Sundlauenen

Sundlauenen bleibt bei Beatenberg

SundlauenenDie Sundlauener stimmten zwar einem Wechsel zu Unterseen im Verhältnis 17:3 zu, die Beatenberger lehnten dies aber mit 63 Prozent Nein-Stimmen ab. Da nützte auch die ­Zustimmung von Unterseen (81 Prozent Ja) nichts.

Sundlauenen (Bildmitte am Seeufer) bleibt bei Beatenberg (oben links) und wechselt nicht nach Unterseen (hinten rechts).

Sundlauenen (Bildmitte am Seeufer) bleibt bei Beatenberg (oben links) und wechselt nicht nach Unterseen (hinten rechts). Bild: Bruno Petroni

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Zur Ausgangslage: Die Sundlauener (unten am See) richten sich in vielen Lebensbereichen auf das benachbarte Unterseen und nicht auf «ihre» Gemeinde Bea­tenberg (oben am Berg) aus. Die Kinder besuchen die Schule bereits seit Jahren im Stedtli. So erstaunte es nicht, dass sich in einer 2014 vom Gemeinderat Beatenberg in Sundlauenen lancierten Umfrage 45 Personen für und 10 gegen einen Ortswechsel zu Unterseen aussprachen.

In der Folge wurde eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, der die beiden Gemeindepräsidenten – Christian Grossniklaus (Beatenberg) und Jürgen Ritschard (Unterseen) – Gemeinderäte und Kader der Gemeindeverwaltungen angehörten. Präsidiert wurde die Arbeitsgruppe von Alt-Regierungsstatthalter Walter Dietrich.

Bald wurde klar, dass so ein Ortswechsel eine komplexe Angelegenheit ist. Und so engagierte die Arbeitsgruppe den Berner Rechtsanwalt Daniel Arn, einen Experten in Sachen Gemeinderecht, als Berater. Es wurde ein Vertrag erarbeitet, der die Grundlage für einen Ortsteilwechsel bildete.

Klare Entscheide

Nun wurde abgestimmt. An der Urne war (in beiden Gemeinden und dem Ortsteil Sundlauenen) folgende Frage zu beantworten: «Wollen Sie dem Wechsel des Ortsteils Sundlauenen von der Gemeinde Beatenberg zur Gemeinde Unterseen zustimmen?»

Am Sonntagachmittag gab Walter Dietrich, der Präsident der Arbeitsgruppe, das Abstimmungsergebnis im Beisein der Gemeindepräsidenten und -schreiber im Amtshaus Unterseen das Resultat bekannt:

  • Sundlauenen stimmte bei einer Stimmbeteiligung von 80,77% mit 54 Ja (85,71%) und 9 Nein (14,29%) zu.
  • Unterseen stimmte bei einer Stimmbeteiligung von 35,87% mit 1153 Ja (81,25%) gegen 266 Nein (18,75%) ebenfalls zu.
  • Beatenberg aber lehnte das Vorhaben mit 338 Nein (63,18%) gegen 192 Ja (35,89%) deutlich ab (Stimmbeteiligung 63,61%).

Damit ist ein Wechsel von Sundlauenen von Beatenberg zu Unterseen abgelehnt.

«Wir sind enttäuscht»

In den letzten Wochen war vor allem auf dem Berg ein heftiger Abstimmungskampf entbrannt. Der Ortsverein Sundlauenen hatte eine Kerngruppe mit Marianne Graf Bärtschi, Monika Berger und André Stettler nominiert, die sich mit viel Herzblut für ein Ja einsetzte. Und nun? «Wir sind enttäuscht», gab am Sonntagnachmittag Marianne Graf Bärtschi unumwunden zu, «enttäuscht über das Ergebnis vom Berg und darüber, dass das Thema nun für längere Zeit vom Tisch ist.» Aber selbstverständlich werde der Entscheid der Stimmenden akzeptiert. «Wir hoffen nun, dass sich der Berg auch wirklich für uns Sundlauener interessiert und einsetzt und es bei diesem Abstimmungs-Nein nicht nur um Macht und Gebietsabtretung gegangen ist.»

Die Gemeindeexekutiven Bea­tenberg und Unterseen hatten zwar ein Ja zur Abstimmungsvorlage empfohlen, sich im Wahlkampf aber zurückgehalten. Christian Grossniklaus stellte fest, dass den Stimmbürgern «saubere» Unterlagen geliefert worden seien, die ihnen ein Urteil ermöglicht hätten. Er wehre sich gegen den Vorwurf, der Gemeinderat habe Sundlauenen verscherbeln wollen. Unterseen habe sich grosszügig gezeigt.

Was war das Hauptargument gegen den Ortsteilwechsel? Grossniklaus: «Mir gä nüt ab.» Dass die Schwellenkorporation wesentlich ent­lastet worden wäre, sei nicht eingesehen worden. Für Unterseens Gemeindepräsident Jürgen Ritschard ist klar, dass das Verhältnis zu Beatenberg weiterhin freundschaftlich bleibt. Das deutliche Ja der Stedtler wertet er als Vertrauen in den Gemeinderat.

Nun heisse es Abbruch der Übung. Aber es gibt noch eine Rechnung. Die Projektkosten von rund 150 000 Franken werden nach Massgabe der Einwohnerzahlen auf die beiden Gemeinden verteilt: Unterseen 83, Beatenberg 17 Prozent. (Berner Oberländer)

Erstellt: 26.11.2017, 21:24 Uhr

Kommentar

Wie erwartet

Das Resultat ist klar und ist ohne Wenn und Aber zu respektieren. Das kantonale Recht schreibt vor, dass ein Gebietswechsel von den Stimmberechtigten der betroffenen Gemeinden beschlossen werden muss und zudem die auf dem vom Wechsel betroffenen Gebiet wohnhaften Stimmberechtigten dem Geschäft ebenfalls zustimmen müssen. Dass der Wunsch der Sundlauener, zu Unterseen zu wechseln, in ihrem Ortsteil breit abgestützt ist, zeigt das Abstimmungsresultat. Dass Unterseen zustimmen würde, konnte angenommen werden. Und dass Beatenberg – die vom Berg – das Vorhaben mehrheitlich ablehnen würden, zeichnete sich im Abstimmungskampf ab. So kam es wie erwartet.

Der Arbeitsgruppe kann attestiert werden, dass sie gut gearbeitet hat und den Stimmberechtigten eine ausführliche Abstimmungsbotschaft vorgelegt hat, aufgrund derer sie sich eine Meinung bilden konnten. Angesichts fehlender Erfahrung war die Beurteilung zahlreicher Rechtsfragen aufwendig und anspruchsvoll. War die grosse Arbeit für die Katz? Nein. Mindestens für die nächsten Jahre ist das Thema Ortswechsel nun entschieden und vom Tisch. Die oben am Berg können nun beweisen, dass ihnen der Ortsteil unten am See am Herzen liegt. Und die Gemeinden Beatenberg und Unterseen werden wie bisher freundschaftlich verbunden sein.

u.flueck@bom.ch

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