Polo Hofer kehrte gerne auf den Heimatboden zurück

Polo Hofer und Interlaken – eine Beziehung, die so normal wie aussergewöhnlich war. Hier wurde Urs Hofer 1945 geboren, hier wuchs er auf und hier gründete er Rumpelstilz. Zufällige Erinnerungen an eine 72-jährige Liaison.

Vor Freude umgefallen: Polo 2009 auf dem Amman-Hofer-Platz zwischen Rosmarie und Alperose.<p class='credit'>(Bild: Bruno Petroni)</p>

Vor Freude umgefallen: Polo 2009 auf dem Amman-Hofer-Platz zwischen Rosmarie und Alperose.

(Bild: Bruno Petroni)

Am 31. Oktober 2009 fand in Interlaken ein Ereignis statt, das national für Aufsehen und Anerkennung sorgte: Zu Ehren ihrer beiden berühmtesten Musiker weihte die Gemeinde den Amman-Hofer-Platz ein. Womit hatte Polo das verdient?

«Mein Verdienst war», so antwortete er in einem Interview mit dieser Zeitung, «dass ich die Sprache meiner Umgebung verwendete und nationale, zumindest deutschschweizerische Ausstrahlung fand. Wir haben etwas Innovatives kreiert, das aus der hiesigen Situation entstand.» Doch wie sah sie eigentlich aus, diese «hiesige Situation»?

«Die hiesige Situation» war nicht erst mit Polos Geburt am 16. März 1945 entstanden. Nein, schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg, sogar vor dem Ersten, hatte Interlaken den touristischen Teppich für die kulturelle Vielfalt gewoben, aus der Polo später kulturell, vor allem musikalisch seine Ingredienzien aussuchte. Dazu passte auch die erste Schallplatte, die ihm, dem 13-jährigen Buben, seine Mutter schenkte: «New Orleans Function» von Louis Armstrong.

«So wie der will ich auch singen können», zitiert sein Biograf Thomas Küng Polos damaligen Gedanken. Zwei Jahre später gab der im Gesicht schwarz gefärbte Polo auf der Bühne des Kursaals zusammen mit Pfadikollegen eine Armstrong-Parodie zum Besten – und erntete nach einem Bericht im «Oberländischen Volksblatt» sehr viele Lacher und stürmischen Applaus.

Das Ziel, so gut wie Louis Armstrong zu singen, erreichte Polo zwar nicht ganz. Doch gelobt wurde er trotzdem, auch von Hanery Amman: «Zunächst mal ist er ein guter Sänger und Texter. Er kann schon das grobe Muster eines Songs sehr gut einschätzen, dessen Aussage, dessen Ausstrahlung und was damit noch machbar ist. Dazu kommt natürlich noch sein Wort, die Texterei, das Können, eine Stimmung wiederzugeben. Er war schon immer ein Drummer, der nicht über Harmonien, sondern über die Metrik, die Takte, funktionierte.»

Apropos Hanery Amman: Polo erinnerte sich in einem weiteren Interview mit dieser Zeitung «vage daran, dass ich ihn manchmal im Kinderwagen vor dem Haus hin und her fuhr». Gemeint war das Haus an der Central-strasse, just am heutigen Amman-Hofer-Platz, wohin die Familie Hofer von der Marktgasse nach dem Grossbrand von 1950 gezügelt war.

Und aus der zweijährigen Nachbarschaft wurde zwanzig Jahre später eine musikalische Seilschaft namens Rumpelstilz. Deren Geschichte ist seither tausendfach erzählt worden, ist Allgemeinwissen.

«Ich finde, dass Popmusik auch Witz und – zumal wenn die einheimische Sprache verwendet wird, auch Bezug zur Region haben muss», war Polo der Überzeugung.

Tatsächlich: Den Bezug zur Region, zum Berner Oberland, stellte er in vielen seiner Texte her. Buchstäblich ganz lokal wurde er 1987 mit einer Single zum 25-Jahr-Jubiläum des Interlakner Nachtlokals Johnny’s. Aber auch für Bönigen, für Seen, Täler und Berge fand er schöne Worte – für die «Blüem­lisalp einewäg».

Viele solch schöner Worte komponierte Polo Hofer in Interlaken und der Umgebung. Von 1973 bis 1976 trafen sich zu diesem Zweck die Stilze sogar zu sogenannten Trainingslagern, und zwar bei Saxeten in der Buchmatthütte des Skiclubs Wilderswil.

Neben Komponieren und Proben habe man aber auch «andere Dinge trainiert», wie sich Polo und Hanery bei einem dortigen Wiedersehen 2009 erinnerten. Gute Erinnerungen hatte Polo auch an noch höhere Sphären, ans Jungfraujoch: «Unter anderem habe ich hier drei meiner CDs getauft, fuhr mit den Schlittenhunden und habe im Eispalast Forschung betrieben, um herauszufinden, wie ein Joint in dieser Kälte und Höhe wirkt.»

Es gab noch unzählige Gründe mehr für Polo, seine Heimat zu besuchen. Oft waren es familiäre Gründe, Besuche bei seiner Mutter und seinem Bruder Beat, genannt Fischli, dem er 2004 ein Lied widmete, «Gah lieber ga fische».

Bei all diesen und anderen Besuchen war Polo – ganz der Kumpel von nebenan – meistens auch im Dorf anzutreffen, zum Beispiel in der Jones Blues Bar, im erwähnten Johnny’s und natürlich im Anker, wo 1989 das grossartige Reunion-Livealbum der Rumpelstilz aufgenommen wurde – und sich somit der Kreis schloss.

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