zustand vorfindet, wie sie ihm angeboten wurde.

Was die Abgaben an die Airbnb-Betreiber angeht, zahlen die Objektanbieter eine Kommission zwischen 3 und 5 Prozent. Der Gast seinerseits hat 6 bis 12,5 Prozent vom Übernachtungspreis abzuliefern.

Jeder Nutzer, also Gastgeber und Gast, stellt sich auf Airbnb mit einer Profilseite dar. Gastgeber müssen zumindest ein Bild hochladen und eine Telefonnummer angeben. Gastgeber beschreiben ihre Unterkunft mit Text und Bild. Gast und Gastgeber können sich gegenseitig bewerten. Seit rund sechs Jahren ist es zudem möglich, sein Profil mit sozialen Netzwerke wie Facebook zu verbinden. Dadurch wird die Anzeige der Bewertungen eines Airbnb-Nutzers durch soziale Kontakte transparent ermöglicht.

Airbnb als Unternehmen vermittelt Unterkünfte in 191 Ländern und 34 000 Städten (Stand: Juli 2016) und geht insgesamt von zwei Millionen Unterkünften sowie rund achtzig Millionen Gast­ankünften aus.
Gemäss Angaben des Walliser Tourismus-Observatoriums, das regelmässig das Airbnb-Segment analysiert, werden derzeit im Berner Oberland rund tausend Airbnb-Objekte auf der Vertriebsplattform ange­boten – Tendenz steigend. hau

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