Kandergrund

Tierschützer filmten Fischquälerei am Blausee

KandergrundBeim Ausfischen des Blausees haben Tierschützer verstörende Bilder aufgenommen. Die Veranstalterin des traditionellen Events wurde bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Der Schweizer Tierschutz (STS) hat beim Ausfischen des Blausees etliche Verstösse gegen die Tierschutzgesetzgebung auf Video festgehalten. Quelle: STS

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«Was wir am Blausee gesehen haben, möchten wir nie mehr sehen müssen»: Das schreibt Rolf Frischknecht, Präsident des Dachverbands Berner Tierschutzorganisationen in einer am Dienstag verschickten Medienmitteilung.

Beim traditionellen Ausfischen des Blausees letzten Oktober hätten Vertreter des Dachverbandes und des örtlichen Tierschutzvereins «miterlebt und dokumentiert, wie gefangene Fische von Laien, darunter auch von Kindern, am Haken zappelnd herumgezeigt und fotografiert wurden». Der Schweizerische Tierschutz (STS) hat einige dieser Szenen auf Video festgehalten und auf seiner Website veröffentlicht.

«Alibi-Merkblatt»

Das Video belegt Frischknechts Vorwürfe: «Mit Zangen wurde an noch lebenden Fischen herumoperiert, um die Haken aus dem Maul zu entfernen. Rund acht Tonnen Fisch, das sind mehr als 20'000 Einzeltiere, konnten von jedermann, von Hinz und Kunz, gefangen, getötet und anschliessend käuflich erworben werden.»

Eine Aufsicht sei zwar vor Ort gewesen, aber nie eingeschritten. Und dies «selbst bei offensichtlichem Widerhandeln gegen das vom Anbieter abgegebene Alibi-Merkblatt». Deshalb habe man bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Anzeige gegen die Blausee AG wegen Inkaufnahme von Tierquälerei eingereicht.

«Es tut uns leid»

«Bei uns ist die Anzeige bis jetzt nicht eingetroffen», sagte Stefan Linder, Verwaltungsratspräsident der Blausee AG, gestern auf Anfrage. Und: «Ich finde es schade, dass der Tierschutz bis heute nie mit uns in Kontakt getreten ist». Man sei sich der Problematik nämlich durchaus bewusst, so Linder.

«Wir stellen das beliebte Ausfischen, welches seit Jahrzehnten durchgeführt wird, in dieser Form grundsätzlich in Frage.»Stefan Linder, VR-Präsident Blausee AG

Die Blausee AG setze fangfähige Forellen aus, welche die Angler unter Aufsicht befischen könnten. «Die Angler müssen sich an die Tierschutzvorschriften halten», sagt Linder weiter. Zu diesem Zweck werde jedem Angler ein Merkblatt abgegeben. Die angelandeten Fische seien sofort durch einen gezielten Kopfschlag zu betäuben, anschliessend müsse ein Kiemenschnitt durchgeführt werden.

«Dass es offenbar zu Zuwiderhandlungen gekommen ist, tut uns leid», stellt Linder fest. Die Blausee AG habe alles daran gesetzt, die Tierschutzverordnung einzuhalten.

«Wir entscheiden im März»

Aber: «Wir stellen das beliebte Ausfischen, welches seit Jahrzehnten durchgeführt wird, in dieser Form grundsätzlich in Frage», so Linder. Der Verwaltungsrat werde an seiner Sitzung im März einen definitiven Entscheid fällen. (Berner Oberländer)

Erstellt: 24.01.2017, 16:47 Uhr

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