Interlaken

Tolle Stimmung und Spannung pur am Jungfrau-Marathon

Interlaken4080 Läuferinnen und Läufer starten am Samstag zum 24. Jungfrau-Marathon. Unter ihnen auch 501 aus dem Berner Oberland. Jonathan Schmid aus Adelboden und ­Karin Jaun aus Unterseen waren die schnellsten Oberländer.

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Samstagmorgen, 9 Uhr: Ehrenstarterin Nicola Spirig, die Triathlon-Olympiazweite von Rio, schliesst nicht wie die Schützen ein Auge, sondern beide, krümmt den Zeigefinger, es chlepft: 984 Läuferinnen und 3096 Läufer aus fünf Kontinenten und 62 Ländern setzen sich mit Ziel Kleine Scheidegg in Bewegung. Drei Stunden später wird der Schotte Robbie Simpson am Ziel jubeln, 19 Minuten darauf die Schweizerin Martina Strähl ihren neuen Streckenrekord feiern. Auch die Oberländer dürfen sich über gute Zeiten und Ränge freuen.

Eine Stunde vor dem Start: Läuferinnen und Läufer tänzeln und hüpfen auf der Höhepromenade, dehnen und lockern die Muskeln, reiben Salbe ein. Die heute so wichtigen Transportmittel wollen gepflegt sein. Im Grand Hotel Victoria-Jungfrau begrüsst derweil OK-Präsident Toni Alpinice bei Kaffee und Gipfeli Gäste. Und unter diesen hat es ganz besondere: Schwingerkönig Matthias Glarner und Ultratriathlon-Weltmeister Roland Scheurer aus Goldswil (Ultra-Tri = Ironman mal zwei) sowie die Triathlon-Olympiazweite Nicola Spirig, die Ehrenstarterin.

Das Läuferfeld zieht sich rasch in die Länge. Nach einer 3,2 Kilometer langen Runde in Interlaken kommen die Marathönler wieder beim Start vorbei. Die Favoriten haben sich vorne eingereiht. Das Tempo ist hoch und die Stimmung im Publikum, das dicht gedrängt an der Strasse steht, ebenso. «Hopp, Papi», schreit ein Knirps und schwenkt wie wild ein Schweizer Fähnchen. Auf 20'000 schätzt das Organisationskomitee das Publikum entlang der Route. Er herrscht eine tolle Stimmung.

Einige Oberländerinnen und Oberländer wissen den Heimvorteil – wenn es denn so einen gibt – zu nutzen. Der 24-jährige Jonathan Schmid ist als Vierzehnter im Ziel und belegt in der Kategorie M 20 den 7. Rang. Der Adelbodner war 2014 erstmals dabei und brauchte 4 stunden und 25 Minuten für die 42,2 Kilometer.

Im letzten Jahr war er bereits 45 Minuten schneller und heuer nun nochmals eine Viertelstunde. Mit 3:24,40,6 erreicht er sein hochgestecktes Ziel. Aber er sieht noch Steigerungspotenzial: «Ich laufe sonst eigentlich nur halb so lange Strecken, und so fehlte mir auf den letzten 10 Kilometern etwas die Grundlage, obschon ich eigentlich am Berg stärker bin als im Flachen», schildert der 24-jährige. Nur 3 Minuten langsamer als Schmid ist der Ringgenberger Philipp Feuz. Das reicht zu Rang 16 insgesamt und Platz 8 in der Kategorie M 20.

«Der Rang ist zwar okay, aber die Zeit etwas unter den Erwartungen», zieht er Bilanz. Er sei jetzt zum sechsten Mal gestartet und habe zum dritten Mal eine 3:27er- Zeit gelaufen. «Das bräuchte ich jetzt eigentlich nicht mehr.» Sein Minimalziel habe er aber er­reicht, freut sich der 33-Jährige doch noch.

Zwei weitere Oberländer schaffen es aufs Podest ihrer Kategorie: Der österreichische Habker Martin Ploner als M-50-Zweiter und der Interlakner Hotelier und TOI- Präsident Erich Reuteler als M-60-Dritter.

Karin Jaun und der Jungfrau-Marathon, das stimmt. «An diesem Lauf ist Karin immer in Form», stellte Race-Director Richi Umberg letzte Woche fest. Und so ist es denn auch. Die 47-jährige Unterseenerin ist als Zwölfte insgesamt schnellste Oberländerin und wiederholt ihren Vorjahressieg in der Kategorie F 45. Und so schildert sie ihren Lauf: «Äs isch mer tipptopp gloffe. I ha Fröid.» Ihre Erfahrung habe dazu beigetragen. Sie habe viel getrunken und, um Beinkrämpfen vorzubeugen, auch eine Salztablette geschluckt.

Ebenfalls aufs F-45-Podest schafft es die Mattnerin Judith Graf als Dritte. Die 45-Jährige kommt fast auf die Sekunde ins Ziel wie im Vorjahr. 4:12.26,7 reichen insgesamt zu Platz 20. Die zweitschnellste Zeit aller Oberländerinnen lief Jasmin Zürcher aus Goldiwil (Rang 14 overall, 4. M 35).

Da wäre noch Helmut Perreten aus Unterseen. Er lief bei seiner 16. Teilnahme zum zwölften Mal nacheinander unter 4 Stunden auf die Scheidegg. Dieses Mal in 3:45 (39. overall, 7. M 40). Perreten ist Direktor der Industriellen Betriebe Interlaken, im Vorstand des Jungfrau-Marathons und Präsident des Golden Clubs Jungfrau-Marathon, der die langfristige Sicherung des Events anstrebt und ihn in der Gesellschaft stärker verankern will.

