So kann das Kulturerbe überleben

Iseltwald

Wie kann das bauliche Kulturerbe geschützt werden? Dieser Frage widmeten sich rund fünfzig Einheimische zusammen mit Vertretern vom Heimatschutz und weiteren Fachleuten.

Zahlreiche Interessierte besichtigten im Gebiet Hohfluh die historische Gebäudegruppe mit Ofenhäuschen (links hinten) und Weidhaus (rechts), deren teilweise Umnutzung die Erhaltung des Kulturerbes erleichtert.<p class='credit'>(Bild: Sibylle Hunziker)</p>

Zahlreiche Interessierte besichtigten im Gebiet Hohfluh die historische Gebäudegruppe mit Ofenhäuschen (links hinten) und Weidhaus (rechts), deren teilweise Umnutzung die Erhaltung des Kulturerbes erleichtert.

(Bild: Sibylle Hunziker)

«Ein Gebäude, das nicht mehr genutzt wird, lässt sich meist nicht auf Dauer erhalten», sagte Heini Sauter, Bauberater-Obmann der Regionalgruppe Interlaken-Oberhasli des Berner Heimatschutzes, am Samstag in Iseltwald aus Anlass des Europäischen Kulturerbejahres. Das Dorf hat die nötige Balance zwischen Schutz und Nutzung meist ge­funden und ist im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz. «Interessant ist in Iseltwald nicht nur die Qualität der historischen Häuser und Ge­bäudegruppen, sondern auch ihre Vielfalt», erläuterte Tatiana Lori, stellvertretende Denkmalpflegerin des Kantons Bern.

An den zum Teil über 400-jährigen Bauernhäusern, Backhäuschen und Melkhüttli, an Ferienhäusern und Hotels lässt sich die Entwicklung des Bauern- und Fischerdorfs zu einem beliebten Ferien- und Ausflugsziel ablesen.

Sorge tragen zum Dorfleben

In den letzten Jahren wurde aber auch viel Neues gebaut. Dabei ­waren Kompromisse nötig, wie die Seepark-Überbauung mitten im Dorf zeigt. Heute biete der Seepark mit dem Dorfladen samt Post und Tourismusbüro im alten Bären ebenso wichtige Infrastruktur fürs Dorfleben wie der neu gestaltete Dorfplatz, der für Feste und Vereinsanlässe rege genutzt wird, berichtete Gemeindepräsident Peter Rubi. Nun hoffen die Iseltwalder, dass Ähnliches künftig mit der Seeburg gelingt; der prägnante, denkmalgeschützte Bau steht zum Verkauf.

Kein Schüürli-Inventar

Nicht nur die Entwicklung im Ort beschäftigt die Gemeinde, sondern auch die umliegende Streusiedlung. Allerdings plant die Gemeinde bei der laufenden Ortsplanungsrevision kein Inventar von «landschaftsprägenden Bauten» im Sömmerungsgebiet, das die Umnutzung alter Schüürli erleichtern würde. Die Gemeinde stehe solchen Umnutzungen zwar positiv gegenüber, erläuterten Peter Rubi und Niklaus Fahrländer, der die Ortsplanung ju­ristisch begleitet; ein Inventar im weitläufigen Alpgebiet sei aber sehr aufwendig.

Bisher hat noch keine bernische Gemeinde ihr Sömmerungsgebiet in Hinblick auf die Um­nutzung von Schüürli inventarisiert, obwohl die Möglichkeit seit 2006 besteht. Einen Grund sieht Matthias Boss von der Regionalkonferenz Interlaken-Oberhasli im mässigen Interesse an den kleinen Schüürli.

Im ständig bewohnten Siedlungsgebiet sind Umnutzungen möglich, wo schon vorher ein Teil des Gebäudes bewohnt wurde. Als Beispiel wurde am Samstag ein altes Weidhaus im Gebiet Hohfluh besichtigt. Zusammen mit einem Ofenhäuschen und einer alten Scheune bildet das Gebäude eine malerische Gruppe, die viel über die Entstehung und Nutzung der Kulturlandschaft erzählt.

Landwirtschaft kann helfen

Der Landwirt Alfred Abegglen, der das Gebiet von der Gemeinde gepachtet hat, unterhält die Gebäude. Das Weidhaus, das schon früher jeweils im Frühling und im Herbst bewohnt war, ist an Ferienleute dauervermietet. Beim Stall, der nie einen Wohnteil hatte, ist das rechtlich nicht möglich. Allerdings wäre dort theoretisch der Aufbau eines zusätzlichen Wirtschaftszweigs für einen Landwirtschaftsbetrieb denkbar, etwa mit «Schlafen im Stroh». «Sicher keine gute Lösung ist in solchen Fällen ein separater Verkauf an Nichtlandwirte», sagte Heini Sauter. Denn dann ist keine Umnutzung mehr möglich, und die Chancen für eine Erhaltung sinken.

Berner Oberländer

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