Schilthornbahn soll für 90 Millionen Franken ersetzt werden

Bahnen und Stationen sollen modernisiert werden. Die Neubauten orientieren sich grösstenteils an bestehenden Gebäuden und Linienführungen der bisherigen Bahn.

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Schneller als in 18 Minuten wäre man im Berner Oberland fast nirgends auf 2970 Meter Höhe. Wäre, denn bisher ist es eine Vision der Schilthornbahn, ihren Betrieb für die nächsten Jahrzehnte entsprechend fit zu machen. Geplant ist, die jetzige Bahn durch eine neue Luftseilbahn zu ersetzen.

Schilthorn 20XX heisst das Projekt, das gestern den Medien vorgestellt wurde. Die geplante Bahn umfasst drei Sektionen mit je zwei Kabinen auf den Strecken Stechelberg–Mürren–Birg–Schilthorn. Die grösste Neuerung: Die bisherige Transportbahn, die heute direkt von Stechelberg ohne Umweg über Gimmelwald nach Mürren fährt, wird zur Passagierbahn. Damit entfällt ein Umsteigevorgang, die Reisezeit verkürzt sich von heute 32 Minuten auf etwas mehr als 18 Minuten.

Es ist eine sanfte Modernisierung, wie die Verantwortlichen ausführten. Die Neubauten orientieren sich mehr oder weniger an bestehenden Gebäuden und Linienführungen der Bahn.

Qualität vor Quantität

Ist das nun ein weiteres Wettrüsten am Berg? Der Direktor der Schilthornbahn, Christoph Egger, verneint: «Besser, nicht grösser, soll die Bahn werden.» Der Ausflug aufs Schilthorn habe seinen Preis: «Es ist uns wichtig, dass das Bergerlebnis auch durch den entsprechenden Komfort und die Qualität sichergestellt ist.»

Das Bahnunternehmens will den Transport von Einheimischen und Gästen auf der Strecke Stechelberg–Gimmelwald–Mürren beibehalten. «Wir glauben an den Tourismus im südlichen Lauterbrunnental.» Auch die Wintersaison soll profitieren, mit der Höhenlage des Skigebiets halte man schon heute einen Trumpf in der Hand, allerdings sei das Gebiet nicht für die grosse Masse, da anspruchsvoll.

Eine Sanierung ist zu teuer

Egger sagte, dass die ursprüngliche Förderkapazität von 600 Personen pro Stunde mittlerweile auf 400 Personen gesunken sei. Der Grund: Die gestiegenen Platzansprüche der Reisenden, die mit Kinderwagen, Hunden, Gleitschirmrucksäcken und Ähnlichem anrückten. Nach dem Ausbau sollen es mindestens 800 Personen pro Stunde sein. «Der Berg darf aber nicht von Reisenden überrannt werden», sagte Egger. Denn die Platzverhältnisse auf dem Berg liessen weitere, grosse Steigerungen der Besucherzahlen sowieso nicht zu. Doch die ganzjährige Erreichbarkeit des Schilthorns soll sicher­gestellt werden. Will heissen, künftig sind die Bahnsysteme so angelegt, dass Revisionsarbeiten während des Betriebs möglich sind. Schliesslich sollen auch die Gepäcklösungen für den Mürren- Gast besser werden.

Eine Sanierung der bestehenden Luftseilbahn wurde laut ­Egger intensiv geprüft, dann aber verworfen. Denn viele wichtige Nachweise könnten nicht erbracht werden, etwa für den Zustand von Armierungen und dem Beton, weil vor fünfzig Jahren nicht dieselben Dokumentationen notwendig waren wie heute.

«Ein weiterer Betrieb der heutigen Luftseilbahn würde daher laufend zu einer tieferen Förderleistung führen, weil dadurch die konstruktiven Unzulänglichkeiten oder fehlende Nachweise kompensiert würden». Und: Die Kosten für die Sanierung würden mindestes 60 Prozent der Kosten für eine neue Luftseilbahn entsprechen. «Dann hätten wir aber immer noch eine alte Bahn», gab Egger zu bedenken.

«Der Verwaltungsrat hat das Projekt mit Investitionskosten von maximal 90 Millionen Franken definiert. «Diese Investitionskosten sind finanzierbar und tragbar», sagte Verwaltungsratspräsident Peter Feuz. Der Verwaltungsrat stehe geschlossen hinter dem Projekt und sei überzeugt, damit der Bevölkerung, den Gästen, der Tourismusdestination und nicht zuletzt den Mitarbeitenden der Schilthornbahn einen Mehrwert zu bieten.

Spätestens 2024

Und wann soll das Ganze umgesetzt sein? «Wir haben das Projekt bewusst mit dem Jahr 20XX benannt, denn nach dem Prozess der Informationen, Genehmigungs- und Ausschreibungsverfahren ist auch der Bau gestaffelt geplant», sagt Egger. Doch spätestens, wenn auf der Sektion Birg–Schilthorn 2024 grosse Unterhaltsarbeiten anstehen, sollte das Vorhaben realisiert worden sein.

Und wie geht es nun weiter? Das Bewilligungsverfahren ist zweistufig. Mit einer Überbauungsordnung (kantonales Verfahren) wird der Seilbahnkor­ridor festgelegt, die Stationsstandorte umschrieben. Mit einem Plangenehmigungsverfahren auf eidgenössischer Ebene werden etwa Umweltverträglichkeit geprüft und die Geologie und Naturgefahren mit Expertenberichten beurteilt. Die öffentliche Mitwirkung soll bereits im Herbst in Lauterbrunnen durchgeführt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.09.2018, 19:56 Uhr

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