Frutigen

Skilift-Wellness für den Allerwertesten

FrutigenEine Neuheit, made in Sweden, soll der Elsigenalp einen Komfort-Quantensprung bescheren: der erste Wohlfühlbügel der Schweiz. Eine (Sitz-)Probe aufs Exempel.

17 Zentimeter breit: Der neue Skiliftbügel hat eine grosse Auflagefläche. Dies verteilt  den Druck.

17 Zentimeter breit: Der neue Skiliftbügel hat eine grosse Auflagefläche. Dies verteilt den Druck. Bild: Jürg Spielmann

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Diese 17 Zentimeter gehen keinem Wintersportler am – mit Verlaub – Allerwertesten vorbei. Denn exakt so breit ist, was das Wohlgefühl der Hochgeschleppten frappant steigern soll: der neuartige, extrabreite Liftbügel. Nichts weniger als eine Komfortrevolution verspricht die Elsigenalpbahnen AG zur Neuerung auf ihrer Website. «Die gängigen Bügel sind zwischen 5 und 7 Zentimeter breit», vergleicht Dominik Honegger.

Der Steffisburger ist im sechsten Winter Geschäftsführer am Frutiger Skiberg, der am Mittwoch als erster im Oberland zum Saisonstart lud. Der schmale Bügel sei, etwa in steilen Passagen oder wenn man mit einem Kind hochfahre, nicht wirklich angenehm. In der Tat: Man führe sich jenes Bild vor Augen, wenn Vater oder Mutter mit verkrampfter Mine die Bergstation herbeisehnt, da der Bügel fies in die Kniekehle drückt.

Was taugt das neue Teil? Nicht verzagen, Test wagen. Fünf der exklusiven Schlepphilfen sind eigens für den prächtigen Starttag montiert worden. Die restlichen 235, 15 dienen als Ersatz, sollen in den nächsten Wochen installiert werden. «Super!» Dieses eine Wort sagt Honegger, als er sich die alpine Novität am Mittwoch erstmals anbügeln lässt. Das hat wirklich was: Die spürbar grössere Sitzfläche fühlt sich nicht hart an, vielleicht ein wenig rutschig. Der Neue ist zudem dünner als die alten Bügel, was den Snowboardern zugutekommt.

Alt und neu: Beim Saisonstart am Mittwoch auf Elsigen waren am Habegger-Skilift (links) gängige Bügel angebracht, am Küpfer-Lift waren schon einige neue Komfortbügel montiert. Bild: Jürg Spielmann

«Es ist klar eine Komfortsteigerung», rühmt Monika Kenzelmann. Die Frau aus Unterseen ist auf Elsigen gereist, um «den ersten ‹Gluscht› zu stillen», wie sie sagt. Sie finde die Innovation toll. Sie sagt aber auch, dass ein Sessellift halt «schon noch ein bisschen komfortabler» sei. «Ich mag aber Skigebiete mit Liften, da es in diesen deutlich weniger Wintersportler auf den Pisten hat.»

Ihre Schweizer Premiere hat das kleine Skigebiet Elsigen-Metsch einer langjährigen Mitarbeiterin zu verdanken. 34 Personen arbeiten zur Winterszeit auf der Elsigenalp, 85 Prozent tun dies auch im Sommer auf der Alp. «Diesen Bügel müssen wir haben!», zitiert Dominik Honegger die erwähnte Mitarbeiterin. Gesagt hat sie dies letzten Frühling an der Interalpin, der Branchenfachmesse in Innsbruck. Zuhinterst in einer Halle versteckt sei das schwedische Start-up mit seinen Komfortbügeln gewesen.

