Peter Kobels Comeback wider Willen

Der FC Spiez bezwingt Meiringen 2:1, macht damit einen grossen Schritt Richtung Ligaerhalt. Für Furore sorgt im Oberländer Derby ­Peter Kobel. Weil alle Goalies verletzt sind, hütet der 48-jährige Spiezer Coach das Tor.

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Es passiert beim Aufwärmen. Der Spiezer Goalie Roger Baumgartner reisst sich die Achillessehne; anstatt in der kapitalen Partie gegen Meiringen das Tor zu hüten, muss er ins Spital transportiert werden. Nun handelt es sich bei Baumgartner – und das ist nicht despektierlich gemeint – nur um eine Notlösung. Weil bereits alle drei Torhüter der Spiezer 2.-Liga-Equipe sowie jener der zweiten Mannschaft verletzt sind, hat Trainer Peter Kobel kurzerhand den Seniorengoalie aufgeboten. Was nun? Kobel stellt sich selbst auf!

Dass er diese Aufgabe übernehmen kann, steht ausser Frage. Zwischen 1986 und 2004 spielte der Reutiger schliesslich für YB, Servette, GC und den FC Thun in der NLA, kam gar im Uefa-Cup zum Einsatz. Allerdings ist Kobel mittlerweile 48 Jahre alt. Nun, das unfreiwillige Experiment glückt: Der FC Spiez bezwingt Meiringen auswärts 2:1, macht damit zwei Runden vor Schluss einen grossen Schritt Richtung Ligaerhalt. «Wir haben diese Aufgabe gemeinsam gut gelöst», hält der coachende Torhüter fest. Dennoch macht er klar: «Auch wenn es interessant war, ich möchte nicht mehr spielen, das darf nicht sein.»

Seniorengoalie Baumgartner eingerechnet, beklagt der FC Spiez derzeit zwölf Verletzte. «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Kobel. Er sei deshalb froh, über ein breites Kader zu verfügen – und auf der Goalieposition scheint sich das Problem für die letzten beiden Spiele zu lösen, einige Akteure sind wieder fit.

Nach dem Aufstieg im letzten Frühling spielte Spiez eine starke Vorrunde, klassierte sich zur Halbzeit auf dem 3. Rang. «In der ersten Saisonhälfte profitierten wir noch von unserem Lauf aus der Vorsaison», sagt Kobel, «in der Rückrunde haben wir dann gemerkt, wie eng es in dieser Liga wieder einmal zu und her geht.» Jedenfalls können die Spiezer nun gar noch ihr Ziel, einen Platz im Tabellenmittelfeld, erreichen.

Meiringer Ferien-Problem

Weniger rosig sieht es beim SV Meiringen aus. Der Rückstand der Haslitaler auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt drei Zähler. «Es tut extrem weh, wenn man weiss, dass wir diese drei Punkte nötig gehabt hätten», sagt Markus Bewert. Allerdings ist der Coach nicht allzu überrascht von der prekären Lage seines Teams. Wie beim FC Spiez fehlen auch den Meiringern diverse Spieler, jedoch nicht nur aus gesundheitlichen Gründen. Immer wieder melden sich Akteure bei Bewert ab, weil sie in die Ferien verreisen oder sonstige Verpflichtungen haben. «Ich muss praktisch in jedem Spiel die Innenverteidigung verändern. Klar muss ich das akzeptieren, schliesslich ist es für die Spieler ein Hobby. Und trotzdem geht es so eigentlich nicht», hält der Coach fest.

Noch kann Meiringen den Ligaerhalt schaffen, zumal es mit Breitenrain und Rothorn auf zwei Gegner trifft, die in Reichweite scheinen. «Auch wenn es gegen Breitenrain auf dem Kunstrasen eine Herkulesaufgabe wird, dort muss ein Dreier her», sagt Bewert. Mühe bereitet ihm, dass es ausgerechnet gegen Nachbar Rothorn zu einem Hitchcockfinale kommen könnte. Bewert, der beim Innerschweizerischen Fussballverband für die Gestaltung des Spielplans zuständig ist, sagt: «Würde ich bei uns ein Derby in der letzten Runde ansetzen, gäbe das ­Aufruhr.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.05.2017, 21:53 Uhr

2.?Liga regional

Nebst Spiez und Meiringen befindet sich mit Rothorn eine weitere Equipe aus dem Oberland im Abstiegskampf. Die Brienzer verbuchten am letzten Spieltag ein Erfolgserlebnis, spielten beim Tabellenweiten Köniz II auswärts 2:2. Drei Punkte Vorsprung haben die Brienzer auf Meiringen vorzuweisen. In der letzten Runde (11. Juni) wird es zum Duell zwischen Meiringen und Rothorn kommen. lüp

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