Eine grosse Schaufel für die V-Bahn

Auf dem Parkplatz der Männlichenbahn erfolgte am Montag der offizielle Spatenstich für die V-Bahn. Die Stimmung unter den Verantwortlichen war ­verständlicherweise gut.

So sieht die V-Bahn künftig aus: Die Video-Animationen zeigt die neue Talstation und die neue Bahn.
Samuel Günter@samuel_guenter

Als am Montagvormittag der Festakt begann, öffnete der Himmel nochmals die Schleusen und deckte die illustre Gästeschar beim Spatenstich für die V-Bahn mit dicken, schweren Tropfen ein. Doch bei einem Event, bei dem die Jungfraubahnen die Fäden ziehen, ist man auf solche Eventualitäten vorbereitet: Sofort machten Mitarbeiter die Runde und verteilten Schirme.

«Das Wetter passt», erklärte Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler. «In der Geschichte der V-Bahn herrschte auch nicht immer eitel Sonnenschein.»

Ja, die V-Bahn gab in den vergangenen Jahren viel zu diskutieren, zu schreiben und zu streiten. Sie umfasst den Ersatz der Männlichenbahn, eine neue Gondelbahn – den Eiger-Express –, eine Haltestation der Berner-Oberland-Bahn an der Rothen­egg, einen neuen Terminal im Grund, ein Parkhaus im Grund und die Erneuerung des Rollmaterials der Wengernalpbahn und der Jungfraubahn. Kostenpunkt: 470 Millionen Franken.

«Hier entsteht ein Projekt mit grosser Strahlkraft», erklärte der bernische Baudirektor Christoph Neuhaus beim Spatenstich. Die V-Bahn werde dem Tourismus im Berner Oberland und im ganzen Kanton wichtige Impulse geben.

«Die V-Bahn ist sehr wichtig für den Kanton Bern»: Christoph Neuhaus im Videointerview. Video: Samuel Günter/Fritz Lehmann

Nun ist auf dem Parkplatz der GGM der offizielle Spatenstich erfolgt. Zwar mit einer übergrossen Schaufel für acht Personen, wer aber eine pompöse Show erwartete, wurde enttäuscht. Keine Superstars wie Roger Federer, Vitali Klitschko oder Tony Parker gaben sich die Ehre.

Irgendwie passend: Das Projekt soll der Star sein. «Heute ist ein V-Bahn-Tag», meinte Kessler. «Entsprechend gibt es einen V-Bahn-Apéro mit Wurst, Brot und Käse in V-Form.»

Kessler erläuterte den Behördenvertretern, Geschäftspartnern und Medienschaffenden die verschiedenen Teilstücke, die die V-Bahn ausmachen. Und dabei zeigte sich, dass der Spatenstich eigentlich arg verspätet ist: Das Gesamtprojekt ist schon lange im Bau.

Gewisse Teile, wie etwa die Erneuerung des Rollmaterials der beteiligten Bahnen, sind gar ab­geschlossen. «Von den 470 Mil­lionen Franken ist rund die Hälf­te schon ausgegeben», erklärte Kessler.

Urs Kessler, CEO der Jungfraubahnen, sprach von einem historischen Moment für die Jungfrau-Region.

«Es war ein intensiver Kampf»: Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler zeigt sich nach dem V-Bahn-Spatenstich erleichtert. Video: Samuel Günter

Und während Kessler sprach, stand ihm Daniel Zihlmann, Geschäftsführer der GGM, mit einem Schirm zur Seite und sorgte dafür, dass der Kollege nicht nass wurde. Ein mögliches Sinnbild für die Partnerschaften, die nötig sind, um ein Grossprojekt zu realisieren?

Sämtliche Referenten lobten auf jeden Fall die Zusammenarbeit. Am lautesten Andreas Kaufmann, Verwaltungsratspräsident der GGM. «Wir sind dankbar, dass wir als kleine Bahn sehr fair miteinbezogen wurden.»

Erfreut zeigte sich auch Regierungspräsident Christoph Neuhaus. «Hier entsteht ein Projekt mit grosser Strahlkraft über die Kantons- und gar Landesgrenzen hinaus.» Er erhoffe sich von der V-Bahn wichtige Impulse für den Tourismus, aber auch für den öffentlichen Verkehr.

«Die Anbindung ans nationale Schienennetz macht die Anreise per Bahn nochmals attraktiver.» Und das geplante Park and Ride in Wilderswil dürfe helfen, die Täler vom Autoverkehr zu entlasten.

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Uneinigkeit herrschte, ob es sich beim Spatenstich um einen historischen Moment handle. Christian Anderegg, Gemeindepräsident von Grindelwald, verneinte. «Wir bauen hier kein Denkmal, sondern etwas für die Zukunft.»

Kessler widersprach: «Gerade im Hinblick auf diese Zukunft ist es eben ein historischer Moment für Grindelwald und die gesamte Region.» Da waren sie sich dann auch wieder einig: «Für Grindelwald ist dies der Anfang einer neuen Ära», meinte Anderegg.

Es war ein langer, beschwerlicher Weg, der zu diesem Spatenstich führte. «Ich habe nicht mehr daran geglaubt», meinte Thomas Bieger, Verwaltungsratspräsident der Jungfraubahn Holding AG. «Aber die Hartnäckigkeit von Urs Kessler hat sich am Ende doch ausgezahlt.»

Berner Oberländer

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