Da die Zukunft des Skigebietes in der Innovation und dem Komfort liege («wir wollen und können nicht mit grossen Neuanlagen auftrumpfen»), habe man sich des Themas angenommen, so Honegger. Für die Schweden ist es der Eintritt in den Alpenraum. Im August geordert, trafen die Bügel spät am Montag hoch über dem Engstligental ein. «Es wird eine Art Testsaison sein», sagt der Elsigen-Chef. Es gelte zu schauen, wie sich die Bügel bei Wind und Schnee verhalten. Bei Topwetter hängen sie perfekt. Das mag auch am geringeren Gewicht liegen, das dank eines dünneren Holmens erreicht wurde.

Diesen Winter wird der agilere Küpfer-Lift von 1978 umgerüstet. Sein älterer Bruder, der Habegger-Lift von 1966 (welcher drei Bügellängen oder 20 Sekunden langsamer ist), folgt später. «Unser Ziel ist es, dass wir dereinst alle Skilifte mit den Komfortbügeln ausstatten.» Ohne eine Zahl zu nennen, meint Dominik Honegger, dass es «schon eine Investition» gewesen sei. Keine, die eine kleine, aber rentable Bergbahn eben so aus der Portokasse berappt. (Berner Oberländer)

Erstellt: 16.11.2017, 06:13 Uhr

Immer weniger Skilifte, aber...

An Heiligabend 1934 ging mit dem Davoser Bolgenlift der erste Skilift der Schweiz in Betrieb. Nur wenig später, im Winter 1937, transportierte der erste Schlepplift im Berner Oberland Skifahrer bergwärts: jener auf dem Schiltgrat in Mürren. Er war ausserdem als Erster überhaupt mit Doppelbügeln ausgerüstet.

Danach schossen Skilifte wie Pilze aus dem Boden – und verschwinden nun zusehends wieder, wie der Vergleich von Zahlen beweist. Im Verbandsgebiet der Berner Bergbahnen werden noch 85 Skilifte betrieben. Im Jahr 2000 waren es noch deren 110 gewesen. Die Zahl ist rückläufig, weil vor allem in den grösseren Skigebieten mit dem Einzug der leistungsstarken Sesselbahnen für viele Schlepper das Aus kam. Dies belegen auch Fakten von Seilbahnen Schweiz (SBS): Zur Jahrtausendwende waren es schweizweit 1052, heute sind es noch 805 Skilifte (von total 2492 Anlagen).

Hat der gute alte Schlepplift seine besten Tage gesehen? «Nein, er ist kein Auslaufmodell», widerspricht Andreas Keller. Der SBS-Sprecher begründet: «Er hat in kleineren Skigebieten unverändert seine Berechtigung, da er sich massiv günstiger betreiben lässt als eine Sesselbahn.» jss

Wintersportsaison startet

Erste Pisten und Anlagen im Oberland empfangen Gäste. Nebst dem offenen Gebiet Elsigen-Metsch (vgl. Haupttext) ist am Wochenende das Kerngebiet der Skiregion Adelboden-Lenk, Silleren-Hahnenmoos-Bühlberg-Metsch, in Betrieb.
Auf der Kleinen Scheidegg öffnen am Weekend die Sesselbahnen Wixi, Lauberhorn, Eigernordwand und Arvengarten. Bei guten Verhältnissen werden weitere Anlagen und Pisten in Betrieb genommen. Ausserdem ist der Weg von der Kleinen Scheidegg nach Wengernalp für Winterwanderer geöffnet. Im Gstaader Wintersportgebiet können die Anlagen am Horneggli, an Hornberg und Hornfluh benutzt werden. Die Anlagen im Skigebiet Meiringen-Hasliberg, Reuti-Bidmi-Mägisalp-Alpentower, sind am Samstag und Sonntag in Betrieb.
Auch Loipen können bereits genutzt werden. In Kandersteg im Bereich Schützenhaus, Wildi und Erika sind acht Kilometer Skating gespurt. Im Sparenmoos ob Zweisimmen wird eine kleine Loipe klassisch und Skating angeboten. iek/jss/pd

www.jungfrau.ch/winter
www.meiringen-hasliberg.ch
www.adelboden-lenk.ch

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