Verband pfeift Schilthornbahn zurück

Mürren

Die Tarifgemeinschaft Direkter Verkehr Schweiz verbietet der Schilthornbahn, den Swiss Travel Pass weiterhin anzuerkennen. Deren Direktion will erst mal abwarten – und dann schauen, wie weiter.

Die Kabine der vierten Sektion fährt vom Birg Richtung Schilthorngipfel (oben rechts).

Die Kabine der vierten Sektion fährt vom Birg Richtung Schilthorngipfel (oben rechts).

(Bild: Bruno Petroni)

Sollen Touristen auch künftig mit dem erworbenen Swiss Travel Pass aufs Schilthorn fahren dürfen oder nicht? «Nein», sagt jetzt die Tariforganisation Direkter Verkehr Schweiz. Schilthornbahn-Direktor Christoph Egger nennt es «einen neuen Anlauf der Grossen, ihre Tarifpolitik durchzusetzen». Mit den Grossen meint er den direkten Konkurrenten auf der gegenüberliegenden Talseite, die Jungfraubahn, sowie die Titlisbahn.

Christoph Egger will sich auf Anfrage momentan aber nicht weiter zum Thema äussern, erst mal den schriftlichen Entscheid abwarten, analysieren «und dann schliesslich entscheiden, wie weiter». Auf Grund von Medienberichten sei es nicht einfach, die Sachlage zu beurteilen, begründet Christoph Egger mit der Bemerkung, «dass es einfach nicht gut ist, wenn der Gast unter solchen Meinungsverschiedenheiten leiden muss».

Theoretisch hätte die Schilthornbahn die Möglichkeit, das Touristen-GA weiterhin zu akzeptieren, sofern sie das reguläre Generalabonnement anerkennen würde. «Dies kommt für uns aber nicht infrage. Die Einnahmenverluste wären viel zu gross für uns», so Christoph Egger. Die Jungfraubahn wollte am Mittwoch auf Anfrage keine Stellung zum Thema nehmen.

Ein stetes Hin und Her

Seit Anfang 2018 akzeptieren die Schilthornbahn sowie in der Zentralschweiz die Stanserhorn- und die Brunnibahn das Touristen-GA, womit sie gemäss der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag» «den Zorn ihrer Mitbewerber» auf sich zogen. Jetzt entschied die über 250 Mitglieder umfassende Tarifgemeinschaft Direkter Verkehr Schweiz, dass die Bergbahnen künftig nicht mehr frei sind, das Touristen-GA anzuerkennen. Der vom Tarifverband erlassene Entscheid soll auf Anfang 2020 in Kraft treten.

Verbandsabstimmung läuft

Der Tarifverband Direkter Verkehr Schweiz rechtfertigt seinen neusten Entscheid damit, dass die Ausschüttung aus dem Abotopf pro Fahrt schrumpfen würde, wenn immer mehr Bergbahnen das Touristen-GA anerkennen würden. Erhöhe man alternativ den Preis des Passes, werde er für Touristen zu teuer. Mit den klar definierten Kriterien solle verhindert werden, dass der Swiss Travel Pass an die Wand gefahren werde.

Organisationssprecherin Sabine Krähenbühl erklärte am Mittwoch auf Anfrage, «dass die Eigenkompetenz jedes Transportunternehmens seinem Kunden gegenüber zwar durchaus Sinn macht und die Unternehmen im Prinzip eine Tarifautonomie geniessen. Bei einem Tarifverbund muss sich der einzelne Anbieter aber auch mal der Mehrheit der Mitglieder anschliessen.»

Der Entscheid des strategischen Ausschusses liegt zurzeit den rund 250 angeschlossenen Transportunternehmen zur Abstimmung vor. Nur wenn die Mehrheit zustimmt, wird der Zugang zum Swiss Travel Pass eingeschränkt.

Das Touristen-GA

Der Swiss Travel Pass ist ein Generalabonnement für Personen mit ständigem Wohnsitz im Ausland. Er kann für die Dauer von 3 bis 15 Tagen gekauft werden und erlaubt den Gästen so unlimitiertes Reisen an definierten und aufeinanderfolgenden Tagen per Bahn, Bus, Schiff und in den Städten sowie den Eintritt in über 500 Museen der Schweiz.

Berner Oberländer

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