Interlaken

Verkauft Interlaken seine Seele?

InterlakenHat Interlaken für den Tourismus seine Seele verkauft? Ein Podiumsgespräch an der IGA brachte keine Klarheit darüber, zeigte aber Standpunkte und Ideen auf.

<b>Welche Stellung hat der Tourismus in Interlaken?</b> Diese Frage wurde an einem Podiumsgespräch an der IGA diskutiert.

Welche Stellung hat der Tourismus in Interlaken? Diese Frage wurde an einem Podiumsgespräch an der IGA diskutiert. Bild: Anne-Marie Günter

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Stefan Regez hat den Satz auf einer Zugreise gehört: «Interlaken hat seine Seele verkauft.» Damit eröffnete der Co-Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten» als Moderator das IGA-Podiumsgespräch zum Thema Tourismus. Die Tourismusorganisation TOI hat der Uni Bern eine Tourismussensibilisierungsstudie in Auftrag gegeben. Es geht um den Einbezug der Bevölkerung.

Leben vom Tourismus

An der Interlakner Gewerbeausstellung IGA wurde öffentlich darüber diskutiert. Die Gesprächsteilnehmer waren Sonja Rossel, Lehrerin Schulhotel Regina, TOI-Direktor Daniel Sulzer, KMU-Co-Präsident Xander Kübli, Hotelier Georges Beutler, Gemeinderat Philippe Ritschard und Tourismusjournalist Peter Grunder.

Auch das Publikum – rund hundert Personen fanden sich im Ballsaal des Kursaals ein – war zur Stellungnahme eingeladen. «Ähnliches wie Stefan Regez habe ich auch schon erlebt, und es tut weh», sagte Sulzer.

«Wir leben vom Tourismus, und wir haben Interlaken gut verkauft.»Daniel Sulzer, Direktor Interlaken Tourismus

«Wir leben vom Tourismus, und wir haben Interlaken gut verkauft. Die Hotels brauchen viele Gäste dafür, die nötigen Investitionen zu tätigen und ansprechende Löhne zu zahlen», sagte Hotelier Georges Beutler. Er wies darauf hin, dass das Tourismusgeschäft eine relativ tiefe Wertschöpfung habe und mit sehr viel Arbeit verbunden sei.

Wichtiges Drängeln

Ob die Bevölkerung das Thema überhaupt diskutieren will, ist für Peter Grunder nicht so klar: «Jeder hat zum Tourismus eine eigene Meinung. Wollen wir unsere Haltung überhaupt diskutieren? Dienen liegt den Schweizern nicht», fand er.

«Dienen», sagte Sonja Rossel, würden ihre Auszubildenden gern, und die Multikultigästestruktur sei für die Jungen kein Problem, da sie selber Teil einer Multikultigesellschaft seien.

Ein Auszubildender habe ihr erklärt, dass das störende Drängeln der asiatischen Gäste an den Kassen in deren Kulturkreis lebenswichtig sei. Gemeinderat Philippe Ritschard jedenfalls würde auch unter den heutigen Bedingungen gerne Ferien in Interlaken machen. Aber: «Der latente Unmut ist sehr konkret», sagte Sulzer.

Logiernächte pro Einwohner

Die Studie zeigte, dass auf dem Gemeindegebiet von Interlaken 137 Logiernächte pro Einwohner erzielt werden. Und es gibt Hotspots. «Es geht schon in Richtung Overtourism. An den Hotspots fühlt sich die Bevölkerung bedrängt. Wir würden uns Touristen mit Zeit wünschen, die einen Tag auf dem Platz shoppen. Es muss Spielregeln geben», fand Xander Kübli. TOI, sagte Sulzer, sei in 20 Destinationen aktiv. Er setze auf Qualität statt Quantität, wobei er keine Definition mitlieferte, was das fürs Strassenbild in Interlaken bedeutete.

Konkretes wird in Luzern diskutiert: Eine Eintrittsgebühr für Carreisende. Für Ritschard ist dies aktuell keine Option für Interlaken. «Es liegt in den menschlichen Genen, dass wir immer mehr wollen», sagte er. Dies auch, wenn Hotels in ausländische Hände kommen, weil Einheimische die geforderten Preise nicht zahlen können. Die Motion von Gemeindepräsident Urs Graf im Grossen Rat hätte hier helfen können, wurde aber abgelehnt, sagte Grunder.

Burka und das Perron 2

Kurz angesprochen wurde das Burkaverbot. «Die Bevölkerung macht keinen Unterschied zwischen touristischen Gästen und Einwanderern», sagte Sulzer dazu. Aus dem Publikum kamen zwei konkrete Anregungen. Damit nicht viele Gäste verloren auf dem Perron 2 in Interlaken-West landen, müsse in der Zugdurchsage Lauterbrunnen und Grindelwald als Destination genannt werden.

TOI hat die nötigen Schritte bereits eingeleitet. Und in Sachen der viel genannten AI-Fahrer aus dem arabischen Raum gibts Reiseanbieter, die ihren Kunden die wichtigsten Regeln im Schweizer Verkehr schriftlich mitgeben.

Dass sie die Motoren ihrer Mietwagen nie abstellen, damit die Klimaanlage weiterläuft, stört hierzulande, ist aber bedingt durch die Hitze in den Herkunftsländern. Mit interkulturellen Workshops versucht TOI, das Verständnis zu wecken. (Berner Oberländer)

Erstellt: 19.10.2018, 19:30 Uhr

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