Der Club biete eine erstklassige Network-Plattform im Oberland, macht Perreten Werbung, und ermögliche die Teilnahme an exklusiven Club-Events. Der Club hat bis jetzt rund 70 Mitglieder (Einzelpersonen, Paare, Unternehmen). Dabei sind unter anderem Viktor Röthlin, Simone Niggli und Heinz Frei.

OK-Präsident Toni Alpinice zog am Abend des Renntags höchst zufrieden Bilanz. «Wir hatten ein spannendes Rennen bei herr­lichem Wetter und einer grossartigen Stimmung.» Zwischenfälle habe es keine gegeben. «Es passte einfach alles zusammen.» Die 1700 Helferinnen hätten sehr gute Arbeit geleistet und seien mit der gleichen Begeisterung wie die Startenden dabei gewesen. Die Onlineanmeldung für den 25. Jungfrau-Marathon startet am Valentinstag, dem 14. Februar 2017. (Berner Oberländer)

Erstellt: 11.09.2016, 17:36 Uhr

Die Sieger und die besten Oberländer

Männer: Overall: 1. Robbie Simpson (GBR) 3:00.11,7. 2. Birhanu Mekonnen (ETH) 3:05.33,6. 3. Stephan Wenk (Greifensee) 3:06.17,2. 4. Eric Blake (USA) 3:07.41,8. 5. Patrick Wieser (Aadorf) 3:08.28,6. 6. Lahcen Mokraji (Mar) 3:13.08,1. 7. François Leboeuf (Vevey) 3:14.24,2. 8. Florian Neuenschwander (De) 3:14.59.4. Ferner: 14. Jonathan Schmid (Adelboden) 3:24.40,6. 16. Philipp Feuz (Ringgenberg) 3:27.39,9. –

Kategorien. M20: 1. Robbie Simpson (GBR) 3:00.11,7. 7. Jonathan Schmid (Adelboden) 3:24.40,6. 8. Philipp Feuz (Ringgenberg) 3:27.39,9.

M35: 1. Eric Blake (USA) 3:07.41,8. 17. Thomas Wiessner (Heimberg) 3:54.22,8.

M40: 1. Arnold Aemisegger (FL) 3:20.47,4. 7. Helmut Perreten (Unterseen) 3:45.28,1.

M45: 1. Udo Thommen (De) 3:28.34,8. 6. Markus Jenni (Steffisburg) 3:49.54,4. 9. Gerhard Zeller (Stechelberg) 3:53.19,2.

M50: 1. Guido Häfliger (Oberkirch) 3:48.07,9. 2. Martin Ploner (Habkern/Ö) 3:48.22,3.

M55: 1. Karl Oertig (Flawil) 3:58.14,3. 10. Gerhard Mühlemann (Thun) 4:25.23,5.

M60: 1. Peter Augsburger (Wynigen) 3:53.51,1. 3. Erich Reuteler (Interlaken) 4:33.41,4. –

M65: 1. Gallus Demont (Domat/Ems) 4;15.56.0. 10. Mario Giacometti (Gsteigwiler) 5:14.24,3.

M70: 1. Franz Reichoer (Ö) 4:56.59,2. 4. Hanspeter Kundert (Steffisburg) 5:30.09,1.

Frauen: Overall: 1. Martina Strähl (Horriwil) 3:19.15,2. 2. Michelle Maier (De) 3:30.22,4. 3. Aline Comboulives (Fr) 3:39.38,2. 4. Megan Kimmel (USA) 3:41.07,8. 5. Petra Eggenschwiler (Rubigen) 3:45.09,2. 6. Lucia Mayer (Ennetbürgen) 3:46.08,4. 7. Mireille Baart (NL) 3:46.51,6. 8. Nicolina Sustic Stankovic (Cro) 3:51.52,0. Ferner: 12. Karin Jaun (Unterseen) 4:01.42,2. 14. Jasmin Zürcher (Goldiwil) 4:05.31,3.

F20: 1. Martina Strähl (Horriwil) 3:19.15,2. 18. Gabriela Weibel (Spiez) 4:34.16,2.

F35: 1. Megan Kimmel (USA) 3:41.07,8. 4. Jasmin Zürcher (Goldiwil) 4:05.31,3. 5. Ursina Zesiger-Holliger (Wilderswil) 4:12.10,8. – F40: 1. Aline Comboulives (Fr) 3:39.38,2. 5. Regula Wenger (Schwarzenegg) 4:17.38,2. –

F45: 1. Karin Jaun (Unterseen) 4:01.42,2. 3. Judith Graf (Matten b.I.) 4:12.52,4. 6. Doris Krenger (Thun) 4:31.14,8. 7. Susanne Aegler (Spiez) 4:32.01,0. –

F50: 1. Angeli de Koning (NL) 4:25.35,4. 34. Elisabeth Kohler (Unterseen) 5:24.26,9.

F55: 1. Verena Iseli (Kilchberg) 4:33.19,9. 7. Ursula Sager (Unterseen) 5:18.00,7.

F60: 1. Monique Brodard (Rossens) 5:04.13,2. 11. Marlies Heimberg (Oberwil i.S.) 6:10.45,8.

F65: 1. Uschi Meyer (Zürich) 5:42.58,3.

Ganze Rangliste: www.jungfrau-marathon.ch

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